Alles beginnt mit dem, was nicht zu sehen ist. Was zu sehen ist, sieht jeder. Auf Blick Nummer Eins. Wer wahres Interesse hegt, der blickt tiefer. Spätestens mit Blick Nummer Zwei. Ihm oder ihr offenbart sich das, was ich andeute, manchmal auch deutlich mache. Es geht mir um eine Sichtbarmachung für diejenigen, die imstande sind, tiefer zu blicken.
“Wie heißt denn deine Puppe?”
Einfache Frage.
Die Antwort für mich selbst ernüchternd.
“Sie hat keinen Namen.” Danach Schweigen. Ich überlege.
War das schon immer so? Meine längste Begleiterin im Leben eine “madame without a name”?
In meinem Schlafzimmer sitzt noch eine original DDR-Babypuppe, nur ein paar Jahre jünger als der Lockenkopf. Ich weiß noch, sie kam an einem Weihnachtsfeste zu mir. Wie das Jesuskind. Sie blieb immer namenlos, auch. Vielleicht nannte ich sie “Baby”.
Die Welt ist im Krieg!
Im Kampf mit der größten Ressource. Im Kampf mit der größten Schwachstelle. Die Welt ist nicht genug, doch alles, was wir haben. Gestaltet nach unseren Vorstellungen – unseren Willen aufgezwungen. Sehenden Auges in die letzte Vorstellung? Der Vorhang senkt sich wider Willen, aber langsam doch, so what... lachend ins Verderben, alle auf Los und dann los! Kopfüber oder Knie in die Weichteile. Wir nehmen, was gegeben und wir krallen, was nicht niet- und nagelfest. Hauptsache viel, Hauptsache ich, Hauptsache frei. Meine Freiheit über allem. Mein Leben über allem und allen.
Unter den nackten Füßen. Hunderte Meter tief. Fossiles. Flammen. Fanal. Durch unserer Münder strömend. Ein unsichtbare Lebenselement – gespeist aus dem sich verdünnendem Blätterwald. Atme. Der Erstickungstod folgt später.
SCHMUCK + IMAGE // DAS GRASSI SCHMÜCKT – Antje als eine von 11 Fotograf*innen
Zum zweiten Mal das Grassimuseum in Leipzig für mich in diesem Jahr, nach der Ausstellung "ANALOG TOTAL_FOTOGRAFIE HEUTE". Eine von elf Fotograf*innen war ich, die den Schmuck des Grassis mit Menschen zusammengebrachte. Letzte Woche begann die Ausstellung. Es war fulminant. Der Schmuck eine Augenweide. Und die Fotos dazu, leuchtend groß, eine wunderbare Ergänzung. Ich durfte sowohl Kuratorin Silvia Gaetti als auch den Leipziger Künstler Thomas Moecker, der diese Ausstellung gestaltet hat, zusammen mit dem sehr besonderen Geschmeide fotografieren. Außerdem habe ich die Museumspädagogin Ute Thieme mit dem Autorenschmuck porträtiert. Besonders mag ich auch den Katalog mit noch so viel mehr Fotografien. Froh bin ich sehr, dass ich ein Teil dieses Projektes sein durfte!
ZEITENWUNDE // Eine Trilogie zum Krieg in der UKRAINE
Nachdem der Krieg in der Ukraine begann, sammelte ich Material über Material: Worte, Bilder, Symbole. Erst nur, damit ich nichts vergesse würde. Schnell aber merkte ich, dass ich damit auch künstlerisch etwas anfangen und ausdrücken wollte. Und so verwandelte ich eines Tages (dies ist nun schon ein paar Wochen her) mein Atelier in einen Raum voller Krieg, Russland & Ukraine. Fast alle Dinge, die zu sehen sind, habe ich erstanden in der Ukraine oder Russland oder dort eingesammelt oder sie sind Geschenke aus diesen Breiten oder ein Rückblick auf meine DDR-Kindheit, in der die Sowjetunion auch mein großer Bruder war.
Ein warmer August-Tag, eine überteuerte Taxifahrt, zwei Friedhöfe, eine Suche nach des Großmutters Grab und sechs Schläfenlocken Die Dichterstadt Czernowitz gehörte erst zur österreichisch-ungarischen k.u. k.-Monarchie, dann zu Rumänien und zur Sowjetunion. Deswegen war ich in diese Stadt gekommen: Der alte, jüdische Friedhof von Czernowitz, 1866 eröffnet. Derzeit zählt er ungefähr 55 000 Gräber. Die […]
Ende März 2022Ich muss die Arbeit an dieser Reisereportage dringend abschließen. Zu viel passiert Stunde um Stunde, Tag um Tag. Marina Weisband sagte die Tage, wenn es so weitergehen würde, sei die Existenz der Ukraine bedroht und nächsten Winter gäbe es dieses Land nicht mehr. Unglaublich. Nicht zu glauben. Schon jetzt gibt es Orte im […]
Warum habe ich diese alten Schätzchen ausgegraben? (Habe übrigens nur mein digitales Werk von dieser Reise gefunden, erst einmal. Die Negativstreifen werde ich im Archiv suchen, dazu muss ich länger abtauchen.) Warum das Zeigen dieser Fotos in diesem Augenblick des Weltgeschehens? Schließlich liegt die Reise fast 18 Jahre zurück. Aber ich erinnerte mich dieser Tage […]
Destrudo // 101 Spaziergänge auf dem Leipziger Ostfriedhof
Mit Sonne auf meinen Schultern 101 mal gelogen. Übertrieben. Gefühlt nur. Nur einmal mit dem analogen Fotoapparat eingefangen. Bisher. Bisher nur begangen, beschaut, befühlt, betreten, beobachtet. Bewegt, beschwingt. Bedächtig. Bewegung ins Spiel gebracht. Die Welt zu weit in der Welt. Statische Mauern innen drinnen abgerissen, das Außen schmilzt zeitlupisch. Abgestützte Grabplatten, das Konterfei eines Sowjets, […]