Zeitgenössische Fotokunst: Aktdarstellung mit Augenverband von Antje Kröger

Das Schweigen

Worte waren ihr Werkzeug.
Schon immer.
Nur ihre Intensität passte sich ihren Leben an.

Worte waren ihre Brücke zueinander.
Wie selbstverständlich gingen sie hinüber,
hörten, lasen die Melodien des anderen.

Worte waren ihre Lust, ihr Alltag,
ihr Weg in die Welt des anderen, der anderen.

Worte ließen sie aufhorchen.
Sie gingen nie aus.
Sie hallten nach, verletzten,
trugen über Trauer hinweg,
streichelten und nährten.

Auch die unausgesprochenen:
die stummen Worte kamen an,
verliehen Zauber und Angst.

Worte machten ihren Anfang
und wollten ihr Ende.
Worte erschraken.

Worte lösten geschlossene Verträge.
Worte wurden zu Waffen,
zu Unerträglichkeiten.

Worte sollten das Unbeschreibliche beschreiben.
Worte wurden benutzt.
Worte wurden beschmutzt.

Worte wollten nicht aufhören,
durch die Luft zu fliegen,
zwischen ihren Mündern.

Worte fanden ihren Weg.
Immer und immer wieder.

Worte wollten sein.

Das Schweigen ist nicht der richtige Weg,
Worte zu bändigen.
Das Schweigen ist nur jetzt notwendig.

Damit die Worte wieder kraftvoll fließen können.
Irgendwann.
In einer neuen Zeit.

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24. Dezember 2025

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026