Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.
Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
Bulgarien, also Bulgarien wie schon vor acht Jahren. Damals nur Sofia, und damals Winter. Heute Herbst, und heute ein bisschen mehr als Sofia. Warum Bulgarien? Damals schrieb ich in meiner Reisereportage, dass ich wiederkommen werde. Viele Jahre sind vergangen, und jetzt, jetzt ist es an der Zeit. 2026: mein Bulgarienjahr. Eigentlich hatte ich diese Reise schon für das Frühjahr vorgesehen, aber da wollte das Leben andere Dinge von mir. Viele Dinge von mir gewollt, viel Kraft geraubt, und nun ist’s eben doch erst der Herbst. Anyway, das Leben spielt seine eigene Musik und klopft den eigenen Rhythmus. Gut so. Oktober, Bulgarien, ich komme. Diesmal geht alles ratzfatz. Ich bin so schnell von Leipzig nach Berlin gekommen, dass ich mich gar nicht zweimal umdrehen konnte. Genauso ratzfatz fliege ich von Berlin nach Sofia, ratzfatz bin ich in meinem Hostel, und ratzfatz bin ich diesmal so gar nicht vorbereitet. Das gab es noch nie. Immer wieder erste Male. Aber erst ankommen, Orte wiedererkennen.
ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
eine gemeinsame Fotoinszenierung von: ALEXANDRA TCHERKASSOVA. MARTIN ZANOTTI. ANTJE KRÖGER Mein Leben ist Widerspruch.Leben in Widersprüchen.Das Leben sind Widersprüche.Meist bin ich warm.Wenn ich will, kann ich auch so richtig, richtig kalt. Sogar mit ziemlicher Kältest-Lust.Ich bin ein Wassertier.Ich liebe das Feuerspiel.Lachen (mit den anderen) ist Überlebens-Medizin.Das Weinen (mit mir allein) die größte Kraftquelle.Musik muss laut […]
Versuch. Flügelschlag. Das Versagen der Energiereserven. Freiheit weggeflogen, aufgesogen, in weite Ferne gezogen. Flügellahm. Prinzessin Vogelfrei kämpft mit den Winden von vorn. Weh und Lust. Freiheit eingebüßt. Doch gesehen immer noch am Horizont. Flügellahm nicht bewegungslos. Jede Bewegung kostet. Das Doppelte, das Dreifache. Kostet mehr, als sie einbringt, und weiter und weiter. Schlag auf Schlag. Bunte Flügelchen mit abgebrochenen Federchen. Frei-heit. Flügelfederfreiheit. Kein Ast hält. Brüchiges Holz durch die Hitzen der Welt. Das Fliegen und das (herunter) Fallen. Prinzessin Vogelfrei trägt beides, ineinander verwoben. Bunt bleibt! Lächeln bleibt!! Freiheit bleibt!!!
… und du glaubst nicht an Wunder – eine Fortsetzung
...und du glaubst nicht an Wunder – eine Fortsetzung" setzt die Fotoserie fort und verschiebt den Fokus auf einen schwangeren Körper, der zwischen Alltag, Ritual und Verletzlichkeit changiert. Küchenmotive treffen auf Lametta, Spiegelscherben und rote Kreismarkierungen, die den Körper wie eine Landkarte oder ein Versuchsobjekt erscheinen lassen. Die Serie fragt nach dem Wunder der Schwangerschaft, aber auch nach dem, was an diesem Zustand fremd, inszeniert und beunruhigend sein kann. Entstanden in warmem Licht, mit starkem Korn und einer rohen, theatralischen Bildsprache.
„Damit sich alles erfüllte, damit ich mich weniger allein fühlte, brauchte ich nur zu wünschen, dass am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer da sein würden und dass sie mich mit Schreien des Hasses empfangen.“ Dieser letzte Satz aus Camus Fremdem erregte dich.
Achtung Stillgestanden! Hier komm* ich: Die Verachtung. Sie verachtet sie. Sie verachtet ihn. Er verachtet sie. Ihn nicht so sehr, meist. Sie verachtet es. So wie er auch. Sie verachten sie. Alle gegenseitig.