Schlafes Schwester
Posted by Antje Kröger Photographie on Feb. 20 2026, in Mensch
Linda und Dzevad Karahasan inspirierten mich zu dieser Serie. Und ich mich selbst. Weil ich „Schlaf" auf meinen Zettel mit den zehn Worten geschrieben hatte, als zehntes und damit letztes Wort. Aber eines nach dem anderen.
Linda, mit dem Gundermann-Namen oder wie von Muck besungen (Hey, kleine Linda), befragte mich während des letzten intensiven Fotoworkshops über den Schlaf, über meinen Schlaf. Zum ersten Mal dachte ich aktiv über mich und meine Beziehung zum Schlaf nach. Dabei ist er doch so existenziell, so schön, so liebevoll, so heilend, so kraftgebend, so träumend, so zauberhaft, so kommunizierend, so rätsellösend, so ordnend, so wichtig, für mich. Linda und ich führten ein Schlaf-Traum-Gespräch. Schon in diesem Augenblick wusste ich, dass ich das auch noch einmal mit mir allein und der Kamera wollte.
Und der Bosniake Karahasan lief mir nur wenige Tage später über den Weg. Er, der Melancholiker aus Sarajevo, der den Krieg überlebte, aber doch an gebrochenem Herzen starb. Dies würde er nie zugeben, bin ich mir sicher. Kann er auch gar nicht mehr. Denn in der Todeswelt ist es wie in der Traumwelt: Alles ist nur noch. Keine Zwänge. Kein Müssen. Sein Tod machte mich kurz traurig, obwohl er schon drei Jahre zurückliegt. Gerade erst hatte ich ihn getroffen – war verliebt in seine poetischen Worte, seinen solidarischen Blick auf die Welt und seine Gedankenfäden. Und dann: Tod. Ich musste kurz weinen und um ihn trauern. Ich werde ihn weiter kennenlernen. Über seine Bücher. Wenn sich die Zeit findet.
Als Kind nachtwandelte ich. Manchmal schaute ich aus dem Küchenfenster und sah Cowboys und Indianer vorbeiziehen. Oder ich machte mich nach dem Einschlafen auf den Weg zur Schule, im Nachthemdchen. Oder ich erschreckte meinen Papa mit dem Kissen, das ich ihm auf den Kopf legte, während er einen alten Schwarzweißfilm schaute. An die Indianer und Cowboys kann ich mich noch gut erinnern, die anderen Geschichten kenne ich nur aus Erzählungen.
Meine beste Freundin kannte mein Schlafverhalten immer besser als ich. Aber mittlerweile kann ich es auch gut einschätzen. Immer allein. Zur Wand gedreht, wenn ich im Problemlösungs-Modus bin. Das Bett darf niemals frei stehen. Viele Kissen brauche ich. Wenn mich das Leben ermüdet, brauche ich viel mehr Schlaf – ich stehe erst wieder auf, wenn ich spüre, dass ich bereit bin. Früher schrieb ich Briefe vor dem Einschlafen, meist an die Lieben. Wohl Tausende. Heute denke ich über die Kunst nach, über die Welt. Manchmal sammle ich Ideen, Ruhe brauche ich nicht, die überkommt mich immer von allein.
Und ich bin eine Träumerin. Früher hatte ich wiederkehrende Albträume. Einmal zum Beispiel war ich Anne Frank und wurde von den Nazis verfolgt, da war ich noch jung. Heute träume ich in alle Richtungen und ärgere mich oft, dass ich es nicht aufschreibe. Aber dazu bin ich einfach zu faul.












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