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Tscheburaschka

Ich erinnere mich genau an den Moment, als ich dich das erste Mal erblickte. Es war ein Uhr nachts, gerade war ich in deiner Stadt angekommen, gerade war ich mit meinem großen Körper und meinem großen Koffer und Armine, die dich schon als Kind liebte, mit dem heruntergekommenen, engen Fahrstuhl in den 9. Stock meines neuen Zuhauses auf Zeit gehievt worden. Neugierig trat ich durch die stählerne Tür, der Flur war hell erleuchtet. Meine Schuhe zog ich müde von den schweren Füßen, stellte sie ab. Da sah ich dich, auf einer nicht sehr hohen Garderobe stehen/sitzen, neben dir der Elefant. Duo Infernale. Sofort war ich wieder Kind. Ich wusste, ich kenne dich, aber eher so verschwommen, undeutlich. Müde folgte ich Armine, die mir mein Zimmer zeigte. Schnell schlief ich ein in dieser Nacht.

Am Morgen wurde ich geweckt, Baustellenlärm und Sonne. Zügig stand ich auf, zog die schönen Gardinen beiseite, öffnete das Fenster und ließ mich überwältigen von dieser Aus-Sicht, ich sog die Luft erst durch Nase, dann durch den Mund ein: Du riechst und schmeckst nach Feuer, neuer Ort. Ich erinnerte mich an dich, öffnete meine Zimmertür, wackelte Richtung Küche, in der Armine saß. Sie fragte ich nach dir. Auf meinem Handy zeigte ich Armine den Monchhichi meiner Kindheit, den ich auch heute noch beschütze. Armine nannte mir deinen Namen: Tscheburaschka (Чебурашка). Das Wesen, das fällt. Oh, wie charmant. Oh, wie fadenreich das Leben. Schon als Kind war ich eine Hinfallerin und Trotteline. Dagegen war nichts zu machen. Immer wollte alles umfallen in meiner Nähe oder hinunterfallen oder kaputtgehen, einschließlich mir selbst.

Ich fühlte mich zu dir, Tscheburaschka, hingezogen. Jeden Tag, wenn ich wieder durch die Eisentür trat, begrüßte ich dich und bewunderte deine niedlichen Ohren, du Wesen, das 1966 in der Sowjetunion geboren wurde. Am liebsten hätte ich dich eingesteckt in meinen Koffer, kurz spielte ich schon mit dem Gedanken … Aber das ging natürlich nicht. Du gehörst in Armines Leben, in Armines Arme und in Armines Herzen. Nur ein paar Momente entführte ich dich in die Sonne meines Zimmers.


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3. März 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026