Das Sein der Körperteile

Das Sein der Körperteile

Lange lagen diese Bilder herum und ich wusste nichts mit ihnen anzufangen. Bis ich entdeckte, dass sie zusammengeführt werden können. Als Idee und Geschichte*

„Der Körper ist der größte Schwätzer“, sagt Samy Molcho. „Er schweigt nie.“ Und mehr noch in seiner poetischen Verwendung, in seinem poetischen Vorkommen wird der Körper wirklich beredt. Er beginnt zu sprechen über sich. Er wird Schrift, er macht sich lesbar. Der Körper macht sein Meinen sichtbar. Er stellt etwas dar. Er ist der Darsteller einer inneren Geschichte. Die Physiognomie ist das Material der Psychologie. Alle Körpersprache lässt sich verstehen und deutend sich erschließen. Der Körper macht anschaulich, was inwendig vorgeht. Der Körper macht die psychischen Unterwelten zu einem offenen Buch, zu lesbarem Text. Er ist Litfasssäule der Gefühle, das Schwarze Brett der Seele. So spricht der Körper. Er veröffentlicht seinen Text. Wie im Verhör sagt er aus. Der Körper repräsentiert die Empfindungen, er ereignet handelnd das Gefühl, er spricht einen inneren Text. Alle Körperteile sind beredt. Der Körper verkörpert etwas, wie alle seine Teile etwas verkörpern, etwas allegorisieren. So wie Menschen die Welt in eine Ober- und Unterwelt haben einteilen können, die gesellschaftlich sozialen Systeme in ein oben und unten, so wird auch der Körper in den Oberkörper und Unterkörper geteilt. Und wie überall, wird das Oberteil hoch und das Unterteil gering geschätzt. Was oberhalb und was unterhalb der Gürtellinie sich abspielt, das bewerten wir positiv oder abschätzig. Der Kopf wird gehätschelt, der Arsch wird getreten.

NORBERT HILBIG, DER POETISCHE KÖRPER VERSUCH EINER POETISCHEN PHYSIOGNOMIK, DAS SEIN DER KÖRPERTEILE

Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile
Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile
Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile
Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile
Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile
Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
Das Sein der Körperteile

 

Das Sein der Körperteile, Fotoserie der Leipziger Fotografin Antje Kröger
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16. Juli 2015

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Analoges Porträt mit halb grünem, halb rötlichem Farbverlauf, wacher Blick, weißes Kleidungsstück am Hals, konzeptuelle Fotografie über Licht und Fragmentierung

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Zeit vergeht. Läuft. Keine Rücksicht. Das Ende rückt näher. Ticktack, zappzerapp. Der Anfang längst vergessen. Das Außen gerät durcheinander, nicht zum ersten Mal, und ordnet sich wieder, nicht zum ersten Mal. Schwäche wird abgelöst durch Stärke, und andersherum. Ein Kreis, ein ewiger Kreis. Erschöpfung trifft auf Leichtigkeit und Spieltrieb.
13. September 2026
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Gestalten. Die eine hat den Pelz um sich gelegt wie eine zweite Haut, dunkles Haar fällt darüber, das Gesicht halb verschluckt vom Korn des Papiers. Die andere trägt Strohhut und Hosenträger in Streifen. Hockt, wartet, beobachtet mit einem Blick, der älter wirkt als gelebt. Großformatkamera, Mentorin, Papiernegative. Jedes Bild ein Universum, mit Rand in Rissen, […]
1. September 2026
Auf den Punkt gekommen
Bewegungsunscharfe Aufnahme einer dicken Frau im Ausfallschritt, gepunkteter Rock, glitzernder Hintergrund, analoge Großformatfotografie, clowneske Dynamik

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Tupfen über Tupfen, schwarz und weiß. Wirklich? Oder sehen wir sie nur schwarz und weiß? Illusion! Gold glitzert im Hintergrund (Woher wissen wir denn das? Es könnte doch auch Silber sein!) Der Raum gleicht einer Zirkuskulisse, die ihr Unterhaltungsversprechen längst gebrochen hat. Die kleinen und großen Punkte. Dots. Das Muster des Clowns, komisch und traurig zugleich, ein Kostüm. Der Körper dick, unverstellt, geöffnet. Kein Grund zur Scham, nur Fleisch
26. August 2026
Rausch-Tod-Imagination
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rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
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nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

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Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
25. August 2026