Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker

Und wer ein Schöpfer sein muß im Guten
und Bösen: wahrlich, der muß ein Vernichter
erst sein und Werte zerbrechen.
(Nietzsche 1954: 372,
Also sprach Zarathustra)

Die politische Rhetorik in Zeiten der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise ist geprägt von einer Kategorie des moralischen und politischen Denkens, deren Existenz von verschiedenen Seiten als bedroht, deren verhaltensregulative Wirkungskraft aber von nicht wenigen als existenziell für das menschliche Zusammenleben beschrieben wird. Die Rede ist vom Begriff der Solidarität. Aktuell ist die politische und gesellschaftliche Debatte in Europa bestimmt von der Angst vor einer Zersplitterung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sowie einer immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich.Damit verbunden scheinen Solidaritätsappelle im politischen Alltag beinahe zu einem rituellen Sprachspiel geworden zu sein.
So appellieren Politiker_innen an die Solidaritätsbereitschaft der „Starken“ gegenüber den „Schwachen“ innerhalb und außerhalb der Nationalstaaten, debattieren, ob der berühmte Solidaritätspakt d‘Artagnans und der drei Musketiere – einer für alle und alle für einen – auch in einer Gemeinschaft heterogener Staaten mit den unterschiedlichsten Wirtschaftsleistungen Gültigkeit besitzen kann und spekulieren darüber, ob wohlfahrtsstaatliche Programmformeln die Herausbildung gesellschaftlicher Solidaritätsnormen noch gewährleisten können.

...

Innerhalb des moralischen und politischen Denkens ist die Solidarität eine der jüngsten und zugleich vielschichtigsten Kategorien des menschlichen Daseins (vgl. Bayertz 1998: 11). Ihr Bedeutungshorizont reicht von der Rolle eines sozialen Verhaltensregulativs über den Status einer anthropologisch begründbaren menschlichen Verbundenheit und einer inklusions- und integrationsfördernden wohlfahrtsstaatlichen Programmformel des politischen Steuerungssystems bis hin zur paradigmatischen Antwort auf die gesellschaftstheoretischen Fragen nach den Ordnungsmechanismen sozialen Zusammenlebens (vgl. Göbel/Pankoke 1998: 463).

Krise der Solidarität – Solidarität der Krise. Ein soziologischer Blick auf eine gesellschaftliche Kategorie im Wandel der Zeit von Moritz Boddenberg

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker
Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker
Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker
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