Suspensorium – Nachklang
Posted by Antje Kröger Photographie on Apr. 12 2026, in Mensch
Meursault denkt: ob man jetzt stirbt oder erst in zwanzig Jahren, die Welt wird weitergehen, als sei nichts gewesen. Andere werden leben, als wäre das Sterben nur ein schmaler Fehler im System der Zeit. Früh oder spät: kein Unterschied, kein Trost, kein Sinn. Nur das unausweichliche Schweigen des Endes.
In der Todeszelle erkennt er die nackte Form des Daseins: da sein ist absurd, atmen ist absurd, hoffen ist absurd. Auch Angst, auch Trauer, auch Schmerz verlieren ihre Würde vor der Nähe des Todes. Und doch bewegt er sich noch. Er tanzt, obwohl das Ende längst unterschrieben ist. Er springt, obwohl die Erde sich schon ins Grab verwandelt. Er taumelt weiter, während die Vergänglichkeit Schritt für Schritt hinter ihm hergeht.
Das Leben ist nicht trotz des Todes absurd, sondern gerade wegen seiner sicheren Nähe. Und gerade diese Nähe ruft nicht zur Erstarrung, sondern zur hellen, schonungslosen Wachheit.








Epilog












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