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Der Hungerraum

Wir betraten den Hungerraum gemeinsam. „Express yourself“

Fotografie: Antje Kröger & Juni

Den Raum gab es nun schon ein paar Momente. Nachdem ich ihn vor ein paar Tagen verließ, hatte sich die Welt in einer Eile gedreht, dass ich dies kaum fassen konnte. Fast hatte es den Anschein, sie, diese Weltenerde, könne bald keine Zeit mehr dazu haben, also zum Drehen. Aber wir beide Menschenkinder nahmen uns nun genau diese. Die Zeit für den Hunger, die Zeit für den Hungerraum. Die Zeit, in diesen Raum noch einmal mit unseren Leibern und Seelen hinein zu fühlen. Ihn machen lassen mit uns, worauf er Lust hätte.

„Life is a mystery
Everyone must stand alone
I hear you call my name
And it feels like home“

Hast Du schon einmal den Hunger verloren? Ich noch nie. Oder doch? Wenn, dann nur kurz. Aber von welchem Hunger sprechen wir denn überhaupt? Den Nahrungshunger? Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich mal hungrig war in den letzten Monaten. Es ist doch immer so viel Essen um uns herum. Schlaraffenland. Nehmen. Nehmen. Keine Gedanken machen. Hinein ins Loch. Stopf. Stopf. Mastmensch. Und hast du dich denn in den letzten Monaten mal gewogen? Nein. Wozu denn? Ich wiege mich niemals. Auch beim Hausarzt nicht. Er hat deshalb schon einen Vermerk in meiner Gesundheitsakte hinterlassen. Kann ich drüber lachen. Wiege. Wiege. Kontrolletti. Ich mag den Hunger nicht. Er ist so kraftlos. In der Völle liegt meine Kraft. Aber kennst du denn anderen Hunger? Was meinst du? Naja, Hunger nach Liebe, nach Anerkennung, nach Glück, sowas halt. Seufz. Ich weiß wirklich nicht, wovon du sprichst. Ich habe doch keinen Hunger nach Glück und nach der Liebe schon gar nicht. Warum denn nicht? Beides kann ich doch nicht essen.

Ich habe immer Hunger. In jeder Sekunde meines Leben. Hunger. Füllen. Hunger. Füllen. Völle. Und wieder von neuem. Leere in meinem Körper halte ich nicht aus, übrigens auch nicht die Leere in meinem Geist. Könnte ich es mir aussuchen, wäre ich gerne ein Wesen without a Leib. Leiblos. Raus aus dem Gefängnis. Nur noch mein Geist. Meine Seele. Alles feinstofflich. Weg mit dem umständlichen Leib, dem Käfig voller Sorgen.


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Der Hungerraum
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6. Februar 2023

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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