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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet //

oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke

Dann also liege ich unter dem Moos, oben auf der eingebrachten Beute, umflossen von Blut und Fleischsäften, und könnte den ersehnten Schlaf zu schlafen beginnen. Nichts stört mich, niemand ist mir gefolgt, über dem Moos scheint es, wenigstens bis jetzt, ruhig zu sein, und selbst wenn es nicht ruhig wäre, ich glaube, ich könnte mich jetzt nicht mit Beobachtungen aufhalten; ich habe den Ort gewechselt, aus der Oberwelt bin ich in meinen Bau gekommen und ich fühle die Wirkung dessen sofort. Es ist eine neue Welt, die neue Kräfte gibt, und was oben Müdigkeit ist, gilt hier nicht als solche. Ich bin von einer Reise zurückgekehrt, besinnungslos müde von den Strapazen, aber das Wiedersehen der alten Wohnung, die Einrichtungsarbeit, die mich erwartet, die Notwendigkeit, schnell alle Räume wenigstens oberflächlich zu besichtigen, vor allem aber eiligst zum Burgplatz vorzudringen, das alles verwandelt meine Müdigkeit in Unruhe und Eifer, es ist, als hätte ich während des Augenblicks, da ich den Bau betrat, einen langen und tiefen Schlaf getan. Die erste Arbeit ist sehr mühselig und nimmt mich ganz in Anspruch: die Beute nämlich durch die engen und schwachwandigen Gänge des Labyrinths zu bringen. Ich drücke vorwärts mit allen Kräften und es wenigstens oberflächlich zu besichtigen, vor allem aber eiligst zum Burgplatz vorzudringen, das alles verwandelt meine Müdigkeit in Unruhe und Eifer, es ist, als hätte ich während des Augenblicks, da ich den Bau betrat, einen langen und tiefen Schlaf getan.


Franz Kafka, Der Bau

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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke

Meine Einführung in das Thema

Die Erzählung „Der Bau“ von Franz Kafka entstand ein halbes Jahr vor dem Tod des Dichters. Nach Berichten schrieb Kafka sie in nur einer kalten Winter-Nacht am Ende des Jahres 1923 nieder. „Der Bau“ blieb unvollendet. 1924 starb Franz Kafka an einer Tuberkulose. Mit dieser Fotoserie bin ich wieder im Jahr 1923. Dem Thema meines Jahres 2023. Herr Franz Kafka mitten drin. Wer mein Werk bis hier her kennt, weiß, dass der Prager / Deutsche / Jude schon mehrmals Teil meines Schaffens war. In Bild und Schrift.

Mein Kafka dieser Serie läuft auf Rollschuhen in den Raum der Geschichte, der reale Kafka schwamm und ruderte, beides exzessiv. Mein tierischer Protagonist frisst sich mit Spaghetti um den Verstand, der echte Kafka hingegen war wahrscheinlich magersüchtig, ein Kontrollfreak. In meiner Bildergeschichte sind auch meine Helferinnen zu sehen (mein Dank an Kira und Mika), ich öffne für den Zuschauer und die Zuschauerin kurz die Hinterbühne. Kafka selbst ist anfangs Teil der Inszenierung, bevor aus ihm das Tier, also der Hauptdarsteller dieser Adaption wird. Ich arbeitete mit analogen Kameras, Polaroid und Mittelformat. Wie auch Kafkas Werk bleibt meine Serie unvollendet und bricht nach der Nudel-Schlacht abrupt ab.

„Der Bau“ von Franz Kafka erzählt die Geschichte eines namenlosen Tieres, das obsessiv einen komplexen unterirdischen Bau errichtet, mit zwei Eingängen und einem „offiziellen“ Ausgang, um sich vor vermeintlichen Feinden zu schützen. Das Tier errichtet verschiedene Tunnel, Gänge und Kammern, die zu einem komplizierten Labyrinth werden. Seine erbeuteten Schätze liegen alle versammelt auf dem Burgplatz. Das Tier lebt in ständiger Angst und Paranoia, ausgelöst durch ein Zischen, ein Geräusch, das die Stille durchbricht, isoliert sich zunehmend von der Außenwelt und verliert den Bezug zur Realität. Die Erzählung thematisiert menschliche Ängste, Kontrollbedürfnis und die Konstruktion der eigenen Wirklichkeit.


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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke
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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke
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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke
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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke
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Der Bau (nach Franz Kafka) // unvollendet // oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke

Das schönste an meinem Bau ist aber seine Stille, freilich sie ist trügerisch, plötzlich einmal kann sie unterbrochen werden und alles ist zu ende, vorläufig aber ist sie noch da, stundenlang kann ich durch meine Gänge schleichen und höre nichts als manchmal das Rascheln irgendeines Kleintiers, das ich dann gleich zwischen meinen Zähnen auch zur Ruhe bringe, oder das Rieseln der Erde, das mir die Notwendigkeit irgendeiner Ausbesserung anzeigt, sonst ist es still.

Franz Kafka, Der Bau

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16. Juni 2023

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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