kurzdokumentation-antjekroeger

„dann hat man es leichter im leben“ – eine Kurzdokumentation über Antje Kröger von Michael Philipp

Michael war vor zwei Jahren bei mir im Fotografie-Workshop. Zuvor war seine Frau Nicole bereits zweimal in Leipzig gewesen, um mehr über meinen Ansatz zur Fotografie zu erfahren und von mir zu lernen. Das Paar lebt in Bern. Michael wollte die Tage in Leipzig zusätzlich nutzen, um einen „kleinen“ Film über mich „zu machen“ – denn er ist Filmemacher. Gesagt, getan. Das Resultat ist nun, zwei Jahre später, endlich zu sehen. Spannend – gerade jetzt, in einer Zeit der Veränderung für mich.

An das Drehen selbst erinnere ich mich nicht mehr so genau. An das Fotoshooting, das Michael ins Zentrum des Films gerückt hat, hingegen schon. Es war ein emotional sehr anstrengendes Fotografieren. Auch der ständige Wechsel zwischen Model-Sein und Fotografin war ein Kraftakt. Aber wie immer bei solchen Herausforderungen fühle ich mich den Resultaten umso mehr verbunden.

Ich mag den Raum, den Michael mit seinem Film für mich geöffnet hat. Der Film ist auf der einen Seite sehr leise, für mich aber auch sehr laut, weil er weh tut – und weil genau in diesem Schmerz auch eine Befreiung liegt. Ich mag den Film. Er zeigt einen Teil von mir. Einen sehr ernsten Teil. Einen sehr wichtigen Teil. Er zeigt meine Räume noch einmal. Er ist eine Zeitreise – und doch auch nicht.

Und ich bin ziemlich froh, dass der „Marmor an meiner Seite“ hier Juni war. Wir arbeiten nun schon ein paar Jahre miteinander, und noch immer bereichert sie mein Schaffen. Das ist ein Geschenk. So wie dieser Film ein Geschenk ist. Danke, Michael. (https://www.luxs.ch/)

„Er möchte einen Film drehen über ihr kunstvolles Leben. Deshalb wollte er wissen, was sie gerade bewegt in ihrem Leben. Sie sprach in das Telefon, Minute um Minute. So viel Bewegung in ihrem Leben derzeit. Das war eine Menge Futter. Er wählte: Mutter und Körper. Natürlich. Die altbewährten Themen. Gehen immer. Liegen auf der Hand. Aber gut. Sie wollte nicht so streng sein. Körper und Mutter. Mutterkörper. Körpermutter. Schmerzkörper. Schmerzmutter. Mutterschmerz. Muttermutter. Körperkörper.

Sie saß vor dem Ofen. Ihr gegenüber rauchte ein anderer Körper, eine andere Seele. Ihr Marmor. Sie kannten sich schon ein wenig, doch nun begaben sie sich zusammen auf neues Terrain. Sie redeten über ihre Mütter. Können Töchter und Mütter jemals sich gleichberechtigt in die Augen schauen? Ist das Verhältnis von Mutter und Kind immer eine Unwucht, muss dies denn so sein? Oh. Sie dankte in diesem Augenblick ihrer Schwester für dieses wunderschöne Wörtchen. Und eignete es sich an für ihre Kunst. 

Körper. Mutter. Unwucht.“

– Worte aus meiner Serie Unwucht

unwucht_analoge_fotokunst_antjekroeger
Unwucht
unwucht_analoge_fotokunst_antjekroeger
Unwucht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

3. Juni 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Piroska (Zweie)
rotkäppchen wald zweig berühren weidenkorb boden, rotes cape kapuze, inszenierte märchenfotografie piroska

Piroska (Zweie)

Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
4. Oktober 2026
Piroska (Einse)
rotkäppchen haarbürste neonlicht wald, geschlossene augen, inszenierte fotografie piroska selbstfürsorge

Piroska (Einse)

Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.
4. Oktober 2026
FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)
selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)

ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026