Seit 13 Jahren begleite ich Menschen fotografisch. Ich unterrichte nicht nur die Fotografie, sondern das Sehen. Das Erkennen. Das Entscheiden.
Die Kamera ist (m)ein Werkzeug – aber der Blick, der Gedanke, das innere Bildnis: das ist das, worauf es ankommt.
Noch ist der September gar nicht vorbei. Dennoch war er äußerst merkwürdig. Ein Monat ohne richtiges Profil eigentlich und wenig Verbindung zu meinem Leben sowieso. Ein Monat, der nach dem August nur abkacken konnte. Dem kommenden Oktober könnte er sowieso niemals das Wasser reichen.
Dieser September war irgendwie anders. Warm war’s. So oft habe ich mich selten auf den Weg zum See gemacht. Am Anfang war der Monat noch emotional, dann wurde er ziemlich schmerzhaft (körperlich), dann wurde er auf einmal voll, die Kraft musste immer gut eingeteilt werden. Und dann wurde er wieder schmerzhaft (seelisch), weil ich mich künstlerisch einer Sache widmete, die an die Substanz ging. Gut so. Natürlich.
„dann hat man es leichter im leben“ – eine Kurzdokumentation über Antje Kröger von Michael Philipp
Michael war vor zwei Jahren bei mir im Fotografie-Workshop. Zuvor war seine Frau Nicole bereits zweimal in Leipzig gewesen, um mehr über meinen Ansatz zur Fotografie zu erfahren und von mir zu lernen. Das Paar lebt in Bern. Michael wollte die Tage in Leipzig zusätzlich nutzen, um einen „kleinen“ Film über mich zu drehen – denn er ist Filmemacher. Gesagt, getan. Das Resultat ist nun, zwei Jahre später, endlich zu sehen. Spannend – gerade jetzt, in einer Zeit der Veränderung für mich.
Fotoworkshops – sie begleiten mich nun schon seit 13 Jahren. Anfangs mit Unterstützung, inzwischen unterrichte ich schon lange ganz allein. Erst in Berlin, jetzt in Leipzig. Es erfüllt mich, zu lehren. Die Workshop-Wochenenden nähren nicht nur meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch meine eigene Kunst. Die Menschen, die durch meine Workshops gehen, sind für mich […]
Ohne die Hässlichkeit keine Sicht auf Schönheit. Ohne den Abgrund kein Wissen um den Aufstieg, ohne den Schmerz kein Vergnügen, ohne fest kein weich, ohne fest kein lose, ohne fest keine Befreiung. Die Hässlichkeit hat schöne Momente, die Schönheit durchaus ziemlich hässliche Aspekte.
Der Kamm schiebt sich voran, löst Knoten wie unsichtbare Sünden. Es ist nicht nur das Haar, das er ordnet – es ist die Scham, die sich in den Tiefen versteckt. Es ist die Erinnerung an Berührung, vergangen, doch nicht verblasst. Er zieht Linien, feine, vergängliche Pfade in die Fülle, wie ein Stummer, der Geheimnisse ordnet, […]
a:u:f:g:e:k:r:a:t:z:t und ent//rückt: fragmente skurriler brüche (II)
Ein tiefschwarzer Raum ohne Anfang, ohne Ende. Lautlos beginnen sich die Konturen zu verändern. Wände verschieben sich, Türen erscheinen und verschwinden wieder. Der Raum dehnt sich aus, faltet sich, vervielfältigt sich – Dimensionen entstehen, überlagern sich, zerfallen wieder. Die Schwärze wird durchzogen von Grautönen, flüchtigen Schatten, die für einen Moment Bestand haben, nur um dann zu verglühen. Flash. Wieder Dunkelheit. Schwarz. Weiß. Hell. Dunkel. Ein flackernder Rhythmus. Begrenzungen lösen sich auf, die Wände fließen ineinander, als würde die Wirklichkeit selbst Wellen schlagen. Dimension um Dimension wird geboren, jede will sich behaupten, will bleiben – doch keine kann die nächste aufhalten. Du bist mittendrin, Teil dieses ständigen Wandels, dieser unaufhörlichen Entwicklung. Und aus diesem Spiel von Licht und Schatten, von Sein und Nichtsein, entfaltet sich eine Welt, die zugleich vertraut und unbegreiflich scheint.
a:u:f:g:e:k:r:a:t:z:t und ent//rückt: fragmente skurriler brüche (I)
Die Welt knirscht an ihren Grenzen. Sie nimmt die Erinnerungen von den Wänden, aus den Kartons, von der Leine. Sie spürt die weichen Hände um ihren Hals gelegt und hört danach in Dauerschleife diesen Satz: „Ist skurril gut oder schlecht?“ Woher sollte sie das denn wissen? Sie hatte das Wort noch nie in ihrem Mündlein gehabt. Welchen Geschmack könnte es haben? Süß oder sauer? Bitter oder salzig? Sie wusste nur: Auf sachlich folgt nun surreal. Eigentlich falsch herum. Damals war die Reihenfolge noch eine andere. Egal.
Filmsuppe und andere analoge Fotografie-Spielereien
yStolpern oder kriechen? Oder einfach üben und wie eine Braumeisterin die besten Rezepte für die neuen analogen Prozesse finden? Das kreative zweitausendvierundzwanzig will (noch) nicht richtig in Fahrt kommen, thematisch zumindest. Es fällt mir ziemlich schwer, das Thema des letzten Jahres loszulassen. 1923 war so ein Reichtum, lange habe ich nicht geschafft, alles abzuarbeiten, was hätte noch Raum einnehmen können. Nun bin ich da in 2024 und kann mein neues Jahresthema noch nicht spüren. Bereits seit letztem Oktober hatte ich Ausschau gehalten, und ziemlich schnell "JA" gesagt, als DAS Thema mir begegnete. Theoretisch ist ES also schon da, liegt vor mir in großen Lettern, aber im Herzen hat's sich noch nicht eingenistet. Und so lasse ich meinem neuen Jahresthema die Zeit und den Raum, um sich in Ruhe zu entfalten, größer und wichtiger zu werden, damit ich hoffentlich bald anfangen kann, mit ihm zu arbeiten. Bis dahin lerne und lehre ich.
Im Körper der Seekuh, von Wellen getragen,
Webt die Kupplerin ihr Netz, so stetig und träge.
Prothese der Zeit, in der das
Grünes Halstuch tanzt im Nebel,
Umhüllt von einer dritten Sicht.
In des Auges tiefschwarzer Schlund, ein Schimmer von Rot,
Geboren in die Leere, in die Stille aufgebrochen, fast tot.
Zäh, wie das Flüstern der Zeit,
Weben Kriechtiere, in Unsichtbarkeit geweiht.
In Äons Labyrinth, ein Wesen, nicht gebeugt, allein,
Durch Gassen aus Lügen und Verrat gegangen, auf der Suche nach dem weisen Stein.
Bewohnt ein Irrgarten der Leiden--Sucht, von bunten Schatten überzogen,
Will es der Vergangenheit begegnen, doch die Stille bleibt ungebogen.
Immer für eine Überraschung gut, der Drei-Tages-Workshop im November Auch in diesem November gab es den dreitägigen Intensiv-Fotoworkshop bei mir in Leipzig. Mit Abstand ist dies der beliebteste Fotografie-Workshop in meinem wechselnden Angebotsreigen. Dieser Workshop hat es in sich, ein großer Packen an Theorie und viele praktische Übungen dazu. Immer wieder anders, immer wieder gut […]
Meine Großformatkamera heißt: Studiokamera Mentor (13 x 18 cm) und wurde zwischen 1966 und 1970 in der DDR hergestellt. Mit ihr fotografiere ich direkt auf analogem Fotopapier. Diese Kamera war im wahrsten Sinne meine Mentorin. Hat mich gelehrt, mich zum Schwitzen gebracht, mich immer wieder dazu gezwungen, regelmäßig zu üben. Eine fantastische Lehrerin, die Kamera. Ich eine wissbegierige Schülerin!
oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke Dann also liege ich unter dem Moos, oben auf der eingebrachten Beute, umflossen von Blut und Fleischsäften, und könnte den ersehnten Schlaf zu schlafen beginnen. Nichts stört mich, niemand ist mir gefolgt, über dem Moos scheint es, wenigstens bis jetzt, ruhig zu sein, und selbst wenn es […]
Wälin und Straßenköter (ver)zaubern (gemeinsam) – FOTOWORKSHOP: Licht, Gestaltung, Farbe
Dieser Workshop stand unter besonderem Stern. Reisen und Feuer waren ihm vorausgegangen. Ich auf Anschlag energetisiert. Zum ersten Mal verzauberte ich mit meiner fotografischen Lehre nicht alleine, sondern ein "handzahmer Straßenköter" war mit von der magischen Partie; er stand, lag, kroch, fiel vor der Kamera, aber vor allem begeisterte er die Teilnehmer mit seinen Texten über jeden von ihnen. Da kullerte die ein oder andere Träne aus dem Knopfloch. Auch aus meinem. Übrigens.
sich-kennen-lernen Als Julius von Adidas mich kontaktierte, um nach einem Street-Porträt-Workshop für seine Designer in Leipzig zu fragen, war ich kurz irritiert, freundete mich aber schnell mit dem Gedanken an, auch mal eine größere Gruppe zu unterrichten – und sagte zu. Wir sollten immerhin zwei Tage Zeit bekommen, um uns (fotografisch) aufeinander einzulassen. Irgendwann im […]
(im Workshop gab Frau mir dieses Thema, ich forderte auf!) Was, wenn die Urenkel der Nihilisten längst ausgezogen wären aus dem staubigen Devotionalienladen, den wir unsere Weltanschauung nennen? Wenn sie die halb leergeräumten Lagerhallen der Wertigkeiten und Wichtigkeiten, des Nützlichen und Notwendigen, Echten und Rechten verlassen hätten, um auf Wildwechseln in den Dschungel zurückzukehren, dorthin, […]
Ein kleiner Zwischenfall warf ein grelles Licht auf diese breiter werdenden Risse. In dem weiten verschneiten Park wurde hinter dem Schewtschenko-Standbild eine junge Partisanin zum Galgen geführt. Eine Vielzahl deutscher Schaulustiger versammelten sich. Landser der Wehrmacht und Orpos, aber auch Angehörige der Organisation Todt, „Goldfasanen“ aus dem Ostministerium, Piloten der Luftwaffe. Es handelte sich um […]
Die Serie ist der letzte Teil einer Trilogie. Einer Trilogie, die ich nicht konzipiert habe, sondern das Leben. Ich freue mich über sie, weil wir drei hier im Gleichklang fühlen, obwohl wir so unterschiedlich sind. Vor ein paar Monaten noch Fremde, nun Freundinnen, meinen Fotoworkshops sei DANK! Ich mag all die Begegnungen, diese jedoch nimmt in […]
In den letzten Tagen habe oft ich darüber nachgedacht, für wen ich diese Fotos gemacht habe: für sie, für mich, für ihre Mutter, für meine Mutter, als Denkmal oder Mahnmal oder einfach auch nur, weil es die Konsequenz aus den Geschehnissen war – wahrscheinlich ein Konglomerat aus alledem. Ihre Mama traf mich vor nicht langer […]
Sie war Teilnehmerin meines Aktworkshops am vergangenen Wochenende. Die ersten zwei Stunden nahm ich sie kaum wahr, sie saß da, sie hörte zu, sie brachte sich nicht ein. Doch dann war sie an der Reihe, ich erinnere mich noch so genau an ihre ersten Worte, fast waren diese wie eine Offenbarung, aber in jedem Fall […]
Der Zufall ganz allgemein: was uns zufällt ohne unsere Voraussicht, ohne unseren bewußten Willen. Schon der Zufall, wie zwei Menschen sich kennenlernen, wird oft als Fügung empfunden; dabei, man weiß es, kann dieser Zufall ganz lächerlich sein: ein Mann hat seinen Hut verwechselt, geht in die Garderobe zurück und obendrein, infolge seiner kleinen Verwirrung, tritt […]
Worte fließen bei mir nie, ich muss sie immer herauslocken. Dennoch. Ein paar müssen in dieser Zeit sein, da so viele Fragen an mich herangetragen wurden zu meiner Kunst, zu meinen Workshops; zu mir, meinen Fotoshootings. Es sind so viele Diskussionen bei Facebook entstanden, ich bekam Hinweise und Anmerkungen: Meine Arbeit zeigt genau das, wie ich die […]
Fotoworkshop: Meisterklasse Menschenfotografie – ein Rückblick
Die ersten drei Tage fotografische Meisterklasse liegen hinter mir, hinter uns. Für mich waren es inspirierende und dankende Tage. Dankend dafür, dass mein Konzept aufgegangen ist, es hat sich gut angefühlt, es war kurzweilig und dennoch konzentriert und an vielen Stellen auf den Punkt. Schwer zusammenzufassen sind diese Tage für mich, steckten sie doch voller […]
Ich bekomme immer wieder E-Mails oder Anrufe und werde zu mehr Details zu meinen Fotoworkshops gefragt. Vieles steht aber schon an verschiedenen Stellen auf meiner Homepage oder meinem Blog. Deswegen hab ich mal ein paar Texte, die Workshopteilnehmer geschrieben haben und Bilder, die während meiner Workshops entstanden sind, zuzusammengefasst in diesem Beitrag.Was ist mein Hauptanliegen? […]
Überall im Jahr 2014 prangerte für mich das Wort "Mensch". In meinen Fotoworkshops mehr denn je, in Projekten, an denen ich noch regelmäßig arbeite und die irgendwann auch aus der Schublade an die Öffentlichkeit wollen, in meinem privaten Leben. Aber wie nähert man sich dem Mensch, dem Freund, dem Kollegen fotografisch am? Eine lehrreiche Aufgabe. Eine kommunikative Lehrstunde, ein Experiment. Ich weiß, dass sich meine Arbeitsweise von all den anderen Fotomenschen unterscheidet - das fotografische Gespräch hat sich für mich etabliert.
Seit fast einem Jahr frage ich die Teilnehmer meiner Fotoworkshops nach ihrer „fotografischen Baustelle“. Diese Frage ist inzwischen fast zu einem kleinen Ritual geworden. Im letzten Sommer, das weiß ich noch sehr genau, stellte ich sie zum ersten Mal – und machte mir natürlich selbst Gedanken dazu. Denn ich bleibe in meinen Workshops nie außen vor. Mittendrin ist mein Motto. Also beantwortete ich mir diese Frage zunächst selbst.
Ich gebe seit 1 1/2 Jahren Fotoworkshops zum Thema Fotografie und die Bedeutung, die diese „Kunst“ für mich und mein Gegenüber hat, in ganz verschiedenen Konstellationen, mit anderen Künstlern und/oder Freunden, meist in Berlin oder Leipzig. Die Workshops unterliegen einer Philosophie: Die wichtigste Botschaft in den Fotoworkshops ist die Aufforderung, eine gestalterische Position zu entwickeln. […]