Antje Kröger | Fotokünstlerin

Das Konklave der Narren

Posted by on Sep 22 2019, in Mensch

Das Konklave der Narren_Fotoserie von Antje Kröger

Verhalten sitzen sie an ihren Plätzen, sofern sie können, beäugen sie sich argwöhnisch. Den wenigsten gefällt, was sie sehen. Erst recht nicht dieser Zeremonienmeister. Eine Einführung der Moderne, die ihnen als uraltes Ritual verkauft wird. Der erpicht darauf ist, dass alte Bräuche auch in neuen Zeiten nicht an Kraft verlieren. Mit einem neuen Tanz eröffnet er. Dass dieser Klotz überhaupt zu Bewegung fähig ist, und dann noch zu so graziler, erstaunt die anwesenden Verwesenden sehr.

Er beginnt an den Rädern der Zeit zu drehen und der erste Narrdinal zu sprechen. Mit jedem Wort lässt er drei weitere fallen. Ihm dräut, als wenn der Atem des Zeremonienmeisters heftiger wird. Aber wer kann schon wissen, was unter dieser Maske vor sich ging. Er beendet seinen Monolog, ohne etwas gesagt zu haben. Jetzt fällt ihm die Veränderung am Zeremonienmeister auf. Aber schon wischt der ihn mit einem Handstreich hinweg. Der nächste nähert sich dem Podium, um gehört zu werden. Landet aber nur in der Hand des Zeremonienmeisters. Sein schmerzerfüllter Schrei lässt seine mitgebrachte Opfergabe aus ihrer Lethargie erwachen und in völliger Verklärung der Situation die schmerzbringende Hand angreifen. Als beide frei sind, greifen sie des Zeremonienmeisters Haupt an und zerfetzen sein Antlitz. Nur um gleich zu bemerken, dass es Maskerade war. Kaltblütig blickend entledigt er sich seiner Maske. Nun für jeden ersichtlich: Der Zeremonienmeister ist der alte Gott der Narren. Seine Intention für dieses Konklave? Wer weiß das schon. Wild greift er um sich, schnappt Narrdinäle. Zieht sie an sich und benutzt sie, so wie er sie benutzen will. Kreischend, wild hampelnd, ekstatisch. Dreht und biegt sich. Dreht den Narrdinälen die Glieder und biegt seine Finger in ihre Körper. Entledigt sich seiner Kleidung – Stück für Stück. Merkt es nicht, stöhnt wie verrückt. Dann. Innehalten. Nur kurz. Kopf dreht sich. Augen rollen. Blicke nehmen. Tote ins Visier. Augen quellen über. Stechen heraus. Neue Wut keimt in ihm auf. Er fällt vornüber, stürzt sich auf sie, die die da liegen. Weiteres Leben? In ihnen, NIE!

„Wie sie da liegen, ach schau sie dir an, die Ärmchen, die blieben, wer hat solch getan? Ach, weg damit. Was soll ich mit Kram, der blieb von Wesen mir Untertan. Was glotzt du so, Seelenspiegel, komm her, du sprichst schon seither mir die Wahrheit zu klar. Wenn ich beseitige, warum dann bei dir halten? Hinfort, dreckiger Kopp, unter meiner Sohle verende. Unter meinen Tritten begib dich ins Jenseits. Seelenspiegel, Spiegelseele. Hinfort noch einmal. Fort von mir. Dutzende stehen Spalier, zum Spiegeln meiner Taten, gehorsame Soldaten, hörig nur meiner Worte, regierend nur auf meine Mimikry. Nur dich, dich, du Narr am Strick, dich nehm ich, dich nehm ich mir, zum Zeugen neuer Narrdinäle!“

Text: Tobias Crain
Das Konklave der Narren - Antje Kröger
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