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Ostberlin – ich hab noch was vergessen

Neue (Zug)Reisegeschichten aus (ost)deutschem Land, mit dem Konvolut analoger Kameras, immer regelmäßig.


Zu diesem Zeitpunkt gibt es 10 Kapitel meiner 9-Euro-Ausblicke. Alle Foto aus Berlin:

➨ SEEHAUSEN (ALTMARK), SCHKEUDITZ, RIESA, MECKLENBURG, BERLIN, DÜSSELDORF


Sonntagmorgen. 11 Uhr Alexanderplatz. Ostberlin. Der letzte Tag des Monats Mai. Die Sonne brannte. Beim letzten Besuch vor ein paar Wochen war mir mein coloriges Filmmaterial ausgegangen. Deswegen hatte ich die Nuttenbrosche, den Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alex, nur dilettantisch in schwarz/weiß fotografiert. Aber die bunten Bildchen von Pflanzen und Vögelchen sind in monochromer Darstellung natürlich verschenkt. Deshalb an diesem Morgen eine kleine fotografische Tour, again. Nuttenbrosche übrigens, weil die DDR-Prostituierten oder wie es heute heißt: Sexarbeiterinnen dort in der Nähe ihren Freiern „begegneten“. Erstaunt schreitete ich über den verwaisten Platz. Ich erinnere mich nicht genau, wann ich diese Leere dort das letzte Mal wahrnahm. Fetzig. Der Brunnen arbeitete und ein paar Nachtgestalten nahmen ihre letzte gemeinsame Zigarette oder schliefen die Nacht weg. Der Brunnen war gefüllt mit Müll und schwimmenden Flaschen. Der Einkaufswagen für den Pfand indessen rollte allein über den menschenlosen Alexanderplatz. Leider hatte ich nicht wirklich viel Zeit, weil ich verabredet war. Schade eigentlich. Dafür schaute ich später noch beim Pressecafé vorbei und sammelte ein weiteres DDR-Mosaik für meine Sammlung ein. Der fotografierende Mensch und die Leichtathletin faszinierten mich schon sehr. Am liebsten hätte ich die Mosaike und Wandbilder in meiner Nähe, um sie immer wieder anzuschauen. Aber sie sind jetzt gebannt auf Film und entkommen mir so nie wieder.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026