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Als sie damals zum ersten Mal ins Tiefland hinabstieg, wusste sie gar nichts von der Macht, die die Tiefe auf alles in der Zukunft Liegende haben würde. Als sie sich damals, von Rodin inspiriert, in Alighieris Hölle umschaute, ahnte sie noch nicht mal ansatzweise, dass die Angst in der ordinären Welt so viel lähmender und schmerzhafter sein konnte. Als sie wieder und wieder in den Raum des Rausches eintrat, erfuhr sie, wie heilend Abgründe und Fatalismus für den Körper, das Denken, das Aushalten des Angebunden-Seins waren.
Begehrenswertes Lost. Liebes Lost. Heilendes Lost. Kein Erstarren, kein Käfig, keine Wunden. Fluides Lost. Sicherheit durch die Unsicherheit. Schönheit durch den Mut des Fallens.
Lost in Lust. Der Atem am Anschlag.
Lost in Einsamkeit. Lost in Begegnung. Lost im Selbst.
Aufgeregter Atem.
Lost in Zeit. Sie zieht vorbei.
Lost in Trauer. Sehnsucht nach naiver Jugend.
Lost in rückwärts. Vorwärts. LOS (t).
Lost in schwülen Nächten. Lost in neuen Kräften. Lost in Sinn.
Als sie damals zum ersten Mal ins Tiefland abstieg, da, wo die Scheren stumpf waren, um Bänder zu zerschneiden, wusste sie noch nicht, dass dies ihr Zuhause war, sie ahnte es nur.

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10. Juli 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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26. August 2026
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rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
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nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

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Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
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Genäht dort, wo etwas heraus gestanzt wurde. Blutunterlaufen. Kreise bildend. Die großen Schrauben halten den Körper weiterhin zusammen. Da, wo das Licht hineindringt, kann der Schmerz nicht zu groß sein. Haut ist Grenze. Blut ist Sprache. Weich gegen hart. Metall gegen Haut. Scherben als Ganzes, der Unterschied als Leichtigkeit. Eine andere Naht versperrt den Mund, die Sprache, die Meinung, die Worte, die Menschlichkeit, die Moralnadel des Kompass.
14. August 2026