Aktfotografie Antje Kröger

Nexus

Im luftleeren Raum des Geistes leben, heißt, immer «diesseits des Paradieses» leben, aber so gründlich, so völlig, daß selbst die Totenstarre als Veitstanz erscheint. So düster, öde und schal das Alltagsleben auch sein mag, nie reicht es an die Qual dieser endlosen Leere, durch die man bei vollem, wachem Bewußtsein ziellos umherirrt. In der nüchternen Wirklichkeit des Alltags gibt es die Sonne und den Mond, Blüten sowohl wie verwelkte Blätter, Schlaf und Wachsein, Traum und Albdruck. Aber in dem luftleeren Raum des Geistes gibt es nur ein totes Pferd, das mit bewegungslosen Füßen läuft, ein Gespenst, das sich an ein unergründliches Nichts klammert. Und so galoppierte ich wie ein totes Pferd, dessen Herr nie müde wird, die Peitsche zu schwingen, bis zu den fernsten Enden des Weltalls und fand nirgendwo Frieden, Trost oder Ruhe. Seltsamen Phantomen begegnete ich auf diesen ungestümen Ritten. Gräßliche Ähnlichkeiten bestanden zwischen uns, aber nie gab es zwischen uns die geringste Beziehung. Die dünne Hautmembrane, die auch der mächtigste Strom nicht durchdringen konnte.
Wenn es einen entscheidenden Unterschied zwischen Lebenden und Toten gibt, so ist es der, daß die Toten aufgehört haben zu staunen. Aber wie die Kühe auf dem Felde haben die Toten endlose Zeit zum Wiederkäuen. Bis zu den Knien im Klee stehend, kauen sie noch, wenn der Mond untergeht. Für die Toten gibt es Welten auf Welten zu durchforschen. Welten, die nur aus Materie bestehen, Materie ohne Inhalt, Materie, durch welche die Geistmaschine hindurchpflügt, als wäre sie weicher Schnee.

Sexus-Plexus-Nexus, Henry Miller

gewidmet d*

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29. September 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026
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Das Holz knackt morschtrocken. Kein Lüftchen weht. Auch kein laues. Die Wipfel der halbstarken Bäume haben sich zu einer Krone vereinigt, sie lassen wirklich wenig Licht hindurch. Wenn aber, dann schießt es wie Patronensalven auf alles Sein und kreiert harte, herrliche Schatten. Liebstes Schattenlicht. Aus dem Revolver der Sonne. Das ist die Welt im Garten der verzweigten Lichter. Der Efeu rankt, abgebrochene dünne und auch dicke Äste liegen wie Stolperfallen auf den nicht vorhandenen Wegen.
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Zeit vergeht. Läuft. Keine Rücksicht. Das Ende rückt näher. Ticktack, zappzerapp. Der Anfang längst vergessen. Das Außen gerät durcheinander, nicht zum ersten Mal, und ordnet sich wieder, nicht zum ersten Mal. Schwäche wird abgelöst durch Stärke, und andersherum. Ein Kreis, ein ewiger Kreis. Erschöpfung trifft auf Leichtigkeit und Spieltrieb.
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