zwei gesichter kopfüber im wasser durch rotes netzmaterial fotografiert, verzerrte doppelbelichtung schwanensee-serie teil 2

SchwanenSee (2)

eine gemeinsame Fotoinszenierung von:

ALEXANDRA TCHERKASSOVA. 

MARTIN ZANOTTI. 

ANTJE KRÖGER




Mein Leben ist Widerspruch.
Leben in Widersprüchen.
Das Leben sind Widersprüche.
Meist bin ich warm.
Wenn ich will, kann ich auch so richtig, richtig kalt. Sogar mit ziemlicher Kältest-Lust.
Ich bin ein Wassertier.
Ich liebe das Feuerspiel.
Lachen (mit den anderen) ist Überlebens-Medizin.
Das Weinen (mit mir allein) die größte Kraftquelle.
Musik muss laut sein.
Die leisen Töne jedoch werfen den emotionalen Zerstörungsmodus an.
Immer gebraucht und zerlebt und erzählend.
Die technischen Raffinessen des Lebens aber müssen unbedingt mit einem jungfräulichen Buckel aufwarten.
Das Triumvirat der Farben, Rot und Weiß und Schwarz, verschlingend.
Beim Türkis oder Gelb als Lidschatten auf der Haut oder dem grünlichen Blau der Badelagune einen Liebreiz empfindend.
Süß und herzhaft getrennt.
Zwingende Vereinigung aber von Apfel, Mango, Pfirsich und Ananas mit dem Salz dieser Erde.
Auf der Suche nach dem moralischen Kompass auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite eine Freude am Abstieg in die Abgründe. Bereit, Türen zu öffnen, die die dunkelsten Kaschemmen sonst verschließen.
Angst vor dem Leben und dem Tod.
Die Menschen verzehrend, die keine ihrer Eigenschaften ihr eigen nennen.
Die Frau mit den vielen Eigenschaften.

liegende frau von oben im flachen uferwasser, arm nach oben gestreckt, luftperspektive schwanensee-serie teil 2, canon 6d
SchwanenSee (2)
dicke frau treibt mit ausgebreiteten armen im flachen wasser, netzstoff unter dem körper, ruhige wasserfotografie schwanensee teil 2
SchwanenSee (2)
zwei liegende körper im wasser umschlungen, rüschenhemd bedeckt gesicht, ruhevolle fotokomposition schwanensee teil 2, pentacon m42
SchwanenSee (2)
tänzer macht kopfstand über liegender dicker frau im wasser, akrobatische fotoinszenierung schwanensee teil 2, canon 6d
SchwanenSee (2)
tänzer zieht dicke frau am bein durchs wasser, kraftvolle bewegung schwanensee-serie teil 2, canon 6d pentacon
SchwanenSee (2)
tänzer schreit mit geöffnetem mund im wasser, hält hand der liegenden frau, dramatischer moment schwanensee-serie teil 2
SchwanenSee (2)
verschlungene körper von oben fotografiert im wasser, netzstoff um beine, luftaufnahme schwanensee-serie teil 2, canon 6d
SchwanenSee (2)
tänzer hält kopf der dicken frau fest, beide im wasser, spannungsgeladenes duo schwanensee teil 2, pentacon-objektiv
SchwanenSee (2)
dicke frau und tänzer lachend verschlungen im flachen wasser, körperbetonte fotoszene schwanensee-serie teil 2, canon 6d
SchwanenSee (2)
zwei gesichter aneinandergepresst unter rot-weißem netzstoff im wasser, surreale nahaufnahme schwanensee teil 2, pentacon m42
SchwanenSee (2)
zwei gesichter kopfüber im wasser durch rotes netzmaterial fotografiert, verzerrte doppelbelichtung schwanensee-serie teil 2
SchwanenSee (2)
zwei körper eng verschlungen unter wasser fotografiert, netzstoff treibt darüber, tiefenperspektive schwanensee-serie teil 2, pentacon m42
SchwanenSee (2)
tänzer beugt sich über liegende dicke frau im wasser, hand an ihrem hals, dramatische inszenierung schwanensee teil 2, canon 6d
SchwanenSee (2)
close-up rüschenhemd auf behaarter brust, fragmentarische detailaufnahme schwanensee-serie teil 2, canon 6d pentacon-objektiv m42
SchwanenSee (2)

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2 thoughts on “SchwanenSee (2)”

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5. August 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second
Farbfoto, Mann mit schwarzer Mütze und Zigarette steht vor einer grün-weiß-rot gestrichenen Hauswand mit zwei gerahmten Porträts, links bärtiger Mann mit Schriftzug, abgeplatzter Putz, Sofia, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Sofia second

Wieder mit dem Zug, diesmal dauert es fünf Stunden für schmale acht Euro. Diese Fahrt zieht sich ganz schön hin. Als der Zug in Sofia hineinfährt, finde ich es ganz schön, wie ein Zurückkommen, wie ein Ankommen, wie ein: Oh, das kenne ich hier schon. Das mag ich. Danach fahre ich mit der Metro in mein neues Hostel. Diesmal habe ich eine Herberge gebucht, die etwas weiter aus dem Zentrum heraus liegt. Ich will in eine andere Gegend, in einen anderen Stadtteil, will nicht im Zentrum sein. So bin ich in einem kleinen Hostel, einer Herberge zwischen Wohngebäuden gelandet, sehr ruhig, sehr wenige Gäste, sehr gut für meine Zwecke.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)
Die-Verteidiger-von-Stara-Zagora-brutalismus, Schwarzweißfoto mit sepiafarbenem Stich, Betonkreuz mit weißem Kreuzausschnitt über einem Hügel, dahinter das Soldatendenkmal mit Bajonetten, Kugellaterne, Nadelbäume, Vignettierung und körniger Himmel, abgelaufener Kodak Tri-X 400, Stara Zagora

Bulgarien (OKT 2026) – Stara Sagora (Stara Zagora)

Von Plowdiw weiter nach Stara Zagora oder Stara Sagora. Um den Namen korrekt auszusprechen oder zu verstehen, brauche ich eine Weile. Eine kleinere Stadt (120.000 Menschen zirka), rund 100 Kilometer von Plowdiw entfernt. Ziemlich unbeliebt bei Touristen. Eine Studentenstadt. Ich fahre mit dem Zug, zwei Stunden, vier Euro. Fühle mich gleich bahn-heimisch, denn ich sitze in einem alten ICE der Deutschen Bundesbahn. Die Zugfahrt ruckelt wieder so vor sich hin, ganz langsam. Alle Züge bisher aber pünktlich. Unterwegs gibt es sogar einen Halt mit einer Pause für die rauchenden Menschen. Die Zugfahrt ist sehr billig, aber auch sehr bummelig. Als Ausgleich habe ich eine nährende Aussicht auf Dörfer oder brutalistische Bahnhöfe beispielsweise, auf Strommasten mit Storchennestern, auf alte Ruinen, aus denen Schafe herauslaufen. Was ich aus dem Zugfenster sehe, ist entweder malerisch oder sozialistisch (verfallen). Das eine schließt das andere auch nicht aus. Heute denke ich mir, man könnte eine Zugfahrt auch so beschreiben: so viele Fotos, die nur meine Augen sehen und kein Apparat festhalten kann. 
Diesmal gönne ich mir ein Einzelzimmer in einem „Studio“ mit vielen Bauarbeitern, sehr ruhig, gleich hinter dem Bahnhof. Outside of the center, aber ich kann mit dem Bus ganz problemlos in die Stadt reinfahren. Das mache ich am nächsten Tag auch. Ich warte ganz brav an der ausgewiesenen Haltestelle, aber der Bus hält natürlich nicht dort, sondern 30 Meter entfernt. Der Fahrer winkt mir ganz wild zu und gestikuliert: Komm hierher zu mir. Er fragt mich sehr höflich, wo ich denn hin möchte, ich sage ins Zentrum. Als wir dort ankommen, ruft er durch den Bus: „Madame, wir sind im Zentrum. Sie können aussteigen.“ Schön. Ich bin angekommen in Stara Zagora. 
Warum bin ich überhaupt in Stara Zagora? Ich will Brutalismus. Brauche eine kleine Menschen-Auszeit. Am Rand der Stadt gibt es ein Memorial zum Gedenken an die Schlacht der Osmanen mit den Bulgaren (1877). Rund 14.000 bis 14.500 bulgarische Zivilisten kamen ums Leben, und tausende Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verkauft. Mein erstes Ziel. Das Samara Flag Monument. Nachdem die Sonne hochgekrabbelt ist, bin ich ganz alleine auf weiter Flur und kann die Größe und die ganze Brutalität genießen und auch den Ausblick auf die Stadt. All das ist möglich, nachdem ich die vielen (100) Treppen tapfer bezwungen habe. Ich fühle mich ganz winzig neben den riesigen Beton-Soldaten und der Betonfahne. Die Sonne wärmt so schön, dass ich eine ganze Weile bleibe… Den Rest des Tages verbringe ich im Zentrum. Ich führe ein paar kleine, nette Gespräche (treffe eine Romafamilie, die Jungs wollen mir unbedingt ihre Ohrringe zeigen), mache Fotos, suche weiteren Brutalismus und laufe. Ich laufe und laufe. Das merkt mein Körper am Abend und ist ganz erschöpft. Diese Stadt hat irgendeinen Charme, den ich nicht benennen kann. Ich bleibe zwei Nächte, dann zurück nach Sofia. In meiner Erinnerung wird Stara Zagora immer schwarz-weiß sein. Denn alle Fotos habe ich auf Film gemacht. Und der war monochrom.
1. November 2026
Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)
Farbfoto, Rückenansicht einer Frau mit langem schwarzem Haar in rosa Kleid mit voluminösen Rüschenärmeln, glitzernde Handtasche in der Hand, roter Teppich, Gäste, Kinder und Kameramann bei einem Fest, rosa Luftballons, Stolipinowo, Plowdiw, digital, Leica

Bulgarien (OKT 2026) – Plowdiw (Philippopel)

Ich fahre mit dem Zug, drei Stunden von Sofia nach Plowdiw. Die Sonne scheint. Der Zug ist alt, die Strecke ist alt, und der Zug fährt sehr langsam. Es gibt dieses wunderbare Sechserabteil ganz im dunklen Blau und verschiedene Momente mit Menschen, die sehr interessant und inspirierend sind. Leo spricht mich an. Er hat 16 Jahre in Münster gelebt und ist seit einem halben Jahr zurück in Sofia. Er möchte wieder in Bulgarien in seiner Heimat sein, auch wegen der Eltern und Freunde. Ich frage ihn, wie es ist, als schwuler Mann in Sofia zu leben. Er erzählt mir, dass es nicht so sicher ist wie in Deutschland, aber in der Hauptstadt eigentlich kein Problem darstellt. Wir reden eine Stunde lang. Als ich ankomme, stelle ich fest, dass dieser Bahnhof echt hübsch ist. Sonst ist der erste Eindruck eher durchschnittlich. Mein Hostel liegt in der Altstadt, und die Altstadt ist sehr touristisch. Es erinnert mich ein bisschen an Mostar in Bosnien. Das Hostel ist ganz pittoresk, ein ganz altes Gebäude, umgebaut, sehr charmant, aber auch mit sehr vielen Treppen. Wie ich überhaupt meinen Koffer in die Herberge bekommen hab, frage ich mich. Treppen, Berg, unbefestigte Straße, echt kein leichtes Ankommen. Am Abend schleppe ich mich noch kurz ins Zentrum und kaufe Wein, Snacks und Essen für die nächsten Tage ein. Wieder das böse Erwachen. Alles mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Fast alles aber auch importiert. Da stellt sich eine spannende Frage: Wo sind all die bulgarischen Produkte? Am Abend gönne ich mir tatsächlich einen Döner. Der ist ziemlich „fancy“. Lange Schlange. Aber auch sehr lecker. Mit meinem Bettnachbarn aus Großbritannien trinke ich mich in meinen Geburtstag hinein. Denn auch er hat noch Wein besorgt. Wein und politische Gespräche bis in meinen Geburtstag hinein.
1. November 2026