Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien

Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien

Fotos. Antje Kröger & P. TH.

Stolpern oder kriechen? Oder einfach üben und wie eine Braumeisterin die besten Rezepte für die neuen analogen Prozesse finden? Das kreative zweitausendvierundzwanzig will (noch) nicht richtig in Fahrt kommen, thematisch zumindest. Es fällt mir ziemlich schwer, das Thema des letzten Jahres loszulassen. 1923 war so ein Reichtum, lange habe ich nicht geschafft, alles abzuarbeiten, was hätte noch Raum einnehmen können. Nun bin ich da in 2024 und kann mein neues Jahresthema noch nicht spüren. Bereits seit letztem Oktober hatte ich Ausschau gehalten, und ziemlich schnell "JA" gesagt, als DAS Thema mir begegnete. Theoretisch ist ES also schon da, liegt vor mir in großen Lettern, aber im Herzen hat's sich noch nicht eingenistet. Und so lasse ich meinem neuen Jahresthema die Zeit und den Raum, um sich in Ruhe zu entfalten, größer und wichtiger zu werden, damit ich hoffentlich bald anfangen kann, mit ihm zu arbeiten. Bis dahin lerne und lehre ich.

Bereits in der Weihnachtszeit starte ich mein Projekt mit der Filmsuppe, nachdem ich in den Herbstmonaten des letzten Jahres die C-41-Entwicklung von buntem Filmmaterial erlernt hatte. Solange ich denken kann, entwickle ich meine schwarz-weißen Filme selbst und mache Fotoabzüge in der dunklen Kammer. In meinen 20ern verbrachte ich mehr Zeit in der Dunkelkammer, als woanders, privat und journalistisch. Aber immer nur schwarz/weiß. Ich dachte sogar in Schwarz und Weiß und träumte farblos. Wirklich wahr. Nun aber endlich die Welt auch in analogen bunt aus eigener Hand. Die Gründe waren banal. Da lagerten im Kühlschrank noch ziemlich lang abgelaufene Filme. Die wollte ich keinem Labor überlassen. Und das mit den "günstigen" Laboren dauert immer ewig und drei Tage, Warten gehört nicht so zu meinen Stärken. Kaufte ich mir einen Temperatur-Zauberstab, denn die richtige Temperatur spielt bei der Color-Entwicklung eine essenzielle Rolle und legte los. Denn wie der Zufall es mochte, die passende Fotochemie hatte ich schon lange zu Hause. Zauberei. Die ersten sechs Filme funktionierten. Sie waren etwas zu dunkel fotografiert, denn wie ich lernte, hinterlassen die vielen Jahre ihre Spuren in der Beschichtung, das Material braucht vielviel mehr Licht während des Fotografierens. Aber das war nicht so wichtig. Als die Filmstreifen da so auf der Leine hingen, war ich schon ziemlich zufrieden. Nun wollte ich noch mehr. Gierig, wie ich bin. Die Filme sollten vor dem Belichten in der Kamera in einer Filmsuppe baden/kochen. Ich ließ die Filme etwa zwei Wochen auf meinem Kachelofen trocknen.

Beim nächsten Versuch fotografierte ich erst, bevor ich die Filme in der Suppe schwimmen ließ. Anschließend legte ich sie bei voller Power auf die Gastherme. Merkregel: Niemals wiederholen. Alles Plastik mag nicht so hohe Temperaturen. Der Film verschmolz wohl an der ein oder anderen Stelle und ergab viel kaputtes Material. Einfach etwas Warten. Drei, vier Tage an einem mittelwarmen Ort reichen völlig aus, um den Film fast getrocknet auf die Entwicklungsspule aufzuwickeln.

Probieren geht über Studieren. So könnte ich meinen Januar des noch frischen Jahres wohl übertiteln. Auch mit meinen Papiernegativen probierte ich ein wenig herum. Schablonen, Farbbesprühungen vor dem Belichten. Alles für Einzelstücke, die so nie wieder herstellbar sind. Ich vertraue dem Zufall. Dass er mir auch in der Zukunft weiter Geschenke bereiten wird.


Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien, Foto: P.T.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien, Foto: P.T.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien, Foto: P.T.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien, Foto: P.T.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien, Foto: P.T.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien

Werbung

NÄCHSTER FOTOWORKSHOP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

22. Januar 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Auf den Punkt gekommen
Bewegungsunscharfe Aufnahme einer dicken Frau im Ausfallschritt, gepunkteter Rock, glitzernder Hintergrund, analoge Großformatfotografie, clowneske Dynamik

Auf den Punkt gekommen

Tupfen über Tupfen, schwarz und weiß. Wirklich? Oder sehen wir sie nur schwarz und weiß? Illusion! Gold glitzert im Hintergrund (Woher wissen wir denn das? Es könnte doch auch Silber sein!) Der Raum gleicht einer Zirkuskulisse, die ihr Unterhaltungsversprechen längst gebrochen hat. Die kleinen und großen Punkte. Dots. Das Muster des Clowns, komisch und traurig zugleich, ein Kostüm. Der Körper dick, unverstellt, geöffnet. Kein Grund zur Scham, nur Fleisch
26. August 2026
Rausch-Tod-Imagination
Dicke Frau berührt sanft die roten Haare einer Frau mit verbundenen Augen, Nahaufnahme der Hände im Haar, dunkler strukturierter Hintergrund, konzeptuelle Imagination-Fotoserie

Rausch-Tod-Imagination

rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
Zauberei
nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

Zauberei

Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
25. August 2026
Neues Website-Design

Neues Website-Design

Lange hab ich es vor mir her geschoben! Aber nun. Nun ist es passiert. Ein neues Design für meine Website. Minimalistisch. Sicher. Übersichtlicher.
22. August 2026
Stanze
extreme nahaufnahme gesicht mit nägeln im mund, bemalte haut mit gitterlinien, expressives selbstporträt stanze-serie

Stanze

Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
14. August 2026