Ode an die Heimat

Ode an die Heimat

Warum ich diesen „schönen“ Ort verlassen habe? Diese Frage stellte mir vergangene Woche ein Dauercamper, dabei nieselte es unaufhörlich. Ich konnte die Frage nicht in einem Satz beantworten, denn ich hatte den Ort, meine Heimat, ja nicht „einfach so“ verlassen. Ich hatte neue Plätze gesucht & gefunden und kehre dennoch immer wieder zu den alten, den nahen, den bekannten, den zweifelhaften, manchmal auch schon fast vergessenen zurück. Meist nur kurz, manchmal länger, um Luft zu holen, die Seele von der Familie streicheln zu lassen und im wichtigsten Wasser der ganzen Welt zu schwimmen. Dieses Mal hatte ich aus Gründen meine Kamera dabei und schaute wieder etwas genauer hin: im Wald, am Wasser, auf den Wiesen.

Früher, als noch die alten Züge fuhren bis in die kleine Stadt, begrüßten mich Rehe, Störche, Hasen und allerlei anderes Getier schon am Bahndamm (das bildete ich mir zumindest ein) und die Wolken waren verrückter als anderswo, ich war ganz aufgeregt – immer. Heute fahren keine Züge mehr in die kleine Stadt. Alles ist im Fluss, wusste Heraklit schon. Aus der Entfernung, aus der zeitlichen, ist dies offensichtlicher. Ich höre so oft: „Das ist schon lange so.“ Wenn ich dann nachfrage, verschieben sich die Zeitrechnungen. Ich lächle darüber und spüre in meinem Herzen, dass sich die Heimat alles erlauben darf. Sie bleibt ja. Lebenslänglich. Und sie ist immer der Platz, der schützt und schwelgen lässt in Erinnerungen, auch in den verklärten. Aber das ist in Ordnung so.

Nur ein Platz in meinem Leben darf mitten im Sommer verregnet und kalt sein und ich habe dennoch hochromantische Gefühle, obwohl ich 20 Minuten brauche, um in meinem geliebten Wasser loszuschwimmen, nur an einem Ort der Welt stehe ich im Regen, mit der Strickjacke über dem Kopf im Kornblumenfeld, um einen Strauß „Heimat“ mit in das andere zu Hause zu nehmen und nur hier stehe ich mit den hübschen Pferden unter einer Kastanie, um zusammen vor dem nächsten Regenschauer Schutz zu suchen.

Ode an die Heimat, eine Serie der Leipziger Fotografin Antje Kröger über ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern
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Ode an die Heimat
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Ode an die Heimat
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Ode an die Heimat
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Ode an die Heimat
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23. Juni 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
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