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Wind of Abriss

Konzept and all: Antje Kröger, Fotografie: Antje Kröger & A. Tcherkassova

Diese Räume haben gespürt, gerochen, gelebt, gefeiert, getrauert, gehadert, beherbergt, sich verändert, boten Schutz, zerfielen, waren Wohnraum, Unterschlupf, Schlafstätte, Atelier, Fahrradgarage, Wohngemeinschaft, Familienresidenz. Und noch so viel mehr. Sie erlebten zwei Weltkriege, mehrere politische Umwälzungen, Zuzug und Wegzug, Zerstörung, Umgestaltung. Sie wechselten die Farben, auf ihren Wänden stapeln sich die Schichten der Jahre. Über ein Jahrhundert Raumgeschichten. Menschen kamen und gingen, wurden gezeugt, geboren und starben in den Räumen, sie lebten, liebten, hassten, schmiedeten Pläne, vegetierten, froren, tranken, rauchten, aßen, kopulierten, trauerten, diskutierten, fügten sich Schmerzen zu, schlugen sich, ruhten.

Die Räume hörten Gelächter und Schluchzen, Rhythmen, Schreie und Schweigen. Mal roch es nach festlichem Essen, mal nach kaltem Rauch. In den Ecken verstaubten Erinnerungen, auf dem Boden hinterließ Mobiliar tiefe Kerben. Jedes Jahrzehnt brachte neue Farben, neue Gerüche, neue Gesichter. Manche blieben, manche verschwanden. Die Räume atmeten mit den Menschen, die sie füllten, sahen Hoffnung und Verzweiflung, Geborgenheit und Flucht. Alles schrieb sich in Wände und Böden ein, Schicht für Schicht, Wort für Wort.

Beide schleichen über das kalte Holz. Die eine rudert über den Staubsee, mit den hölzernen Wurzeln, die sie fand, die andere drückt sich das gefrorene Broilervieh aus der summenden Kiste zwischen die Schenkel. Ihre Haut zittert, verfärbt sich erst orange, dann rot, dann blau. Das Sonnenlicht ist spärlich gesät. Die Tram knattert vorbei. Auch die Räume, deren Wände gerade von ihrem Schmerz berichten – dem Schmerz des Abschieds, dem Schmerz der Veränderung, dem Schmerz eines Endes – knarren, zucken und wirken fürchterlich instabil, obwohl alle Steine fest aufeinander sitzen.

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24. Februar 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026