adidas - Streetphotography - Workshop

adidas – Streetphotography – Workshop in Leipzig

sich-kennen-lernen

Als Julius von Adidas mich kontaktierte, um nach einem Street-Porträt-Workshop für seine Designer in Leipzig zu fragen, war ich kurz irritiert, freundete mich aber schnell mit dem Gedanken an, auch mal eine größere Gruppe zu unterrichten – und sagte zu. Wir sollten immerhin zwei Tage Zeit bekommen, um uns (fotografisch) aufeinander einzulassen. Irgendwann im Mai war es dann soweit. Wir trafen uns in meinem Atelier.

Wie alle meine Workshopteilnehmer mussten auch die Designer umfangreiche Hausaufgaben vor dem Workshop bei mir „abliefern“. Schon die Hausaufgaben machten mir Spaß, aber  vor allem waren und sind sie wichtig für die Vorbereitungen der verschiedenen Übungen. Doch bevor es dazu kommen sollte, gab es einen schwierigen Part zu bewältigen, vielleicht den schwierigsten in meinen Workshops: das Kennen-lernen und Sich-blicken-lassen: Wir sprachen über jeden einzelnen Teilnehmer, jeder wurde einmal in den Mittelpunkt gerückt, der Fokus lag auf ihm oder ihr. Die Kommunikation ist für mich der Schlüssel, natürlich bei meinen Workshops und Coachings, aber auch in meiner eignen Fotografie. Die kleine Hürde, dies in englisch zu tun, war schnell genommen. Und nach jedem der Gespräche forderte ich einen anderen Teilnehmer auf, doch ein Polaroid zu machen von dem jeweiligen Protagonisten…

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spielerische porträtfotografie & die straße ruft (im osten & im westen)

Von jedem gab es nun ein Polaroid, die fotografische Gruppe war sich näher gekommen, ein kleiner Vortrag über die Theorie der Bildkomposition und wichtigen Regeln in der Straßenfotografie lag hinter uns, nun konnte endlich die praktische Arbeit beginnen. Gemeinsam gingen wir in einen Leipziger Park, um miteinander zu „spielen“. Dazu hatte ich einen Sack voller Spielzeug dabei. Vorher hatte jeder Teilnehmer einen Briefumschlag mit allen Gruppenaufteilungen und Aufgaben der kommenden zwei Tage bekommen. Alle Zettel waren voll, mein Anspruch hoch, das Pensum an Aufgaben sportlich, aber die meisten in der Gruppe ja Turnschuh-Designer. ;)

Im Park ging es um das Porträt, jeder musste jemanden aus der Gruppe fotografieren. Dazu standen auf den Zetteln verschiedene Themen und Spezifikationen, zb. Kompositionsregeln, die zu beachten waren, Gegenstände, die benutzt werden oder Farben, die im Vordergrund stehen mussten. Das kreative Wettrennen war gestartet. Jeder wollte mit seiner Idee brillieren. Das war wunderbar anzusehen, von Trägheit war nichts zu spüren, das kindliche Gemüt angesprochen.

Nach dieser Übung ging es auf die Straßen des Leipziger Ostens, hier wurde in Gruppen gearbeitet. Eine Gruppe durfte sich der Langzeitbelichtung widmen, eine andere nur bis zum Knie „blicken“ und begegnete so fotografisch einer Menge Hunde, die dritte Gruppe sollte sich dem Individuum zuwenden: Mann, Frau & Kind.

Es gibt eine große Diskussion um die Straßenfotografie in Deutschland und ihre Begrenzung, die Privatsphäre betreffend, ein Thema, mit dem man sich natürlich beschäftigen muss, wenn man solch einen Workshop anbietet/besucht. Meine Übungen waren so konzipiert, dass sie zeigten, dass auch mit einer gewissen Anonymität famose Straßenfotos entstehen können, und auch, dass hier die Kommunikation ein wichtiger Bestandteil sein muss, vor oder nach der Fotografie, das kommt auf den jeweiligen Fotografen an. Und ALLE Gruppen hatten auf der Straße interessante Begegnungen…

Am nächsten Tag schauten wir uns die Ergebnisse vom Vortag an und besprachen sie in der gemeinsamen Bildkritik. Alle waren überrascht von ihrem Schaffen, so gute Ergebnisse, ich war stolz. Danach fuhren wir in den Westen von Leipzig in die Baumwollspinnerei und gönnten uns zusammen die nächsten Gruppenaufgaben. Ein straffer Zeitplan, aber das kenne ich auch aus meinen anderen Workshops. Ein paar Ergebnisse der zwei Tage zeige ich hier…

Am Ende des zweiten Workshoptages standen die Designer und ich gemeinsam im Regen vor dem Leipziger Hauptbahnhof und verabschiedeten uns. Wie emotional dies immer wieder ist, wenn man solch intensive Zeit miteinander verbracht hat. In meiner ersten E-Mail an Julius schrieb ich, dass ich Lust auf eine neue Herausforderung hätte. Die hatte ich wirklich, die Herausforderung und eine Menge Freude.

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Foto: Rana Noirhomme
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Foto: Rana Noirhomme
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Foto: Siramol On-Sri
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Foto: Zoe Larkin
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Foto: Zoe Larkin
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Foto: Andrew Vanzanten
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Foto: Thomas Michel
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Foto: Andrew Vanzanten
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Foto: Timon Kuhlenkamp
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Foto: Timon Kuhlenkamp
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Foto: Sara Forsmark
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Foto: Siramol On-Sri
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Foto: Julius Loewe
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Foto: Andrew Vanzanten
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Foto: Berto Herrera
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Foto: Timon Kuhlenkamp
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Foto: Thomas Michel
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Foto: Zoe Larkin
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Foto: Rana Noirhomme
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Foto: Zoe Larkin
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Foto: Julius Loewe
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Foto: Berto Herrera
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Foto: Berto Herrera
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Foto: Andrew Vanzanten
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Foto: Siramol On-Sri
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Foto: Timon Kuhlenkamp
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One thought on “adidas – Streetphotography – Workshop in Leipzig”

  • Straßenfotografie in Leipzig – die Bilder sagen alles. Intensive Arbeit zahlt sich aus und die Seele kommt ins Schwingen beim Betrachten und Lesen. Applaus Applaus.

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30. Juni 2018

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann. 
Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora. 
Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.
1. November 2026
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Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026