CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger

CAMERA OBSCURA

Nur durch ein einziges, winziges Loch dringt Sonnenlicht herein, die Jalousie scheint um das Loch herum fast zu glühen, und auf der Zimmerwand schwebt sacht ein auf den Kopf gestelltes Bild. Eine mächtige Eiche, Pappeln, ein Park. Nahes Glockengeläut ist zu hören, die letzten Schläge.

Und da ist eine Stimme.

»Was ist das?«

Und da ist eine andere Stimme.

»Ich weiß es nicht.«

Und da ist eine Stimme.

»Wo bin ich?«

Und da ist eine andere Stimme.

»Ich weiß es nicht.«

Es ist, als wäre in der Dunkelheit das Scheppern von Geschirr zu vernehmen und jenseits dieser lautlosen Stille, in der nur dieses kleine Bild schwebt, das Zwitschern und Piepsen von Spatzen. Dann knarrt ein Bett, eine Decke raschelt, etwas fällt zu Boden, ein Stuhl kippt um. Schritte, suchende, tastende Geräusche, immer heftiger werdend.

»Ich muß doch irgendwohin kommen oder auf irgendetwas stoßen.«

Ein Frauenkörper klatscht gegen das schwebende Bild, tastet sich über die Wand.

»Ich sehe, wohin ich müßte. Aber es ist unerreichbar, wohin ich will. Entweder bin ich gestorben oder wahnsinnig geworden. Ich habe es, da ist es.«

CAMERA OBSCURA, PÉTER NÁDAS, SCHÖNE GESCHICHTE DER FOTOGRAFIE

CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA
CAMERA OBSCURA, Fotoserie von Antje Kröger
CAMERA OBSCURA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

29. November 2018

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Im Fragment
Analoges Porträt mit halb grünem, halb rötlichem Farbverlauf, wacher Blick, weißes Kleidungsstück am Hals, konzeptuelle Fotografie über Licht und Fragmentierung

Im Fragment

Zeit vergeht. Läuft. Keine Rücksicht. Das Ende rückt näher. Ticktack, zappzerapp. Der Anfang längst vergessen. Das Außen gerät durcheinander, nicht zum ersten Mal, und ordnet sich wieder, nicht zum ersten Mal. Schwäche wird abgelöst durch Stärke, und andersherum. Ein Kreis, ein ewiger Kreis. Erschöpfung trifft auf Leichtigkeit und Spieltrieb.
13. September 2026
Wolfsstunde
Nackter Oberkörper mit Kettenschmuck, Pelzstück über die Schulter geworfen, gestreifte Bänder am Bund, analoges Papiernegativ, Großformatkamera, konzeptuelle Körperfotografie, Fotoserie Wolfsstunde

Wolfsstunde

Gestalten. Die eine hat den Pelz um sich gelegt wie eine zweite Haut, dunkles Haar fällt darüber, das Gesicht halb verschluckt vom Korn des Papiers. Die andere trägt Strohhut und Hosenträger in Streifen. Hockt, wartet, beobachtet mit einem Blick, der älter wirkt als gelebt. Großformatkamera, Mentorin, Papiernegative. Jedes Bild ein Universum, mit Rand in Rissen, […]
1. September 2026
Auf den Punkt gekommen
Bewegungsunscharfe Aufnahme einer dicken Frau im Ausfallschritt, gepunkteter Rock, glitzernder Hintergrund, analoge Großformatfotografie, clowneske Dynamik

Auf den Punkt gekommen

Tupfen über Tupfen, schwarz und weiß. Wirklich? Oder sehen wir sie nur schwarz und weiß? Illusion! Gold glitzert im Hintergrund (Woher wissen wir denn das? Es könnte doch auch Silber sein!) Der Raum gleicht einer Zirkuskulisse, die ihr Unterhaltungsversprechen längst gebrochen hat. Die kleinen und großen Punkte. Dots. Das Muster des Clowns, komisch und traurig zugleich, ein Kostüm. Der Körper dick, unverstellt, geöffnet. Kein Grund zur Scham, nur Fleisch
26. August 2026
Rausch-Tod-Imagination
Dicke Frau berührt sanft die roten Haare einer Frau mit verbundenen Augen, Nahaufnahme der Hände im Haar, dunkler strukturierter Hintergrund, konzeptuelle Imagination-Fotoserie

Rausch-Tod-Imagination

rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
Zauberei
nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

Zauberei

Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
25. August 2026