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Fettzelle, die

ICH bin NICHT fett
DU bist NICHT fett
ER / SIE / ES ist NICHT fett
WIR sind nicht FETT
IHR seid nicht FETT
SIE sind nicht FETT

„Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ KARL MARX

Worte können Schwerter sein oder recht belanglos daherkommen. Sie treffen bis ins Mark, manchmal, oder verpuffen, wie der neue Trend, schnell zu einem Flop. Sie können verletzen, unter die Haut gehen, zum Weinen oder Lachen bringen, sie sind geschichtlich oder kulturell konnotiert, sie sind im falschen Moment richtig und im richtigen Moment falsch. Manchmal sind sie passiv, aber ziemlich oft auch richtig dolle aktiv. Um sie macht die eine sich viele Gedanken, der andere schnottert sie dahin, ein drittes Wesen versucht, ihnen Neutralität einzuflößen. Worte sind politisch. Worte sind das Fundament unserer Kommunikation. Worte sind manchmal unbedeutend, aber mehrheitlich mit viel Bedeutung aufgeladen. Sie sind wandelbar. Hübsch anzusehen von Zeit zu Zeit, wohlklingend für die Ohren, sometimes. Reichlich oft sind Worte emotional. Daher ihre Kraft. Daher ihre Macht. Manche Worte vergisst ein Wesen nie wieder, hat es sie nur einmal gehört oder gelesen, manche Worte werden verdreht oder falsch benutzt, manche Worte geraten in Vergessenheit, einige Worte schaffen es auf „schwarze Listen der Moral“, die Wohlwollen vorgaukeln. Manchmal begeht Mensch mit Wort ein Verbrechen, manchmal gerät ein Wort aus der Mode, zeitweise verstrudeln Worte sich in einen Hype, werden nachgeplappert und verbreitet. Worte sind ein Werkzeug. Sie wickeln dich ein in einen Kokon der Liebe auf der einen Seite, auf der anderen Seite fühlen sich falsch an oder verletzen dich.

Sie ist nicht fett.

Wie beschreibt sie sich selbst? Sie sagt, sie sei eine kluge, große, schöne, dicke Frau in einem alterslosen Körper. Alterslos, weil sie es so will. Die Gedanken sind frei, und Kunst darf sowieso alles! Sie sagt niemals über sich, sie sei korpulent, sie sei mollig, sie sei mehrgewichtig, sie sei fett, sie sei dick-fett, adipös oder fettleibig und was es da noch alles für Wortungetüme gibt. Schlimmer wird es noch mit den Monstern, wenn sie sich in der englischen Sprache umschaut. Body-positiv, Fat-positiv, Plus-Size … künstliche Worthülsen, die selten mit wirklich viel Inhalt gefüllt werden. Sie ist dick. Das muss zu den Ausmaßen ihres Körpers reichen. Fettsein zu wollen in der Selbstbeschreibung, findet sie verachtend. Fettsein zu sollen in der Selbstbeschreibung anmaßend. Schon Kinder finden fettes Fleisch, das auf ihre Teller geladen wird, ekelig. Als Kind aß sie gerne Fleisch. Aber sie befahl der Oma immer: „Kein Fett bitte!“ Bei Fett denkt sie sofort an Eisbeine und quiekende Schweine im Stall. Warum soll sie ihren Körper mit dem Körper eines Schweines gleichsetzen? Sie findet Schweine ziemlich cool. Doch „fette Sau“ klingt in ihren Ohren noch immer nicht neutral, geschweige denn gut, sondern beleidigend. Warum sollte sie sich selbst beleidigen, um einen fest konnotierten Begriff erst zu neutralisieren, und dann positiv zu besetzen? Warum soll sie sich selbst herabwürdigen? Sie findet sich doch toll. Warum soll sie sich einem Experiment unterziehen, dessen Ausgang ungewiss ist? Warum soll sie sich beschreiben, mit einem Wort, das sie beleidigend fühlt, für sich, für andere. Nein. Dick reicht aus. Dick ist eine Dimension, die Beschreibung genug ist, für das, was das Außenauge sehen kann. Alles andere bleibt auf den ersten Blick unsichtbar, sowieso.

Sie will nicht fett genannt werden.

ICH will NICHT fett genannt werden
DU willst NICHT fett genannt werden
ER / SIE / ES will NICHT fett genannt werden
WIR wollen nicht FETT genannt werden
IHR wollt nicht FETT genannt werden
SIE wollen nicht FETT genannt werden


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Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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