Hedda – eine Herbstballade-fotokunst-antjekroeger

Hedda – eine Herbstballade


„Auf so etwas gebe ich Ihnen keine Antwort. Ich weiß nur, daß Ejlert Lövborg den Mut gehabt hat, das Leben nach seinem eigenen Kopf zu leben. Und dann jetzt – das Große! Das, worauf Schönheit ruht. Daß er die Kraft und den Willen hatte, vom Fest des Lebens aufzubrechen – so früh.“

Henrik Ibsen, Hedda Gabler

Silberblatt, Kratzdistel, Große Klette. Stehen da. Aufrecht erst, dann verheddert durch das eigene Sein und die Resonanz mit ihr. Sie, die voller Pracht all das mitbringt, was das „richtige“ Leben abseits der Mittelmäßigkeit beschreibt. Eine Oktobergeborene. Ein Körper aus Linien, Flächen, Strukturen, Makeln, Rissen, Wunden und totem Material aus Schuppen, Haaren und Härchen, Nägeln. Warm und wollig. Kalt und löchrig. Ein Charakter, der der Mitte nie entsprungen ward. Abseitig und wertschätzend. Emotional stark, wenig narzisstisch. Denkend, nicht festlegend. Ruhig, aber extrovertiert. Laut in leisen Tönen. Gestalt und Inhalt. Das Leben feiernd und verfluchend. Immer zwingend die eigenen Schlüsse ziehend. Keine Zuordnung zur Institution. Poesie und Ästhetik vor dem geistigen Auge. Lust an Frau. Sein. Lust an Macht. Lust auf Unabhängigkeit. Lust an der Lust. Lust auf Fehler und Irrwege. Lust an Irrationalität und Verwicklungen. Lust auf Einsamkeit und Sehnsucht. Lust auf Fülle und Übermaß. Sometimes Askese, sometimes „Das große Fressen“. Lust darauf, der Herde zu entfliehen. Keine Furcht vor der Größe des Herzens. Furor Philosophicus im Leibe. Lieber Originalität als Quantität. Lieber keinen echten Freund als Heuchelei. Lieber Zuckerbrot und Peitsche als Moralvorstellung der Gruppe. Ach. Herbstmädchen. Alterslos. Erhaben. Eigensinnig. Immer wieder aufeinander treffend mit Klette & Co. Tanz. Kampf. Wut. Tränen. Herabwürdigung. Fall. Erneuter Aufstieg. Eher Zarathustra als Phoenix. Tanzen und Lachen. Lachen und Tanzen. Ein Kreis. Kreiseln. Kreisen. Im Kreis. Tatendrang. Möchte schaffen, erschaffen. Du schaffst das! Ach. Mädchen. Übermädchen. Ich mag dich sehr, so sehr, wie ich dich manchmal verfluche. Dieses schwere Leben. Diese Qual. Diese üppigen Möglichkeiten. Dieses Aushalten der Mitte und Mäßigkeit. Dieses Messen und Vermessen. Mädel dreh dich, Mädel dreh dich, ei hopsasasa. Wert und voll Wert. Im Kollektiv. Im Rudel. In der Herde. Lass mich dich anschauen. Du schönes Wesen. Du Oktoberkind. Ich fühle dich, in dem Riss meines Herzens.


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26. Oktober 2022

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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