Vom Objekt zur Autorin des eigenen Bildes. Vom Beschautwerden zum Selbst-Zeigen als Akt der Kontrolle. Keine Zurschaustellung, sondern poetische, emotionale, erzählende Aneignung.
Jahrhundertelang trug der Körper der Frau die Handschrift eines fremden, meist männlichen Blicks, geformt, gerahmt, beurteilt von Augen, die nicht die eigenen waren. Der Kunstkritiker John Berger zu Beginn der 1970er Jahre: „Frauen beobachten sich selbst als diejenigen, die angesehen werden. Dieser Mechanismus bestimmt nicht nur die meisten Beziehungen zwischen Männern und Frauen, sondern auch die Beziehung von Frauen zu sich selbst. Der Prüfer der Frau in ihr selbst ist männlich – das Geprüfte weiblich. Somit verwandelt sie sich selbst in ein Objekt, in einen Anblick.“ Ein Satz wie eine Wunde, die man lange nicht sehen wollte.
Mein Selbstporträt bricht mit dieser Ordnung. Die Kamera liegt jetzt in der eigenen Hand, warm vom eigenen Puls, und der Blick, der einmal fremd war, wird zur Sprache des eigenen Körpers. Kein Bild ohne Berührung. Kein Bild ohne den eigenen Blick. Kein Bild ohne die eigene Entscheidung.
Mein Selbstporträt ist kein Spiegel, der nur zurückwirft. Es ist ein Zeugnis, geschrieben in Licht und Haut, ein Akt, der sagt: ich zeige mich nicht, weil man mich sehen will, sondern weil ich mich sehen will. Ungefiltert. Ungehorsam. Ganz.