Antje Kröger | Fotokünstlerin

Zufälligkeit und Notwendigkeit

Posted by on Aug. 04 2016, in Mensch

Zufälligkeit und Notwendigkeit

Was kann sich schärfer widersprechen als diese beiden Denkbestimmungen? Wie ist es möglich, daß beide identisch seien, daß das Zufällige notwendig und das Notwendige ebenfalls zufällig sei? Der gemeine Menschenverstand und mit ihm die große Menge der Naturforscher behandelt Notwendigkeit und Zufälligkeit als Bestimmungen, die einander ein für allemal ausschließen. Ein Ding, ein Verhältnis, ein Vorgang ist entweder zufällig oder notwendig, aber nicht beides. Beide bestehn also nebeneinander in der Natur; diese enthält allerlei Gegenstände und Vorgänge, von denen die einen zufällig, die andern notwendig sind und wobei es nur darauf ankommt, die beiden Sorten nicht miteinander zu verwechseln. Man nimmt so z.B. die entscheidenden Artmerkmale als notwendig an und bezeichnet sonstige Verschiedenheiten der Individuen derselben Art als zufällig, und dies gilt von Kristallen wie von Pflanzen und Tieren. Dabei wird dann wieder die niedere Gruppe zufällig gegen die höhere, so daß man es für zufällig erklärt, wieviel verschiedne Spezies des Genus felis oder equus oder wieviel Genera und Ordnungen in einer Klasse, und wieviel Individuen von jeder dieser Spezies existieren, oder wieviel verschiedne Arten von Tieren in einem bestimmten Gebiet vorkommen, oder wie überhaupt Fauna, Flora. Und dann erklärt man das Notwendige für das einzig wissenschaftlich Interessierende und das Zufällige für das der Wissenschaft Gleichgültige. Das heißt: Was man unter Gesetze bringen kann, was man also kennt, ist interessant, das, was man nicht unter Gesetze bringen kann, was man also nicht kennt, ist gleichgültig, kann vernachlässigt werden. Damit hört alle Wissenschaft auf, denn sie soll grade das erforschen, was wir nicht kennen. Das heißt: Was man unter allgemeine Gesetze bringen kann, gilt für notwendig, und was nicht, für zufällig. Jedermann sieht, daß dies dieselbe Art Wissenschaft ist, die das, was sie erklären kann, für natürlich ausgibt, und das ihr Unerklärliche auf übernatürliche Ursachen schiebt; ob ich die Ursache des Unerklärlichen Zufall nenne oder Gott, bleibt für die Sache selbst vollständig gleichgültig. Beide sind nur ein Ausdruck für: Ich weiß es nicht, und gehören daher nicht in die Wissenschaft. Diese hört auf, wo der notwendige Zusammenhang versagt.

Friedrich Engels, Dialektik der Natur

Zufälligkeit und Notwendigkeit (13)
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Ein nackter Körper lehnt angespannt an einer rohen Wand, durchzogen von diagonal gespannten Schnüren. Die Schwarzweißfotografie betont Muskeln, Haltung und Raum. Der männliche Akt erscheint verletzlich und zugleich widerständig, gefangen zwischen Bewegung und Stillstand.
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Die Fotografie zeigt einen nackten Mann in einer verdrehten, fast performativen Pose. Die Linien der Schnüre schneiden durch den Bildraum und verstärken das Gefühl von Begrenzung. Der Körper wird zum Träger von Spannung, Widerstand und innerer Bewegung.
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
In rauer Umgebung presst sich der nackte Körper gegen die Wand. Die diagonalen Linien erzeugen Unruhe und Enge. Die Fotografie arbeitet mit Reduktion und Kontrast und verhandelt Themen wie Ausgeliefertsein, Selbstbehauptung und körperliche Präsenz.
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Künstlerische Schwarzweiß Aktfotografie, nackter Mann, existenzielle Bildsprache
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Akt Schwarzweiß, existenzielle Fotokunst, Körperstudie
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Zufälligkeit und Notwendigkeit
Der männliche Körper wird nicht heroisiert, sondern fragil und angespannt dargestellt. Die Fotografie unterläuft klassische Aktästhetiken und öffnet den Blick auf Verletzlichkeit und Unsicherheit als Teil männlicher Körperlichkeit.
Zufälligkeit und Notwendigkeit

Werbung

NÄCHSTER FOTOWORKSHOP

Comments

  • eindrucksvolle Bilder, die den Verstand wach machen und zum nachdenken zwingen... Notwendigkeit und Zufälligkeit - ein Thema über das sich lange Diskussionen führen lassen...
    für mich gibt es keine Zufälle, denn alles hat einen Anfang und die scheinbaren Zufälligkeiten sind nichts anderes als Notwendigkeiten, die sich aus dem Ereignis selbst ergeben, ohne zwangsläufige Kenntnis des oder der anderen Ereignisse haben zu müssen...alles bedingt sich notwendigerweise...

Trackbacks and Pingbacks


Schreibe einen Kommentar zu Paul