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1923

DIXiLAND
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DIXiLAND

Ein Jahr voll 1923er Gedanken. Ein Jahr 2023. Ein Jahr erschaffen, denken, leben, fühlen auch. Ein heftiges Jahr. Als ich am 1. Januar 2023 am Grabstein meiner Großmutter stand, hätte ich mir nicht ausdenken können, was in einem Jahr alles stecken kann. So viel Kraft. So viel Energie. So viel Veränderung. So viel Leid. So viel Traurigkeit. So viel Wucht. So viel Unbehagen. So viel Rausch. So viel Bewegung. So viel Erstarren. So viel Herz. So viel Neu. So viel Nähe. So viel Naivität. So viele Farben. So viele Dimensionen. So viel Rhythmus. So viel Groteske. So viel Melancholie. So viele Tränen. So lautes Lachen. Krieg. Monströse Begegnungen. Loslassen. Entdeckungen. Erwartungen. Enttäuschungen. Tanz und Tod. Blick und Distanz. Witz, Diabolik, Sinnlichkeit. Zerstörung. Wut. Magie. Ich. Mir. Mich. Mein. „Zum Kotzen schön“ (Otto Dix)
13. Dezember 2023
jukss
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jukss

Im Körper der Seekuh, von Wellen getragen, Webt die Kupplerin ihr Netz, so stetig und träge. Prothese der Zeit, in der das Grünes Halstuch tanzt im Nebel, Umhüllt von einer dritten Sicht.
22. November 2023
lerkeit
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lerkeit

In des Auges tiefschwarzer Schlund, ein Schimmer von Rot, Geboren in die Leere, in die Stille aufgebrochen, fast tot. Zäh, wie das Flüstern der Zeit, Weben Kriechtiere, in Unsichtbarkeit geweiht.
22. November 2023
argorten
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argorten

In Äons Labyrinth, ein Wesen, nicht gebeugt, allein, Durch Gassen aus Lügen und Verrat gegangen, auf der Suche nach dem weisen Stein. Bewohnt ein Irrgarten der Leiden--Sucht, von bunten Schatten überzogen, Will es der Vergangenheit begegnen, doch die Stille bleibt ungebogen.
22. November 2023
Licht und Schatten
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Licht und Schatten

Licht und Schatten. Wir blätterten zusammen in einem Buch herum mit genau diesem Titel. Simon erzählte von der neuen Staffel von Babylon Berlin, ich trennte mit meiner Kuchenkabel ein Stück Teig vom Obst. Es war Simons zweiter Selbstgebackener. Ich hatte schon ein paar mehr gebacken im Leben, aber keiner war so lecker. Unsere großen Türkenpötte […]
17. Oktober 2023
Das Auge lässt sich nicht täuschen
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Das Auge lässt sich nicht täuschen

Die Zauber sind verschwunden,  die Mythen im Schlaf versunken.  Wer soll sich ihrer erinnern ...  Nackt in ihrer Angst, liegt sie da, im Meer, die Insel der Ägäis.  Schönheit hat aufgehört der Gewalt zu dienen.  Die Masken – gefallen.
25. September 2023
Schamheiligkeit
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Schamheiligkeit

Sie wurde keine 30 Jahre alt. Starb ausgezehrt, verarmt, unverstanden. Die Anita. Die Berber. In Berlin kannte & kennt jeder und jede sie, der einem wilden Nachtleben frönt. Dort findet sie statt, auch heute noch. Was ist los in Leipzig? Dort wurde das erste It-Girl der Nation schließlich geboren. Seitdem ich im Jahre 1923 festhänge, geistert die Dame in meinem Kopf herum.
14. Juli 2023
Das Venusianische Ballett
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Das Venusianische Ballett

Das venusianische Ballett, ein Traum im Zwielicht, in dem Grenzen verschwimmen und das Licht im Dunkel bricht. Unsere Venussen tanzen auf unsichtbarem Parkett, in einer Welt, in der die Wahrheit niemals Oberhand gewinnt. Im Labyrinth der Existenz verirren sie sich, ihre Seelen gefangen in einem endlosen Strich. Eine Prinzessinengruppe, drei gleiche ohne Gleichen, versunken in einem Strudel von Liebe und Leiden. Die Blühende, Versehrte, die Befangene in Schmerz, die Pflanzliche, Schmerzhafte, die Durchlässige im Herz. Die Natur, der Krieg, die See in ewigem Streit, die Weh-Nussen gefangen in ihrer eigenen Zeit.
16. Juni 2023
Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet //
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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet //

oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke Dann also liege ich unter dem Moos, oben auf der eingebrachten Beute, umflossen von Blut und Fleischsäften, und könnte den ersehnten Schlaf zu schlafen beginnen. Nichts stört mich, niemand ist mir gefolgt, über dem Moos scheint es, wenigstens bis jetzt, ruhig zu sein, und selbst wenn es […]
16. Juni 2023
Synthesia
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Synthesia

Im Raum der zeitverschlungenen Daseinsformen, gefangen zwischen Leben und Vergänglichkeit, manifestieren sich zwei Kreaturen, aus unterschiedlichen Brunnen geklettert. Der eine, ein männlicher Schatten, der die Kühle der Sachlichkeit in seinen Adern trägt. Sein Antlitz in greller Schärfe erzählt stolz von vergangenen Schlachten und zerrissenen Träumen. Sein Leib, von Krieg gezeichnet, gleicht einem Messer, scharf und dünn, das die Grenzen seiner Existenz zu durchdringen scheint. Seine Wunden, stolz zur Schau getragen, sind das Echo eines vergangenen Grauens, das ihn mit jedem Atemzug zu verschlingen droht.
24. Mai 2023
Der Matrone Klagegesang
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Der Matrone Klagegesang

Sie hängt an der Leine: Mein mechanischer Schnur-Auslöser sorgt dafür, dass ich mit meiner geliebten DDR-Großformatkamera meine geliebten Papiernegative auf 13x18 Zentimetern aufnehmen und dabei selbst in den fotografischen Raum treten kann, den ich gerade erschaffen habe. Alle Fotografien sind um die 10 Sekunden belichtet. Ich bin schon sehr erstaunt, wie still ich doch halten kann. Dieser Prozess ähnelt mehr dem Modellstehen vor der Malereiklasse als der Fotografie. Doch die Magic in der Dunkelkammer, wenn jedes Papier das Negativ freigibt und später noch einmal eine ähnliche Magic, wenn der Scanner aus dem Negativ das fertige Bild spuckt, ist anders als Bleistift oder Pinsel auf Papier.
14. Mai 2023
Zerrspiegelte Zeit
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Zerrspiegelte Zeit

Das Jahr 1923 bringt so viele Überraschungen mit sich, dass ich immer wieder gleite von jetzt nach damals und versinke in der anderen Zeit. Überall auf der Welt passieren Unglaublichkeiten, denen eine Recherche zusteht. Doch meine Zeit ist begrenzt. Meine bisherigen 1923-Reminiszenzen: Zu Lebzeiten schillerte der Pharao eher grau, im Tode vergoldete sich sein Sein. […]
26. April 2023
Varitustruktion
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Varitustruktion

Mir erschien die überdimensioniert große Schnecke im Traume. Sie hatte sich aufgemacht aus ihrem Glaspalast. Den Deckel beiseite geschoben. Schleimiger Weg zu mir ins Schlafzimmer. Ihr Kalziumkarbonat-Haus passte kaum durch die Türen. Das schleifige Geräusch drang an meine Schlafohren. Während sie zu mir kroch, kaute sie genüsslich auf ihrem Blatt herum und schiss gleichzeitig das Verdaute wieder hinaus. Das Getier hinterließ eine Spur aus Sekret, Fäkalien, Abrieb des Gehäuses. Mich schüttelte es im Traum. Es war klar, den Besuch der Todesschnecke würde ich nicht überleben. Genauso kam es. Nur noch Fetzen meines Traumes sind mir in Erinnerung. Die Schnecke legte sich wie der Mantel des Todes auf meinen nackten Körper. Der Mantel war schwer. Doch ich wurde nicht erdrückt, zerdrückt. Nein. Ich ertrank im Schleim der Kriechenden. Sie nässte mich komplett ein. Erst schluckte ich noch, dann verschluckte ich mich, schließlich ging ich unter und riss dabei die Augen ganz weit auf …
4. April 2023
Miss Spring im /sprɪŋ/
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Miss Spring im /sprɪŋ/

Sie ist Künstlerin. Auch ihr Körper ist politisch. Sie ist Frau, qua Geburt und auch sozial. Mit aller Selbstverständlichkeit. Sie durfte studieren, musste aber immer von ihrem Werk und durch ihr Schaffen leben. Das war und ist nicht immer easy peasy. Auch sie liebt den Rausch. Im Jahr 2023 beschäftigt sie sich mit dem Jahr 1923. Sie begegnete Gluck. Beschäftigt sich zusätzlich mit Raum, Material, Bedeutungsebenen, Ihre Kunst besteht aus Schichten. Menschlichen. Materiellen. Symbolischen. Diese trägt sie auf. Manchmal langsam und unregelmäßig, dann wieder schnell und überbordend. Sie mag, wenn alles mit allem zu tun hat, ineinander übergeht oder verschwimmt. Sie mixt und remixt. Sie mischt, dreht um, überrascht sich selbst. Sie sammelt Material auf der Straße, klaut Blumen auf Friedhöfen und von öffentlichen Rabatten, lässt sich mit Ausrangiertem beschenken. Nichts in ihrer Kunst geschieht ohne Grund.
3. April 2023
Ich-Zerfall Part II
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Ich-Zerfall Part II

ICH habe das Gefühl, ICH möchte etwas sagen beziehungsweise schreiben. Um meine Aussagen zu bündeln, geschieht es an dieser Stelle und nicht in den sozialen Medien. In den vergangenen Wochen geschahen verschiedene Ereignisse, die zu diesem Wortausbruch führen. Im Grunde kreisten diese Ereignisse immer um ähnliche Themen. Was ist Kunst? Was kann Kunst? Was darf Kunst? Wie gehe ich als Rezipient*in mit Kunst um? Wie stehe ich als Künstlerin zu alledem? ICH gebe hier jetzt keine abschließenden Schlüsse und Gedanken, sondern nur das wieder, was mein sogenannter Status Quo ist. Auch ich entwickle mich weiter oder sehe das ein oder andere demnächst vielleicht anders. Dies soll auch kein Vorwurf sein an die Menschen, die mit dem Ausbruch der Worte verquickt sind. Im Gegenteil. Ihr helft mir, klarer zu werden. Und ihr helft mir vor allem darin, auch klarer das zu kommunizieren, was für mich sowieso klar ist! Aber eines nach dem anderen …
29. März 2023
Ich-Zerfall
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Ich-Zerfall

Ich-Zerfall: Das Wort zog mich an. So richtig in seinen Bann. Vom ersten Moment an. Ich las und recherchierte über die 1920er Jahre und begegnete schnell dem Expressionismus und der Psychoanalyse. Ich-Zerfall. Im damaligen Verständnis. Zum einen die Darstellung des ICHs im Zentrum eines Kunstwerkes, damit also das Sein des Künstlers, der Künstlerin im Mittelpunkt […]
10. März 2023
Der Hungerraum
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Der Hungerraum

Hast Du schon einmal den Hunger verloren? Ich noch nie. Oder doch? Wenn, dann nur kurz. Aber von welchem Hunger sprechen wir denn überhaupt? Den Nahrungshunger? Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich mal hungrig war in den letzten Monaten. Es ist doch immer so viel Essen um mich herum. Schlaraffenland.
6. Februar 2023
Mageres Fleisch // Von Hungertag zu Hunger-Tag 
Mageres Fleisch :: Von Hungertag zu Hungertag _fotokunst_antjekroeger

Mageres Fleisch // Von Hungertag zu Hunger-Tag 

nähre mich. ich verhungere. beschütze mich. ich hungere. fülle mich. ich verhungere. in mir macht sich eine leere breit. sie wächst. wie ein furunkel. sie schmerzt. wie der gebrochene knochen. ich krampfe. ich kann nichts mehr sehen. ich erblinde. ich habe hunger. mein körper bläht sich auf. blitze im kopf. ich ver-rücke. nähre mich. fließe durch meinen schlund. in mich hinein. wärme mich. hilfe. ich verhungere. mein geist oszilliert. ich werde panisch. ich habe solchen hunger. komm endlich wieder zu mir. in mich. ich reibe mich auf. gedanken schwirren um dich. es existiert nur noch mein hunger. nach dir. ich ver-rücke mehr und mehr.
1. Februar 2023
Snaga Lavova
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Snaga Lavova

Identität, Schönheit, Selbstausdruck (1923 // 2023) Fantasievolle Verwebung dreier Frauenbiographien des 20. Jahrhunderts, angelehnt an die Leben der kroatischen Komponistin Dora Pejačević, der Lebefrau und Wienerin Alma Mahler-Werfel, der amerikanischen Tätowiererin und Schaustellerin Betty Broadbent.
25. Januar 2023
Schwarze Gardinen (Schatten des Unvorhergesehenen)
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Schwarze Gardinen (Schatten des Unvorhergesehenen)

Am 1. Januar 2023, das Jahr war erst wenige Stunden alt, stand sie am Grab der Großmutter. Martha. Marta, die das "h" einfach strich aus ihrem Leben. Marta. Deren Hochzeitskette sie an besonderen Tagen um den Hals hängte, um Omama nahe zu sein. Marta, die 1923-geborene. 100 Lebens-Jahre würde Marta 2023 feiern, wenn nicht der Tod dazwischen gekommen wäre in den frühen Stunden eines 1. Januars vor fast zwanzig Jahren. Damals wurde sie geweckt durch das Telefon, Silvesternacht-verkatert horchte sie erst den sanften Worten des Onkels. Danach lag sie nur noch bewegungslos da und schrie. Mehrere Stunden dauerte dieser Zustand an bis die guten Menschen aus ihrem Schutzraum sie beruhigen konnten. Damals breitete sich der Schmerz wie ein bleierner Schleier über sie aus und blieb ein paar Jahre. Sie kannte den Schmerz. Seitdem sie ein kleines Kind war. Aber dieser Schmerz war anders. Er schoss bis tief ins Mark. Eine Liebe starb. Vor ihren Augen. Eine Liebe, die vom ersten Tag ihrer Geburt liebte und liebte und liebte. Eine Liebe, die andere starke Lieben überlebte. Eine Liebe, die es prägte, ihr System von Werten und Normen.
19. Januar 2023