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Über-Mich Schmettermensch

Prolog

Zwei Fotosezionen aus dem November miteinander verwoben. Zu sehen zwei Frauen, ihre Namen beginnend mit einem A. Zehn Jahre liegen dazwischen. Eine Dekade, ein Jahrzehnt, ein Dezennium. 2012. 2022. Im alten Rom feierten die Herren Decennalia. Ich feiere auch. Mich. Freiheitlich. Freischaffend. Mit unendlich großer Kampfeskreativität. Stetig. Stoisch. Stolz.


Ich Schmettermensch liege da, schlage mit den schweren Flügeln. Klapp. Klapp. Klaaap. Klappp. Klapp. Klapp. Und denke nach. Über das Leben. Über-Leben. Klapp. Klapp. Das Leben. So ein wunderliches Ding. So unterschiedlich wertvoll gemacht, erlebt. Klapp. So kurz oder lang. So leer oder so voll. So schmerzvoll, blind, maßlos, unwichtig, zerstörend, vorbeirauschend, so privilegiert, rundgelutscht, langweilig, schubladig, undurchsichtig, so vorhersagbar, überraschend, so wendig, lustvoll, sexuell, geschlechtig, moralisch, riskant, bunt, arbeitsreich, vergnüglich, schwarz/weiß, mühevoll, tränenreich, lachend, strebend, schlafend, so unsinnig, angstvoll, tödlich,. Klapp. Klapp.

Ist das Leben ein gewollter Zustand? Eine freie Entscheidung? Haben wir Aufgaben? Lebens-Aufgaben? Wurden diese uns zugeteilt? Wer tat dies? Und woher weiß ich, welche Aufgabe meine ist? Oder suchen wir die Aufgaben selbst aus? Reicht es vielleicht auch, nur am Leben zu sein? Atmen. Flügel schlagen. Klapp. Klapp. Muss ich emporsteigen? Reicht nicht einfach „SEIN“ aus? Da fallen mir schon die nächsten Fragen ein. Was ist denn dieses „Sein“? Wer bin ich überhaupt? Hybrides Wesen. Gemisch. Schmetter-Mensch. Brauche ich eine Bezeichnung? Fühle ich mich anders durch eine Zuordnung? Klapp. Muss ich mich erklären? Ein dickes Ding. Welches ganz leicht durch die Lüfte flattern könnte. Doch. Lieber die Menschenseite in sich benutzt, um zu denken über dies und das. Hin und her. Und hoch und runter. Viel Zeit habe ich ja schließlich nicht, denn die Schmetterseite beschert mir nur ein kurzes Dasein auf dem Planeten. Was mache ich damit? Mit diesem Leben? Wer nährt mich? Was nährt mich? Was fühle ich? Wen fühle ich? Wer fühlt mich? Mir drückt der Kopf. So viele Gedanken. In so einem kurzen Leben. Sie flattern. Flatterhafte Gedanken. Klapp. Klapp. Ich liege da, ich Schmettermensch und denke. Über das Leben.

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