Glutnärrin

Glutnärrin

Analog-Digitaler-Remix

Meine Selbstporträt-Serien bestehen derzeit aus wilden Remixen analoger und digitaler Fotografie. Ich arbeite mit altem Filmmaterial, schaue, was das Material aushält (pushen, viel Licht, wenig Licht), entwickle es dann in der Dunkelkammer – zu lange, zu kurz, mit verschiedenen Temperaturen. Ein interessantes Experimentieren mit dem Zufall. Zusätzlich arbeite ich digital, um das Thema nicht aus den Augen zu verlieren, um mich bei der Selbstinszenierung zu beobachten, um den Raum offen zu halten, den der Zufall auch schließen könnte.

Stark gekörntes Foto vor schwarzem Hintergrund. Eine weiß-bemalte, handgefertigte Clownmaske mit offenem Mund und geritzten Linien, aus dem Kopf Pflanzentriebe. Rechts eine Hand mit ausgestreckten Fingern. Warme, dunkle Töne.
Glutnärrin
Glut-Wut-Blut.

Die Glut loderte vergangen in dem hübschen grünen Öfchen.
Die Glut entfacht jetzt kein Feuer mehr.

Zu viel Bestorbenes.
Zu viel Verdorbenes.
Zu viel Maskerade.
Zu viel Entfremdung.
Zu viel Richtungslosigkeit.

Die Spiegel des Sextanten sind erblindend.

Das Licht wärmt. Kurz.
Das Licht blendet. Augenblicklich.
Das Licht bringt das Verderben zum Vorschein. Erschreckend.

Das Rot kämpft.
Das Rot krampft.
Das Rot klatscht.

Die Wunden sind geleckt.
Der Winter ist verabschiedet.
Das Wollen schläft ruhig.

Glut-Licht-Unterleib-Tumult.

Das Narrenschiff ist längst ertrunken.
Die Matrosen von Bord getaumelt.
Die Segel an den Masten wurden eingezogen.

Glutnärrin.
Thront auf lauter totem Gebälk.
Es knarrt, rumpelt, kracht.
Sie ist leise geworden.
Niemand schweigt.
Um den Februarkummer kümmert sich Niemand nicht.
Er weiß jedoch um ihn. Natürlich.

All diese Gewalt.
Wieder Tod. Viel zu jung. Viel zu lebendig.
Das Meer läuft müde zusammen.
Noch mehr Narrenschiffe hatte es wohl verschluckt.
Ruhige Wasser. Blenden.
Die Blutzölle wurden beglichen.
Es gibt keine Geschenke.
Nie!
Nahbild in Dunkelgrün und Gold. Eine Clownmaske mit aufgerissenem Mund, von Pflanzentrieben überragt, umgeben von kugeligen Beeren oder Früchten. Starkes Filmkorn, kaum Kontur.
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Dunkel gehaltenes Foto. Eine weiß-bemalte Clownmaske mit aufgerissenem Mund, aus dem Kopf wachsen grüne Pflanzentriebe. Der Hintergrund ist schwarz mit rosa-goldenen Lichtpunkten übersät, wie Bokeh Discokugel.
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Analoges, stark gekörntes Foto in Gelb-Ocker-Tönen. Eine Person mit Clownmaske hält eine Pflanze in die Höhe, von einem hellen Gegenlichtfenster hinterstrahlt. Im Vordergrund die gerundeten Konturen eines nackten Körpers, von unten fotografiert.
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Analoges, gekörntes Foto von unten. Eine maskentragende Person reckt den Kopf nach oben, lachend oder schreiend. Daneben ein Regal mit Pflanzentopf, im Hintergrund rot-weißes Muster. Starkes Korn, warme Erdtöne.
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Analoges, stark gekörntes Foto in tiefen Orangetönen. Eine Maske an der Wand. Körpersilhouetten im Vordergrund.
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Analoges Foto in Rot-Orange. Eine Person in rotem Top liegt in einem Sessel, Kopf zurückgeworfen, Hals freigelegt. Im Hintergrund hängt eine weiß-bemalte Clownmaske an der Wand, daneben ein Bündel Bleistifte. Oben rechts ein abstrakter oranger Farbfleck.
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Analoges Foto in tiefem Gelb-Schwarz. Eine Person sitzt in einem Sessel, trägt eine Maske mit grotesk-traurigem Ausdruck. Lichterketten am Boden, Pflanze auf einem Regal rechts. Starkes Korn, kaum Details.
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Eine Person in rotem Oberteil reißt den Stoff vom Hals weg, Mund weit geöffnet, Blick nach oben. Dunkle Flecken auf dem Arm. Im Hintergrund rechts eine kleine Clownmaske. Dominantes Rot, weißer Hintergrund.
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Halbnahes Porträt einer Person in rotem Oberteil mit dunklen Farbflecken auf Gesicht, Hals und Schultern. Blick direkt in die Kamera, leicht geöffneter Mund, lockiges rötlich-blondes Haar. Im Hintergrund Lichtpunkte und roter Stoff.
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Nahaufnahme. Eine Person hält eine bemalte Clownmaske vor ihre Brust, ein schwarzes Band im Mund. Blondes, zerzaustes Haar mit goldenen Fäden durchsetzt. Weit aufgerissene Augen, leicht geöffneter Mund. Rotes Oberteil, dramatisches Seitenlicht.
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Extremes Nahbild. Ein Auge schaut hinter einer bemalten Maske hervor, die halb das Gesicht verdeckt. Ein schwarzes Band liegt quer über Mund und Nase. Lockiges blondes Haar, rotes Oberteil, hartes Seitenlicht.
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Nahaufnahme einer weißen, handbemalten Clownmaske mit aufgerissenem Mund in Schwarz und Rosa. Darunter zwei Hände verschränkt auf nackter Haut. Seitliches Licht, warme Töne.
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Eine bemalte Clownmaske wird durch roten Stoff hindurch sichtbar — der Stoff liegt transparent über dem Gesicht. Dahinter eine zweite Maske. Die Hand hält beides. Dominante Rottöne, weißer Hintergrund.
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Nahaufnahme eines Gesichts mit geschlossenen Augen und dunklen Farbflecken auf der Haut. Neben dem Gesicht die Innenseite einer bemalten Clownmaske, sichtbar aus dem Blickwinkel der Trägerin. Blondes Haar, rotes Oberteil.
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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026