Schwarz-weiß Selbstporträt Doppelbelichtung mit wilden Locken, digital-analog Remix

Die Verachtung

Analog-Digitaler-Remix

Achtung Stillgestanden! Hier komm* ich: Die Verachtung. Sie verachtet sie. Sie verachtet ihn. Er verachtet sie. Ihn nicht so sehr, meist. Sie verachtet es. So wie er auch. Sie verachten sie. Alle gegenseitig.

Ich verachte dich; nehme mir diese Emotion bewusst aus der Gefühlspalette der 25. Brauche sie, die Verachtung, um klarer zu werden, klar zu kommen.

Verachtung: Scharf. Präzise. Das Gegenteil von Gleichgültigkeit.

Stellung nehmend. Die Stellung, die die Verachtenswerten vergessen, vermeiden, ausklammern.

Die 25 Emotionen: Wir haben gelernt, die harmlosen zu wählen. Freude (kontrolliert), Trauer (angemessen), Empathie (performativ). Aber Verachtung? Zu unbequem. Ich bin unbequem.

Ich verachte die Geschmeidigen. Die, die immer wissen, wann sie schweigen müssen, wann sie reden. Die ihre Wahrheiten anpassen wie Accessoires; mal diese, mal jene, je nachdem, für wen sie vorgesehen sind. Ich verachte die Berechnenden. Die, die ihre Schritte setzen, ganz bewusst. Die weitergehen, immer weiter, nicht zurückblicken, weil: wozu? Was hinter ihnen liegt, existiert nicht (mehr). Ich verachte die Pragmatischen. Die, die sagen: „So ist das eben“ und „Man muss auch an sich denken“. Die ihre Entscheidungen fällen wie Geschäfte; effizient, ohne den Blick für das Ganze. Ich verachte die mit den vielen Versionen. Die, die erzählen und umerzählen, bis die Geschichte passt. Die Worte geben, die nichts wiegen. Die versprechen, was sie nie vorhaben zu halten.

Ich verachte die Zögernden. Die, die spüren, wo der Riss verläuft, aber nicht hinsehen. Die wissen, was gesagt werden müsste, aber die Zunge halten. Die den Kopf einziehen, wenn der Raum sich verkleinert. Die zur Seite treten, wenn jemand fällt. Die Abstand halten zu allem, was brennt.

Ich verachte die, die sich klein machen, damit sie nicht getroffen werden. Die sich unsichtbar machen, damit sie nicht gefragt werden. Die sich stumm machen, damit sie nicht Stellung nehmen müssen. Ich verachte die Überzeugten. Die, die Zahlen für Wahrheit halten. Die alles messen. Die fragen: Lohnt sich das? Die denken, Sicherheit ließe sich kaufen. Die denken, Bedeutung ließe sich bezahlen. Die verwechseln Preis mit Wert.

Ich verachte die Eingerichteten. Die, die ihre vier Wände für die Welt halten. Die immer wieder dasselbe denken, weil sie immer wieder dasselbe sehen. Die sich eingerichtet haben in ihren Meinungen wie in alten Möbeln. Die nicht neugierig sind. Nicht mehr. Die nicht zweifeln. Nicht mehr.

Ich verachte die Fertigen. Die, die schon alles wissen. Die sich nicht mehr erschüttern lassen. Die nicht mehr umdenken. Die in ihren Gewohnheiten verknöchern wie alte Bäume. Die lieber recht behalten als weiterdenken. Die ihre Starrheit Charakter, die ihre Bequemlichkeit Authentizität nennen.

Ich verachte die Harmonischen. Die, die alles glätten wollen, bevor es scharf wird. Die Reibung vermeiden. Die immer beschwichtigen, wenn es knistert. Die denken, Frieden sei die Abwesenheit von Konflikt. Und nicht das Aushalten davon.


Das Leben ist eine große Improvisation. Freejazz. Ohne große Konzepte. Einfach machen.

Schwarz-weiß Selbstporträt einer Frau auf Stuhl vor glänzendem Lametta-Vorhang, digital-analog Remix
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Analoges Selbstporträt Frau vor Lametta, Kodak T-Max gepusht, Schwarz-Weiß
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8. Februar 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026