Analoges Porträt einer Person hinter einem Sektglas, Filmsuppe Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig

Sonnenmond (Desiderium)

Diese Filmsuppe hatte sich ganz alleine angerührt. Eine Fujicolor Superia 1600-Filmrolle lag ungefähr 25 Jahre in meinem Kühlschrank. Vor einem Vierteljahr passierte dort eine kleine Havarie. Alle Filmrollen, die nicht gut genug verpackt waren, badeten in einer nicht näher zu bestimmenden Flüssigkeit und trockneten danach ein paar Wochen vor sich hin. Wow. Abgelaufener Film aus einer ganz anderen Zeit meines Lebens. Lange gehütet wie ein Schatz. Dann gebadet. Dann getrocknet. Dann belichtet. Dann selbst entwickelt. Sieh an, was das Material zusammen mit dem Licht für Farben zaubern kann. Ich bin berührt. Viel Licht brauchte der Film. Ich belichtete ihn (für alle Techniknerds) wie einen ISO 800-Film und pushte bei der Entwicklung noch einmal um eine Stufe. Hui. Das war ein leckeres Fest.

Porträt mit Sektglas in der Hand, grüne Filmsuppen-Töne, Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)

Frau Sonne. Herr Mond. Herr Sonne und Frau Mond. Zusammen ein Alles. Mann, Frau und Alles dazwischen. Gibt es das, das Alles? Zusammen?! Wenn Frau Sonne scheint, ist Herr Mond away, ist Frau Mond leuchtend, ist Herr Sonne verschwunden. Auf der anderen Seite, einfach immer Alles auf der anderen Seite. Wie ein wiederkehrender Fluch. Ich laufe gegen die Wand. Voll Karacho. Mein Kopf blutet nicht, aber der Zeigefinger. Ich lege mir das Blatt der kleinen Monstera auf die klaffende Wunde. Sie mag einfach nicht heilen. Ich sehne mich nach dem Alles. Mit dem Körper, mit dem Geist, mit den Fasern, mit den Gedanken, mit den Knochen, mit der Lust. Diese Sehnsucht, sie ist nicht nur eine Farbe. Sie ist das Rosa, das aus Wunden kommt. Das Gelb, das aus Erinnerungen kommt. Das Blau, das aus dem Warten kommt. Das Grün, das aus dem Überleben kommt. Alle Farben gleichzeitig, alle Farben übereinander, alle Farben durcheinander, wie Stimmen in einem Raum, in dem alle auf einmal von dem sprechen, was ihnen fehlt. Mir fehlt (das) Alles. Ich beginne, mich aufzulösen. Nicht plötzlich. Nicht dramatisch. Sondern so, wie Salz sich in Wasser auflöst, still und vollständig, ohne Rückkehr. Die Konturen gehen erst. Dann die Grenzen zwischen Haut und Farbe, zwischen Körper und Raum, zwischen dem, was ich war und dem, was die Sehnsucht aus mir gemacht hat. Meine Gefühle haben keine Form mehr, nur noch Temperatur. Heiß wie Rot. Kalt wie das Blau am Rand. Warm wie das Gelb, das aus dem Inneren kommt, als wäre dort noch immer etwas, das leuchtet. Ich kann (natürlich) noch leuchten, so wie Frau Sonne manchmal und Herr Mond im Vier-Viertel-Takt. Mir fehlt das Alles. Ich drehe mich zur Wand. Warum schützt sie mich nicht? Warum stützt sie mich nicht? Warum trennt sie mich von dem Alles?

Doppelbelichtungsporträt mit Kneifer, Fujicolor Superia 1600 Filmsuppe, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Analoges Porträt einer Person hinter einem Sektglas, Filmsuppe Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Rückenansicht einer Person mit hängendem Mondkugel-Objekt (Luftballon) und Tupfenmuster, Filmsuppe, Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Abstrakte Filmsuppen-Fotografie mit körperlichen Formen in Rosa und Gelb, Fujicolor Superia 1600, Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Gesicht zwischen Filmschichten mit Pflanzenmotiv, Fujicolor Superia 1600 Filmsuppe, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Analoges Seitenporträt mit Monstera-Blatt und roten Farbläufen, Filmsuppe Fujicolor Superia 1600, Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Porträt mit abstrakten Farbschichten und Filmrissen darunter, Fujicolor Superia 1600, Filmsuppe Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Körper mit großem Monstera-Blatt, kein Gesicht, Filmsuppe Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Porträt mit nach hinten geneigtem Kopf, Filmsuppe, Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Porträt mit Sonnen-Mond-Gesicht-Objekt, analoge Fotografie Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Porträt mit Mondgesicht-Objekt daneben, analoge Fotografie Filmsuppe, Fujicolor Superia 1600, Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Person mit Mondgesicht-Objekt auf dem Kopf, analoge Filmsuppen-Fotografie, Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Abstrakte Filmsuppen-Fotografie mit Schichtungen und Mondgesicht, Fujicolor Superia 1600, Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Abstrakte Filmsuppen-Fotografie mit organischen Formen und Mondgesicht, Fujicolor Superia 1600, Fotografin Leipzig
Sonnenmond (Desiderium)
Analoges Porträt eines liegenden Menschen mit Mondgesicht-Objekt, Filmsuppe, Fujicolor Superia 1600
Sonnenmond (Desiderium)

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20. März 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026