älterer Mann in roter Fleecejacke mit Stock und Kappe sitzt in der Straßenbahn, Fahrgäste im Hintergrund, digital mit der Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia first

Balkan im Oktober: Ich komme im sommerlichen Kleid & gehe mit herbstlichen Gefühlen

gewidmet meiner Familie, den kleinen und großen Menschen meines Blutes, die mich nehmen, wie ich bin oder es versuchen, sie sind mir so lieb & Felix, der mich fotografisch so inspiriert hat in diesem Jahr & Sascha, die so schnell meine analogen Fotos digitalisierte & den hübschen Straßenkötern dieser Welt

Bulgarien, also Bulgarien wie schon vor acht Jahren. Damals nur Sofia, und damals Winter. Heute Herbst, und heute ein bisschen mehr als Sofia. Warum Bulgarien? Damals schrieb ich in meiner Reisereportage, dass ich wiederkommen werde. Viele Jahre sind vergangen, und jetzt, jetzt ist es an der Zeit. 2026: mein Bulgarienjahr. Eigentlich hatte ich diese Reise schon für das Frühjahr vorgesehen, aber da wollte das Leben andere Dinge von mir. Viele Dinge von mir gewollt, viel Kraft geraubt, und nun ist’s eben doch erst der Herbst. Anyway, das Leben spielt seine eigene Musik und klopft den eigenen Rhythmus. Gut so. Oktober, Bulgarien, ich komme. Diesmal geht alles ratzfatz. Ich bin so schnell von Leipzig nach Berlin gekommen, dass ich mich gar nicht zweimal umdrehen konnte. Genauso ratzfatz fliege ich von Berlin nach Sofia, ratzfatz bin ich in meinem Hostel, und ratzfatz bin ich diesmal so gar nicht vorbereitet. Das gab es noch nie. Immer wieder erste Male. Aber erst ankommen, Orte wiedererkennen.


An meinem ersten Abend fahre ich mit dem Bus vom Flughafen zum Zentrum. Von Sofia kann ich nicht viel erblicken, denn es ist sehr dunkel, aber immer noch sehr warm. Was mir jedoch auffällt: In den Bussen werden einfach keine Stationen angesagt, und so ist es ein wildes Raten, welche Station wir gerade anfahren und ob es meine zum Umsteigen ist. Dazu das Ticketsystem und die verrückten Einstiege in die Trams. Der öffentliche Nahverkehr zumindest in Sofia ist wirklich eine sportliche und mentale Meisterleistung. Zum Glück gibt es das Handy und Google Maps für die Nerven. Aber ich bin so alt, ich möchte ein Reiseerlebnis „ohne diese Hilfsmittel“.
Als ich das Hostel buchte, bekam ich eine Nachricht, dass dort nur Menschen zwischen 18 und 55 wohnen dürfen. Also habe ich noch fünf Jahre zum Reisen. Dachte und denke ich. Wenigstens bin ich direkt im Zentrum. Krasser Männerüberschuss. Während der gesamten Reise konnte ich keine Frauenschlafsäle buchen. Heißt, ich schlafe fast immer nur mit Männern zusammen in einem Raum. Gewöhnungsbedürftig, manchmal weird und laut schnarchend, aber doch zuvorkommend und höflich. In meinem ersten Sofia-Hostel habe ich einen wunderbaren Mitbewohner, Manuel aus Mailand, wir reden viel übers Fotografieren.


Der erste Tag, völlig unvorbereitet, ist sommerwarm, 26 Grad. Sehr lustig zu beobachten: Ich habe schon am Vormittag nur ein T-Shirt an, aber keiner der bulgarischen Menschen trägt „nur“ ein Shirt, alle haben etwas drüber. Im Laufe des Tages wird es offensichtlich aber so heiß, dass sie ihre Jacken doch ausziehen. Am Anfang des Tages schauten sie mich noch ganz mitleidig an. Sie gucken einen sowieso irgendwie immer sehr mitleidig an. Wer weiß. Ich lasse den Tag passieren, gehe die Straßen entlang, sehe viele Graffiti und Wandmalereien, beobachte tolles Licht, aber komme fotografisch nicht wirklich rein. Ich bin ein bisschen enttäuscht von mir. Es ist meine erste Reise in diesem Jahr, merke ich voll. Vielleicht habe ich noch nicht genug beobachtet, oder war nicht genug aufmerksam. Es dauert einen halben Tag, bis ich fotografisch wieder auf der Höhe bin.


Faszinierend finde ich, dass diese Stadt schon echt groß ist (1,2 Mio. Einwohner), trotzdem treffe ich jemanden aus dem Hostel wieder und sehe eine Reisegruppe aus dem Flugzeug (kleiner Spoiler: Auf der gesamten Reise treffe ich Menschen immer wieder). Ich wohne nur 400 Meter von den Quellen mit dem gesunden, heißen Mineralwasser (alkalisch, schwach mineralisiert, mit einem Salzgehalt von etwa 280 mg/l, Bikarbonat, Sulfat und Natrium, hyperthermal – Temperatur 46 Grad Celsius) entfernt. Das kenne ich noch gut von der letzten Reise. Fast jeden Tag in Sofia komme ich hierher, trinke und fülle mir das Zauberwasser in meine Flasche. Ich mag diesen Ort sehr. Immer ist etwas los. Menschen kommen und gehen, mit großen und kleinen Behältern. Sie waschen sich, trinken oder genießen das Sein. Ein ganzer eigener Mikrokosmos von Leben. Nach der Quelle der Bahnhof. Ein Lieblingsort überall auf der Welt. Ich kaufe ein Zugticket nach Plowdiw, meinem nächsten Ziel. Die Preise sind echt so ein Thema: Zug total billig, Hostel total billig, Essen total teuer, der öffentliche Verkehr irgendwo in der Mitte. Eintritte teuer. Die Preise in den Supermärkten sind der Wahnsinn. Ich bin echt erschüttert und frage mich, wie sich diese Menschen in Bulgarien mit ihren Löhnen das leisten können. Der Bahnhof ist ziemlich leer. Das Gebäude dafür brutalistisch schön (seit 1974). Der Durchgang zwischen Metro und Bahnhof war wohl früher florierendes Einkaufsvergnügen, gammelt aber mittlerweile vor sich hin. Ein paar Taxis stehen vor dem Haupteingang. Die Fahrer vertreiben sich ihre Zeit mit Kaffeetrinken. Vor dem Bahnhof steht eine 34 Meter große Statue: „Mutter mit Kind“. Ich schlendere herum, fahre mit der Tram zurück zum Hostel und beende den ersten bulgarischen Tag.

Die Agat ist wieder da. Das ist das Highlight meines nächsten Tages. Dieser Tag, der von einigen Krisen durchgeschüttelt wurde. In Sofia ist es sehr warm. In der Nacht noch hatte ich geträumt: Wo ist eigentlich meine Agat? (Die analoge Halbformatkamera, die ich immer in der Handtasche dabei habe. Schon eine Handvoll habe ich davon besessen. Die erste kaufte ich vor acht Jahren, in Sofia.) Ich hatte sie gestern doch gar nicht ausgepackt. Am Morgen suche ich sie überall, kann sie nicht finden und bin ganz traurig, dass sie weg ist. Bin jedoch froh, dass ich den Film gestern gerade gewechselt hatte, so dass ich wenigstens nicht so viele Fotos verlor. Als ich am Abend ins Hostel zurückkomme, fragt mein französischer Mitbewohner mich, ob das meine Kamera sei. Er zieht die hübsche Agat unter dem Bett hervor. Da ist sie wieder. Die größte Freude von allen! Ansonsten ist der Tag eher ein mühsamer. Ich bin körperlich ziemlich am Ende (hatte gerade einen Monat Antibiotikakur hinter mir), aber auch seelisch. Schaue nur kurz beim Kulturpalast und auf dem Frauenmarkt vorbei. Am Ende des Tages bekomme ich doch noch ein paar gute Bilder „geschenkt“, weil ich spannende Menschen treff.

Farbfoto, Lichtstreifen fällt durch Türspalt roter Doppeltür auf Betonboden mit gemalter Jahreszahl 1910 und Ornament, digital mit der Leica
1910
Halbformat-Diptychon, riesiges Wandbild einer Frau im gelben Kleid mit American-Football-Helm im Arm, darunter Coca-Cola-Schirm mit Lichterkette, Agat 18K, Kodak Color 200
Groß gemalt
Farbfoto, Mann mit Kappe und Kopfhörer geht an Wandbild mit Hand und Kamera, Filmstreifen und Mohnblume vorbei, Signatur KALKAN 2026, digital mit der Leica
Kamera an der Wand
Halbformat-Diptychon, Wandbild eines Mannes mit Schnurrbart und Melone, der mit Gabel und Brötchen spielt, Schriftzug Gold Rush, Stromkasten, Agat 18K, Kodak Color 200
Gold Rush
Halbformat-Diptychon, oben Comic-Graffiti einer Figur mit Kette und Revolver, unten Wandbild zweier Vögel über einem Taschengeschäft in der Bacho-Kiro-Straße, Agat 18K, Kodak Color 200
Tschilp
Farbfoto, Hinterhofgarten mit Hollywoodschaukel, roter Schaukel, Gießkanne und Tisch zwischen Bäumen vor Wohnblock, digital mit der Leica
Hinterhof mit Schaukel

Bahnhof Sofia – Централна гара София

Schwarzweißfoto, Kombi fährt vor dem Zentralbahnhof Sofia und dem Betonmonument Mutter mit Kind vorbei, Schriftzug in Kyrillisch und Lateinisch, digital mit der Leica
Zentralbahnhof auf Auto
Farbfoto, Gelenkbus fährt vor dem Monument Mutter mit Kind und dem Schriftzug Sofia Central Station vorbei, blauer Himmel mit Kondensstreifen, digital mit der Leica
Bus vor Monument
Diptychon, kantiges Betonmonument mit Skulptur Mutter mit Kind vor dem Zentralbahnhof Sofia, kyrillischer und lateinischer Schriftzug, blauer Himmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Mutter mit Kind
Halbformat-Diptychon, oben Menschen auf Bänken eines gepflasterten Platzes mit Tauben und langen Schatten, unten auskragendes Betonmonument vor blauem Himmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Platz mit Tauben, Beton im Blau
Halbformat-Diptychon, links gedrehtes Bild eines schwarzen Gendarmerie-Fahrzeugs mit kyrillischer Aufschrift vor Glasfassade, rechts Schriftzug SOFIA vor blauem Himmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Жандармерия
Schwarzweißfoto, Fassade des Zentralbahnhofs mit großer Uhr und schrägen Betonstützen, zwei Personen an der Rolltreppe, digital mit der Leica
Elf Uhr fünfzig
Halbformat-Diptychon, links gedrehte Granitfassade mit Schriftzug Централна гара София und Kugelleuchten, rechts Bahnhofsuhr über dem Eingang, Person mit Kapuze, Agat 18K, Kodak Color 200
Централна гара София
Halbformat-Diptychon, oben Wappenmosaik mit Inschrift Расте но не старее und Metallbaum in der Bahnhofshalle, unten Bahnhofsuhr an Granitwand, Agat 18K, Kodak Color 200
Расте но не старее
Halbformat-Diptychon, Innenansicht einer Bahnhofshalle mit Wabendecke, Metallskulptur in Baumform und Betonrelief in Wellenform, brutalistische Architektur, Agat 18K, Kodak Color 200
Brutale Bahnhofshalle
Halbformat-Diptychon, links Bahnangestellte mit roter Dienstmütze, Notizblock und Kelle unter dem Bahnhofsdach, rechts gedrehte Ansicht einer roten Diesellok auf Gleisen, Agat 18K, Kodak Color 200
Die Schaffnerin
Halbformat-Diptychon, links gedrehtes Bild von Taxis am Bahnhofsvorplatz, rechts Person in roter Mütze und dunkler Uniform unter Betondach mit schrägen Stützen, Agat 18K, Kodak Color 200
Taxis und Bahnsteig
Halbformat-Diptychon, oben gedrehtes Bild eines Mannes im Karohemd mit Zigarette und Kappe, unten Männer essen auf einer Bank im Sonnenlicht, Tauben auf Pflaster, rote Dose, Agat 18K, Kodak Color 200
Pause mit Tauben
Schwarzweißfoto, Mann liegt schlafend auf einer Backsteinmauer, Tüte als Kissen, Schlagschatten, Geschäfte im Hintergrund, digital mit der Leica
Schlaf auf Stein
Halbformat-Diptychon, links gelb-weiße Straßenbahn mit Frau mit Tasche vor Plattenbau, rechts gedrehte Ansicht einer Glastreppe von unten mit Person in Karohemd und Kappe, Agat 18K, Kodak Color 200
Brutale Tram
Schwarzweißfoto, Frau mit gestreiftem Hemd hält kleinen Hund im Arm, Männer auf Parkbänken im Hintergrund, harte Schatten, digital mit der Leica
Der kleine Hund
Draufsicht auf Granitplatte mit Souvenirs, Schlüsselanhängern, Ikone mit Madonna und Kind, Holzkruzifix, Rasierer und Tasche, Sonnenlicht, digital mit der Leica
Auslage
Schwarzweißfoto, Frau beugt sich zum Schaufenster einer Buchhandlung, Katze sitzt zwischen Büchern, gerahmte Bilder und Spiegelungen im Glas, digital mit der Leica
Katze im Schaufenster
Halbformat-Diptychon, links gedrehtes Bild einer Katze im Schaufenster mit Lampe und Spiegel, rechts älterer Mann mit blauer Kappe und Zigarette vor weiß-lila Wand mit Graffiti, Agat 18K, Kodak Color 200
Selbstporträt mit Katze
Halbformat-Diptychon, links Schaufensterspiegelung mit rotem Rahmen und Schriftzug Намаление, bunter Regenschirm mit Tigermotiv, rechts Aufkleber einer gehörnten Fellfigur mit Ziegenmaske auf einer Graffitiwand, Agat 18K, Kodak Color 200
Намаление
Halbformat-Diptychon, links Rückansicht einer Person auf Fahrradbügel in weißem Shirt mit Aufdruck JUST NUKE IT, rechts Metallgitter mit Silhouetten in Orange und Schwarz, Agat 18K, Kodak Color 200
Just Nuke It
Halbformat-Diptychon, links Wandbild mit Bananen und gelbe Tüte mit Pfirsichen auf einem Kasten, rechts bemalter Stromkasten mit Flamingo und Graffiti, Agat 18K, Kodak Color 200
Bananen und Flamingo
Halbformat-Diptychon, links Reiterdenkmal mit Reliefsockel vor blauem Himmel, rechts Strichzeichnung eines Gesichts im Profil auf weißer Holztür, Agat 18K, Kodak Color 200
Lachender Reiter
Schwarzweißfoto, orthodoxe Kathedrale mit Kuppeln und Glockenturm vor dunklem Himmel, kleines Flugzeug links im Bild, Ast am rechten Rand, digital mit der Leica
Kuppeln und ein Flugzeug
Halbformat-Diptychon, oben Mosaik mit Engel und Heiligen unter einem Gewölbe mit Kronleuchter, unten Außenansicht einer weißen Kathedrale mit Kuppeln unter tiefblauem Himmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Gold innen, Weiß außen
Halbformat-Diptychon, links Kronleuchter mit rosa Glaslampen in dunklem Kirchenraum, rechts Kerzenkronleuchter vor Bogen mit Ikone und kyrillischer Inschrift, Agat 18K, Kodak Color 200
Mein Haus ist ein Haus des Gebets
Halbformat-Diptychon, links blaue Porträtzeichnung eines Mannes mit Spitzbart (Lenin) an einem Straßenstand, rechts beleuchtete Buntglasfenster in Gelb, Agat 18K, Kodak Color 200
Blaue Tinte, gelbes Glas
Halbformat-Diptychon, links Bronzeskulptur mit erhobenen Armen und verlassener orangefarbener Bürostuhl, rechts stehende Bronzefigur vor Herbstlaub, Agat 18K, Kodak Color 200
Ein Stuhl wartet
Halbformat-Diptychon, links kubistische Bronzegruppe auf Rasen, rechts vornübergebeugte Bronzefigur auf Steinsockel unter einer Birke, Agat 18K, Kodak Color 200
Skulpturen im Park
Halbformat-Diptychon, links Verkehrsschilder mit Fußgängerüberweg im Gegenlicht vor blauem Himmel, rechts Bronzeskulptur mit erhobenen Armen im Park, rote Blumenbeete, Agat 18K, Kodak Color 200
Vorfahrt und Sozialismus
Halbformat-Diptychon, oben Gipskopf mit Militärhelm, Taube und Trödel vor einem Antiquitätenladen, unten bemalter Stromkasten mit Vogelfiguren und Warnschild Не пипай, Agat 18K, Kodak Color 200
Helm und Täubchen
Schwarzweißfoto, Kind in Strickpullover mit Schneemannmotiv hält die Hand in einen Brunnen, Taube auf dem Pflaster, Passanten im Hintergrund, digital mit der Leica
Am Brunnen
Schwarzweiß-Porträt, Mann in Band-Shirt, Jeans und Einkaufstüte vor gestreifter Brunnenmauer, digital mit der Leica
Red Hot Chili Peppers
Schwarzweißfoto, schräge Ansicht, Mann füllt große Plastikflaschen am gestreiften Brunnen, Schatten und Gegenlicht, digital mit der Leica
Quelle in der Sonne
Schwarzweißfoto, Mann in heller Daunenjacke schläft auf einer Steinmauer vor zwei Briefkästen, Herbstlaub, digital mit der Leica
Schlaf bei der Post
Schwarzweißfoto, Schilderwand mit Pfeilen, WC und Männer-Piktogramm mit überkreuzten Händen, Aufschrift Men Toilet, digital mit der Leica
Ich muss
älterer Mann in roter Fleecejacke mit Stock und Kappe sitzt in der Straßenbahn, Fahrgäste im Hintergrund, digital mit der Leica
Autobild

Zhenski Pazar – Frauenmarkt 

Porträt, Mann mit Schirmmütze, Sonnenbrille auf der Kappe, goldener Kette und Tätowierungen vor schwarzer Tür, digital mit der Leica
Cordial
Mann mit Gehstock und Kappe vor einem Fleischerladen, Fahrradgestell, Koffer und Holzkisten am Baum, Traueranzeige am Stamm, digital mit der Leica
Keine Reisen mehr
Porträt, ältere Frau mit Kopftuch am Marktstand hinter einem Radio mit Antenne, rotes Stützrohr, Marktgeschehen im Hintergrund, digital mit der Leica
Das Radio
Schwarzweißfoto, Mann und Frau auf einer Mauer, Hund liegt dazwischen, Menschen am Marktstand im Hintergrund, digital mit der Leica
Der Hund schläft
Schwarzweißfoto, drei Menschen sitzen auf einer Mauer, eine Frau hebt die Hand zur Kamera, Mann mit gefalteten Händen im Vordergrund, Marktzelte im Hintergrund, digital mit der Leica
Auf der Mauer
Schwarzweißfoto, lachender Mann berührt eine Bronzefigur eines Jungen mit Trauben auf Sockel, Menschen lachen im Hintergrund, Fahrrad, digital mit der Leica
Der Bronzejunge
Schwarzweiß-Porträt, ältere Frau mit Kopftuch und Gehstock hält zwei Einkaufstüten vor einem Supermarkteingang, digital mit der Leica
Lidl lohnt sich
Schwarzweiß-Straßenporträt bei Nacht, ältere Frau mit Mundschutz unter dem Kinn und Gehstock sitzt an einer Metallstange, Plastiktüte, Straße mit Lichtern im Hintergrund, digital mit der Leica
Die Nacht bricht herein
Halbformat-Diptychon, oben gelber Audi und Frau mit Kehrschaufel auf dem Pflaster, unten Tasche mit Bulgaria-Aufdruck und Trachtenmotiven an einer Hüfte, Agat 18K, Kodak Color 200
Gelb und Rot
Halbformat-Diptychon, links gedrehte Straßenansicht mit Hochhaus und rotem Auto, rechts Betonrelief in U-Form an einer Hauswand mit orangem Lichtleck, Agat 18K, Kodak Color 200
Brennendes Relief
Halbformat-Diptychon, links Mann mit Umhängetasche an einer Haustür mit Aufklebern, rechts Zeitungskiosk mit Zeitschriften und Kühlschrank, Agat 18K, Kodak Color 200
Der Zeitungskiosk
Halbformat-Diptychon, oben Bronzestatue im Mantel als Silhouette vor Plattenbau und Altbau, unten klassizistische Fassade mit ionischen Säulen und Reliefband unter blauem Himmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Bronze und Säulen
Halbformat-Diptychon, Bronzedenkmal mit kyrillischer Inschrift Alexander Stambolijski, Froschperspektive, Sockel links, Figur vor weißer Fassade rechts, Agat 18K, Kodak Color 200
Stambolijski
Halbformat-Diptychon, älterer Mann mit Brille im Profil auf der Straße, rechts Wandbild einer geflügelten Figur auf gelber Scheibe über rotem Geschäftsschild, Agat 18K, Kodak Color 200
Warten auf die Tram
Halbformat-Diptychon, älterer Mann im Sakko steht an der Straße, links gedrehtes Bild an der Tram, Süßigkeit in der Jackentasche, gelb-schwarzer Poller, Agat 18K, Kodak Color 200
Mann im Tweed
Halbformat-Diptychon, Bronzestatue eines nackten Mannes in weißer Rotunde, rechts Person in Tarnhose über dem Brunnenbecken, Agat 18K, Kodak Color 200
Pavillon und Waschung
Halbformat-Diptychon, Straßenbahn Linie 22 fährt in die Haltestelle, Frau mit Einkaufstrolley links, rechts gedrehte Ansicht einer gelb-weißen Tram, Agat 18K, Kodak Color 200
Tramfarben
Halbformat-Diptychon, Mann hält Kopf an den Brunnen, darunter älterer Mann füllt Flaschen am gestreiften Brunnen, Plastiktüte mit Aufschrift, Agat 18K, Kodak Color 200
Warmes Quellwasser
Halbformat-Diptychon, Person beugt sich über das Brunnenbecken mit Becher, rechts am Brunnen mit rothaariger Frau im Hintergrund, Glasfassade, Agat 18K, Kodak Color 200
Morgenroutine
Halbformat-Diptychon, links Frau in grüner Jacke mit roter Tasche auf Pflaster (Bild gedreht), rechts Person über dem Brunnenbecken mit Becher, rote Slipper, Agat 18K, Kodak Color 200
Katzenwäsche
Porträt, Frau in grüner Jacke füllt Plastikflasche am Mineralwasserbrunnen, Blick zur Kamera, gestreifte Steinwand, Einzelbild im Halbformat, Agat 18K, Kodak Color 200
Am Mineralbrunnen
Halbformat-Diptychon, Mann in Tarnjacke und Kappe schläft auf einer Parkbank, violetter Einkaufstrolley, Bierflasche, Kopfsteinpflaster, Agat 18K, Kodak Color 200
Schlafbank
Halbformat-Diptychon, Backsteinmoschee mit Kuppel und Minarett, Tauben auf Kreuz, Laterne und Touristen, Wolkenhimmel, Agat 18K, Kodak Color 200
Moschee unter Wolken
Halbformat-Diptychon, links Laterne und Gedenkstein mit Tauben, dahinter grüne Straßenbahn, rechts Mann am Baum beim Schuhanziehen mit roten Socken, Agat 18K, Kodak Color 200
Tauben, roter Strumpf und neue Hose
Straßenfotografie im Profil, Mann dreht sich eine Zigarette, Tabak und Papier in den Händen, Pflaster im Hintergrund, Einzelbild im Halbformat, Agat 18K, Kodak Color 200
ZIgarette vor der Zugfahrt
Halbformat-Diptychon, Mann in Fleecejacke gestikuliert und lächelt am Bahnsteig, Zug im Hintergrund, zweites Bild als Nahaufnahme, Agat 18K, Kodak Color 200
Gespräch am Bahnsteig
Halbformat-Diptychon, Zielschilder mit kyrillischen Ortsnamen an einem mit Graffiti bemalten Zugwaggon, Agat 18K, Kodak Color 200
София, Пловдив, Карлово, Бургас, Варна
Halbformat-Diptychon, Bahnsteig mit Schriftzug Septemvri in Kyrillisch und Lateinisch, Bahnmitarbeiter im Gehen, Agat 18K, Kodak Color 200
Septemvri, vom Zugfenster aus

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1. November 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second
Farbfoto, Mann mit schwarzer Mütze und Zigarette steht vor einer grün-weiß-rot gestrichenen Hauswand mit zwei gerahmten Porträts, links bärtiger Mann mit Schriftzug, abgeplatzter Putz, Sofia, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second

Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora

Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)

Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann. 
Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora. 
Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)
Farbfoto, Rückenansicht einer Frau mit langem schwarzem Haar in rosa Kleid mit voluminösen Rüschenärmeln, glitzernde Handtasche in der Hand, roter Teppich, Gäste, Kinder und Kameramann bei einem Fest, rosa Luftballons, Stolipinowo, Plowdiw, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026