Antje Kröger | Fotokünstlerin

Kapitän Rabe

Posted by on Sep 29 2019, in Mensch, Welt

Kapitän Rabe_Fotokunst_Antje_Kroeger

Besagte Lampe zeigt meinem Korppi den Weg auf und bringt den Raben sicher per Flügelschlag-Express nach Westen, nach Belgien, nach Gent. Ich nehme die Kutsche, die seit Jahren in der schloss-eigenen Garage zum Dahinvegetieren verurteilt ist – bis heute. „Entstaube dich schönes Gefährt“, raune ich ihr zu. Madame schüttelt sich unverzüglich und damit all den Dreck der letzten Jahre von sich ab. Ich befülle sie mit Treibstoff, ziehe mir die passende Reisegarderobe an, setze den größten Hut auf, den ich finden konnte und schwinge meinen Prachtkörper in das Gefährt. Moment. Hatte ich an genügend Proviant gedacht? Wälinen können von Zeit zu Zeit sehr hungrig sein. Auch ahne ich nicht, wie lange wir reisen werden. Korppi and me. Wir würden uns treiben lassen, so lange unsere Lust sich schwingt im Takte der Momente und Plätze. Solange die Suche eben dauert. Mission Rabensprech. Noch einmal schnell hinunter von der Kutsche, hinauf in die Küche. Personal auf dem Schloss, das gibt es schon vieleviele Jahre nicht mehr (nicht schlimm, wirklich, nicht schlimm!). Die Töpfe, Pfannen, das Besteck und die verschiedenen Kessel klappern mich noch einmal kurz willkommen. Ich glaube, sie wähnten sich bereits im Modus: sturmfrei. „Kinners!“ Beruhige ich sie. „Nur noch salzig & süß für den Weg und schwuppdiwupp weg bin ich.“ Gesagt, getan. Abfahrt.

Die Sonne, die liebeliebe Sonne, sie scheint mir auf den Pelz. Wo ist nur der Rabe? Wir sind verabredet – um die Mittagsstunde herum an dem alten Kahn. Ein Geschenk von Freunden meiner Vorfahren. Hier würden wir nächtigen, solange wir auf der Suche nach des Raben Stimme waren. Mission Rabensprech. Ah. Da ist er, mein schöner Vogelfreund, mein Spielkamerad, mein Begleiter, mein trauriger Flattermann. Sein Organ. Es fehlt (ihm) so sehr. Als Korrpi mich wahr-nimmt, kann er zur Begrüßung nicht krächzen, dass die Schwarte kracht. Hätte er wenigstens einen Schwanz wie dieses Hündlein, könnte er eben wedeln, dass die Schwarte kracht. Aber nein. Nichts, nada. Nur leuchten im Moment möglich. Immerhin. Wir übten viele Tage und Nächte lang auf dem Schloss. Mit der Lampe. Nun zwinkert sie mich an und dann auch er. Ach Korppi. Du verspielter Rabenvogel. Ja, entdecke den Kahn. Nein, die Kähnin. Sie ist ein Mädchen, Hermine. Geankert hier an der güldenen Leie. Ihre ursprünglichen Besitzer (Hans und Greta) hatten sich schon vor vielen Jahren nach Antwerpen zurückgezogen. Hermine wird uns, solange wir hier sein müssen in diesem Belgien, eine gute Herberge sein. Ich weiß es, Korppi überprüft dies lieber mit dem eignen Leibe. Lenin wusste schließlich schon: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ Dieser kommunistische Besserwisser. Aber Korppi, wie es scheint, hat – ganz im Gegensatz zu mir – noch alle Kräfte dieser Welt, von Müdigkeit keine Spur. Im Gegenteil. Wie ein kleines Rabenbaby spielt er sich durch alle Ecken und Enden des Bootes. Unseres Hausbootes. Mir hingegen werden die Lider müde…

Kapitän Rabe_Fotokunst Antje Kröger
Kapitän Rabe
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Kapitän Rabe
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Kapitän Rabe
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Kapitän Rabe
Kapitän Rabe_Fotokunst Antje Kröger
Kapitän Rabe

Der Rabe ist ein lustig Tier.
Man sieht ihn hier
ganz quietschvergnügt.
Mit Lampe, deren Schein nie trügt.


Der Rabe, unsicher nun
überlegt sein nächstes Tun
in dieser kalten Menschenwelt,
in der ihn oft kalte Wut befällt.


Der Rabe mit Flügelschlag erschrickt.
Bei dem, was gerade er erblickt,
da kommt, wedelnder Schwanz
Hund mit Mensch, welch Penetranz.


Der Rabe schon er flattert nach oben.
Landet auf dem alten Kahn, dem Toten.
Was kann nun sein Interesse wecken?
Gibt es hier was zu entdecken?


Der Rabe findet gespannte Taue spannend.
Man sieht ihn hier leichtfüßig wandelnd.
„Ich bin ein gewandter Vogel“, so seine Denke
und keine plumbumpe Ente.


Der Rabe nun schau doch dort
baumelt ungelenk vorm Genter Port,
wie lachhaft dieses Wesen ist,
hat sich vor Schreck gleich eingepisst.


Der Rabe nun nach doppeltem Malheur
mutiert zum starken Hauptakteur.
Leinen los, scheint er hier zu sagen
als Titanic-Kapitän, den keine Zweifel plagen.


Der Rabe als er merkt, dass nichts passiert,
reagiert etwas blasiert,
ein Vierer, der vorüber zieht,
hat ihn bald als fünftes Mitglied.


Der Rabe nun wieder allein, allein
vergeht sich an geöffnetem Wein.
Pulle um Pulle wird entleert,
alles alle und er merkt: „Scheiße, das Zeug gärt.“


Der Rabe, er hält sich auf den Beinen noch,
es fehlt das Bild, wie er über die Reling broch.
Aufrecht kämpfend steht er in der Sonne,
grüßt die kreuzende Möwen-Kolonne.


Der Rabe als Tier für Sicherheit,
drum hat er hier den Ring sich umgeschnallt.
Mit trunkenem Übermut im Blut
hält er sich im darstellenden Tanz für die Vorhut.


Der Rabe ist ein lustig Tier.
Man sieht ihn hier
bei des Kranichs Verballhornung
Der Rabe? Er findet’s in Ordnung.

Tobias Crain

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