Fotografie Antje Kroeger

Liebe ist eine Last

Auf rätselhafte Weise hatte so der unruhige und zweifellose Zustand wieder begonnen, der für Wellkamp schon der letzten Zeit vor der Hochzeit einen Teil ihres Duftes und ihres Reizes genommen. Hatte nicht gerade die große Aufrichtigkeit und Schleierlosigkeit ihres Verhältnisses das Glück dieser ersten Berliner Wochen ausgemacht? Dieses konnte sich noch für einzelne Stunden einfinden, und zumal in der Vereinigung ihrer Liebe war es mit ihnen und hatte ein Vergessen alles Störenden mitgebracht. Aber allzu häufig fühlte er von nun an wieder einen an sich ganz bedeutungslosen Gedanken an Dora oder etwas mit ihr im Zusammenhang befindliches wie ein verbotenes Geheimnis auf sich lasten.
Etwas anderes machte bald seinen Zustand noch schwieriger. Nachdem der Bann des glücklichen Vergessens einmal gebrochen war, konnten auch die durch ihn unterdrückten schmerzlichen Erinnerungen, die Wellkamp mit Berlin verbanden, zur Geltung gelangen. Es geschah dies derart, daß sich in seiner Vorstellung zeitweilig die beiden ihn wie Nebelbilder beunruhigenden Figuren gleichsam ineinander schoben. Wenn er, was sich ihm häufig unwiderstehlich aufzwang, Frau v. Grubeck, in einer Unterhaltung begriffen, sich selbst gegenübersah, so kam es vor, daß die Einrichtung des Gemaches der seiner ehemaligen Berliner Geliebten glich. Dann bemerkte er wohl an Doras Toilette Einzelheiten, deren er sich genau von der Andern her erinnerte. Auch waren die Stimmen zuweilen vertauscht, und er hörte deutlich den wohlbekannten, mit seiner Frechheit wehrlos machenden Ton, der ihn damals in der Abschiedsstunde begleitet, nunmehr aus Doras Munde.
Seine nervösen Vorstellungen dieser Art erreichten einen Grad, wo er, mit Anna durch die Straßen schlendernd, fortwährend eine Begegnung mit der früheren Geliebten gewärtigte. Manchmal sah er sie im Gedränge vor sich auftauchen; dann war sie wieder verschwunden, oder diejenige, die er für sie gehalten, war ihm in der Nähe völlig fremd. Einmal erkannte er mit einer zweifellosen Sicherheit, die ihn abwechselnd heiß und kalt werden ließ, das wohlbekannte Gesicht, in dem jeder Zug für ihn ein Leid und eine Leidenschaft bedeutete. Die Dame blieb in geringer Entfernung vor einem Schaufenster stehen. Wellkamp vermochte ein erregtes »Ah!« nicht zu unterdrücken und berührte zugleich mit einer hefigen Bewegung den Arm seiner Gattin. Als er ihren ruhig verwunderten Blick auf sich gerichtet fühlte, setzte er mit möglichster Beherrschung seiner Erregung eine erklärende Bemerkung hinzu:
»Eine merkwürdige Ähnlichkeit –.«
Heinrich Mann, In einer Familie

junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last
junge Frau mit kurzem Pony auf schwarz/weißen Fotos in Leipzig
Liebe ist eine Last

Werbung

NÄCHSTER FOTOWORKSHOP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

13. Mai 2017

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Neues Website-Design

Neues Website-Design

Lange hab ich es vor mir her geschoben! Aber nun. Nun ist es passiert. Ein neues Design für meine Website. Minimalistisch. Sicher. Übersichtlicher.
22. August 2026
Stanze
extreme nahaufnahme gesicht mit nägeln im mund, bemalte haut mit gitterlinien, expressives selbstporträt stanze-serie

Stanze

Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
14. August 2026
Zahl, was es dir wert ist – analoge Porträts im August und September
analog-fotokunst-antjekroeger-grossformat

Zahl, was es dir wert ist – analoge Porträts im August und September

EIN Angebot, bei dem DU entscheidest, was dir meine Arbeit wert ist. August und September 2026 öffne ich mein Atelier in Leipzig für 90-minütige analoge Fotoshootings: Porträt, Akt oder Künstlerfotografie, ganz wie du möchtest. Fotografiert wird mit meiner alten DDR-Großformatkamera, direkt auf Fotopapier – manchmal 50 bis 70 Jahre alt, mit all seinen Eigenheiten, seinem […]
5. August 2026
SchwanenSee (3)
zwei köpfe eng aneinander im wasser treibend, zärtliche umarmung schwanensee-serie teil 3, canon 6d

SchwanenSee (3)

Im Schwanensee thront ein Körper wie ein dunkler Sockel im Wasser, schwer und bewegungslos, als hätte das Licht beschlossen, ihn niemals zu beleuchten. Auf diesem Monument hängt ein weißer Geist, unruhig, ein flatternder Trotz aus Haut und Atem, der sich an das Prachtgefieder klammert, es umarmt, bedrängt, verdreht. Bis aus der Ruhe ein Beben wird und aus dem Beben eine Welle. Kein Sieg, keine Niederlage, sondern jenes gefährliche Dazwischen, in dem der See zuhört und selbst zum verschlingenden Tier mutiert.
5. August 2026
SchwanenSee (2)
zwei gesichter kopfüber im wasser durch rotes netzmaterial fotografiert, verzerrte doppelbelichtung schwanensee-serie teil 2

SchwanenSee (2)

eine gemeinsame Fotoinszenierung von: ALEXANDRA TCHERKASSOVA.  MARTIN ZANOTTI.  ANTJE KRÖGER Mein Leben ist Widerspruch.Leben in Widersprüchen.Das Leben sind Widersprüche.Meist bin ich warm.Wenn ich will, kann ich auch so richtig, richtig kalt. Sogar mit ziemlicher Kältest-Lust.Ich bin ein Wassertier.Ich liebe das Feuerspiel.Lachen (mit den anderen) ist Überlebens-Medizin.Das Weinen (mit mir allein) die größte Kraftquelle.Musik muss laut […]
5. August 2026