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Dissoziation

Die Hölle der Wirklichkeit ist finsterer und enger, als jede himmlisch ausgedachte Hölle, und dennoch zugleich vitaler, reicher, verschlossener, insgesamt unwahrscheinlich erstaunlich angeordnet und keineswegs zufriedenstellend in allem erforscht, vermessen, berechnet, erkannt und begriffen.

Die Poetik des Extremen, Uwe Schütte

Mama hat als sehr kleines Kind schon zu mir gesagt, sie nehme mir die Bücher weg, ich solle nicht wegen anderer so traurig sein. Das zog sich durch mein Leben – war ich todtraurig, sagte sie: „Lies nicht so viel!“ Heute lese ich immer noch, aber viele der unglaublichen Geschichten, der traurigen Geschichten, der unfassbaren, der kaum-nach-voll-ziehbaren, kuriosen, wundersamen kommen zu mir – live und in Farbe. Und ich darf daraus ganz oft (m)eine fotografische Geschichte machen. Manchmal muss ich sehr schlucken, manchmal nehme ich die Geschichten mit in meine Träume, manchmal möchte ich weinen wie ein Schlosshund, manchmal einfach laut loslachen – aber immer bin ich stolz darauf, auf das Einlassen, das Vertrauen, die Grenzüberschreitung, die Offenbarung. Uuuuund, ich freu‘ mich auf noch mehr bewegende Menschenmomente.

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5 thoughts on “Dissoziation”

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4. August 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Piroska (Zweie)
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Piroska (Zweie)

Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
4. Oktober 2026
Piroska (Einse)
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Piroska (Einse)

Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.
4. Oktober 2026
FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)
selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)

ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026