Miss Spring im :sprɪŋ:_fotokunst_analog_antjekroeger

Miss Spring im /sprɪŋ/

Diese Serie entstand während meines Fotoworkshops: Expression Explosion // Potpourrama // Crash Mash Flash – ich danke meinen drei Teilnehmer*innen für die Teilhabe an meiner Idee und das Sein meines Marmors. Was ich mit Marmor meine, könnt ihr in einem anderen Blogeintrag lesen ... (klick hier).

Als Erstes seht ihr ein PDF mit der Vorstellung, wie ich die Serie außerhalb dieses Blogs denke, anschließend der "normale" Blogeintrag. Und zu guter Letzt gibt es noch einen Blogeintrag mit den Meinungen zum Workshop, weil dieser neu ist in meinem Reigen. Am Ende des Jahres 2023 wird dieser Fotoworkshop wieder bei mir in Leipzig stattfinden.


Meine Serie ist ein wilder Mix aus verschiedenen digitalen und analogen Techniken, so wie es mein Fotoworkshop-Programm will:

  1. Vorbereitung: Titel für die Serie, Hintergrund malen, Blumen besorgen, Outfit denken und auf der Straße einsammeln, Marmor einladen
  2. Digitale Kamera
  3. Analoge Großformatkamera / Papiernegative entwickelt in der Dunkelkammer
  4. Polaroid-Lab-Drucker
  5. Schablone entwerfen
  6. Analoge Fotogramme belichtet in der Dunkelkammer
  7. Worte schreiben

Zum PDF-Inhalt springen

Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

1923. Ein Mensch beschließt, sich nicht mehr in die üblichen Geschlechterrollen kategorisieren und einsperren zu lassen. Dieser Mensch, entstiegen einem reichen, jüdischen Elternhause wurde im Vereinigten Königreich als Mädchen mit dem bürgerlichen Namen “Hannah Gluckstein” geboren.

2023. Sie sitzt im Zug in die Heimat, durchblättert eine Kunstzeitschrift. Bleibt an einem Werk hängen. Medallion (YouWe). “Gluck” – ausgesprochen nicht Glugg wie Glugge (Glucke ist richtig, aber sie lebt ja in Sachsen), wie sie es die ganze Zeit macht, sondern Glack wie Klack, nur weicher. Gluck malte es im Jahre 1936. Das Gemälde zeigt die Maler*in und die Geliebte in einer Seitenansicht, markant, androgyn, symbiotisch.

1989. Sie gibt ihren Namen her. Die Mutter wünscht es sich so. Die drei Kinder, von zwei verschiedenen Vätern, sollen gleich heißen. Der Familienname “Springer” geht ihr verloren.


Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

Gluck malte Landschaften, Menschen und Blumen. Gluck liebte Frauen. Gluck lebte immer vom Geld, welches ihre Eltern erwirtschaftet hatten. Gluck durfte Kunst studieren und bestritt ihr Leben anschließend aktiv als Künstler*in. Gluck gründete nie eine Familie. Gluck liebte bedingungslos und manchmal über alle Grenzen hinweg. Gluck trug einen Kurzhaarschnitt und ließ sich Herrenanzüge maßanfertigen. Gluck lebte im Luxus und manchmal im Rausch, liebte beides. Gluck musste kein Geld mit der Kunst verdienen. Gluck hatte lange Schaffenspausen. Gluck war gender-fluide. Aus Hannah Gluckstein wurde über Miss Gluck, wie sie an der Kunsthochschule gerufen wurde, Gluck. Damit distanzierte sich Gluck sowohl von ihrem Elternhaus als auch von ihrem Geschlecht qua Geburt. Gluck malte bevorzugt Frauen. Starke und unabhängige. Gluck setzte sich für die Sichtbarkeit von Frauen im Kunstbetrieb ein.


Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

Sie ist Künstlerin. Auch ihr Körper ist politisch. Sie ist Frau, qua Geburt und auch sozial. Mit aller Selbstverständlichkeit. Sie durfte studieren, musste aber immer von ihrem Werk und durch ihr Schaffen leben. Das war und ist nicht immer easy peasy. Auch sie liebt den Rausch. Im Jahr 2023 beschäftigt sie sich mit dem Jahr 1923. Sie begegnete Gluck. Beschäftigt sich zusätzlich mit Raum, Material, Bedeutungsebenen, Ihre Kunst besteht aus Schichten. Menschlichen. Materiellen. Symbolischen. Diese trägt sie auf. Manchmal langsam und unregelmäßig, dann wieder schnell und überbordend. Sie mag, wenn alles mit allem zu tun hat, ineinander übergeht oder verschwimmt. Sie mixt und remixt. Sie mischt, dreht um, überrascht sich selbst. Sie sammelt Material auf der Straße, klaut Blumen auf Friedhöfen und von öffentlichen Rabatten, lässt sich mit Ausrangiertem beschenken. Nichts in ihrer Kunst geschieht ohne Grund.


Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ
Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

Miss Spring im :sprɪŋ:-fotokunst-analog-antjekroeger-1923
Miss Spring im :sprɪŋ

One thought on “Miss Spring im /sprɪŋ/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

3. April 2023

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Neues Website-Design

Neues Website-Design

Lange hab ich es vor mir her geschoben! Aber nun. Nun ist es passiert. Ein neues Design für meine Website. Minimalistisch. Sicher. Übersichtlicher.
22. August 2026
Stanze
extreme nahaufnahme gesicht mit nägeln im mund, bemalte haut mit gitterlinien, expressives selbstporträt stanze-serie

Stanze

Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
14. August 2026
Zahl, was es dir wert ist – analoge Porträts im August und September
analog-fotokunst-antjekroeger-grossformat

Zahl, was es dir wert ist – analoge Porträts im August und September

EIN Angebot, bei dem DU entscheidest, was dir meine Arbeit wert ist. August und September 2026 öffne ich mein Atelier in Leipzig für 90-minütige analoge Fotoshootings: Porträt, Akt oder Künstlerfotografie, ganz wie du möchtest. Fotografiert wird mit meiner alten DDR-Großformatkamera, direkt auf Fotopapier – manchmal 50 bis 70 Jahre alt, mit all seinen Eigenheiten, seinem […]
5. August 2026
SchwanenSee (3)
zwei köpfe eng aneinander im wasser treibend, zärtliche umarmung schwanensee-serie teil 3, canon 6d

SchwanenSee (3)

Im Schwanensee thront ein Körper wie ein dunkler Sockel im Wasser, schwer und bewegungslos, als hätte das Licht beschlossen, ihn niemals zu beleuchten. Auf diesem Monument hängt ein weißer Geist, unruhig, ein flatternder Trotz aus Haut und Atem, der sich an das Prachtgefieder klammert, es umarmt, bedrängt, verdreht. Bis aus der Ruhe ein Beben wird und aus dem Beben eine Welle. Kein Sieg, keine Niederlage, sondern jenes gefährliche Dazwischen, in dem der See zuhört und selbst zum verschlingenden Tier mutiert.
5. August 2026
SchwanenSee (2)
zwei gesichter kopfüber im wasser durch rotes netzmaterial fotografiert, verzerrte doppelbelichtung schwanensee-serie teil 2

SchwanenSee (2)

eine gemeinsame Fotoinszenierung von: ALEXANDRA TCHERKASSOVA.  MARTIN ZANOTTI.  ANTJE KRÖGER Mein Leben ist Widerspruch.Leben in Widersprüchen.Das Leben sind Widersprüche.Meist bin ich warm.Wenn ich will, kann ich auch so richtig, richtig kalt. Sogar mit ziemlicher Kältest-Lust.Ich bin ein Wassertier.Ich liebe das Feuerspiel.Lachen (mit den anderen) ist Überlebens-Medizin.Das Weinen (mit mir allein) die größte Kraftquelle.Musik muss laut […]
5. August 2026