Das dünne Mädchen entdeckte die kleinen Wasserfontänen in der Nähe des Zaunes als Erste. Das Einöden-Eckhaus versprühte das kostbare Gut über den kurzen, grünen Rasen. Das dicke Mädchen folgte ihrer Freundin. Sie wuschen sich ihre staubigschwarzen Hände in den schmalen Strahlen. Danach sammelten sie das Nass in ihren Handkrügen und führten diese zu ihren gierigen, ausgetrockneten Mündern. Dick und Dünn quälte der Durst. Die vergangenen Stunden verbrachten die Mädchen zusammen in den sengenden Sonnen-Schatten der ehemaligen Einöden-Fabrik. Der Schornstein thronte dabei über ihrem Spiel.
Prag (Juni 2022) – Ein Käfig ging einen Vogel suchen
„Sie sind ein Deutscher, nicht wahr?«»Ja«, sagte Karl, »Ich bin noch nicht lange in Amerika.«»Woher sind Sie denn?«»Aus Prag in Böhmen«, sagte Karl.»Sehen Sie einmal an«, rief die Oberköchin in einem stark englisch betonten Deutsch und hob fast die Arme, »dann sind wir ja Landsleute, ich heiße Grete Mitzelbach und bin aus Wien. Und Prag […]
Manchmal ziehen Fischchen ihre Kreise ziemlich weit, zum Laichen legen sie nämlich Kilometer um Kilometer zurück. Der Schwarm bewegt sich, immer. Macht Strecke. Keine Energie rausnehmen, mit Volldampf voraus. Wer steht, der geht. Oder so ähnlich. Auch meine Fischchen haben eine interessante und lange Reise hinter sich. Nicht zum Laichen sind sie nach Mitteldeutschland gekommen. Nein. Nur auf Wunsch einer einzigen Dame. Weil sie sich in dieser kleinen August-Mittagsgasse Camoglis schockverliebte in diese herrlichen Tierchen.
Alles beginnt mit dem, was nicht zu sehen ist. Was zu sehen ist, sieht jeder. Auf Blick Nummer Eins. Wer wahres Interesse hegt, der blickt tiefer. Spätestens mit Blick Nummer Zwei. Ihm oder ihr offenbart sich das, was ich andeute, manchmal auch deutlich mache. Es geht mir um eine Sichtbarmachung für diejenigen, die imstande sind, tiefer zu blicken.
“Wie heißt denn deine Puppe?”
Einfache Frage.
Die Antwort für mich selbst ernüchternd.
“Sie hat keinen Namen.” Danach Schweigen. Ich überlege.
War das schon immer so? Meine längste Begleiterin im Leben eine “madame without a name”?
In meinem Schlafzimmer sitzt noch eine original DDR-Babypuppe, nur ein paar Jahre jünger als der Lockenkopf. Ich weiß noch, sie kam an einem Weihnachtsfeste zu mir. Wie das Jesuskind. Sie blieb immer namenlos, auch. Vielleicht nannte ich sie “Baby”.
Die Welt ist im Krieg!
Im Kampf mit der größten Ressource. Im Kampf mit der größten Schwachstelle. Die Welt ist nicht genug, doch alles, was wir haben. Gestaltet nach unseren Vorstellungen – unseren Willen aufgezwungen. Sehenden Auges in die letzte Vorstellung? Der Vorhang senkt sich wider Willen, aber langsam doch, so what... lachend ins Verderben, alle auf Los und dann los! Kopfüber oder Knie in die Weichteile. Wir nehmen, was gegeben und wir krallen, was nicht niet- und nagelfest. Hauptsache viel, Hauptsache ich, Hauptsache frei. Meine Freiheit über allem. Mein Leben über allem und allen.
Unter den nackten Füßen. Hunderte Meter tief. Fossiles. Flammen. Fanal. Durch unserer Münder strömend. Ein unsichtbare Lebenselement – gespeist aus dem sich verdünnendem Blätterwald. Atme. Der Erstickungstod folgt später.
SCHMUCK + IMAGE // DAS GRASSI SCHMÜCKT - Antje als eine von 11 Fotograf*innen
Zum zweiten Mal das Grassimuseum in Leipzig für mich in diesem Jahr, nach der Ausstellung "ANALOG TOTAL_FOTOGRAFIE HEUTE". Eine von elf Fotograf*innen war ich, die den Schmuck des Grassis mit Menschen zusammengebrachte. Letzte Woche begann die Ausstellung. Es war fulminant. Der Schmuck eine Augenweide. Und die Fotos dazu, leuchtend groß, eine wunderbare Ergänzung. Ich durfte sowohl Kuratorin Silvia Gaetti als auch den Leipziger Künstler Thomas Moecker, der diese Ausstellung gestaltet hat, zusammen mit dem sehr besonderen Geschmeide fotografieren. Außerdem habe ich die Museumspädagogin Ute Thieme mit dem Autorenschmuck porträtiert. Besonders mag ich auch den Katalog mit noch so viel mehr Fotografien. Froh bin ich sehr, dass ich ein Teil dieses Projektes sein durfte!
ZEITENWUNDE // Eine Trilogie zum Krieg in der UKRAINE
Nachdem der Krieg in der Ukraine begann, sammelte ich Material über Material: Worte, Bilder, Symbole. Erst nur, damit ich nichts vergesse würde. Schnell aber merkte ich, dass ich damit auch künstlerisch etwas anfangen und ausdrücken wollte. Und so verwandelte ich eines Tages (dies ist nun schon ein paar Wochen her) mein Atelier in einen Raum voller Krieg, Russland & Ukraine. Fast alle Dinge, die zu sehen sind, habe ich erstanden in der Ukraine oder Russland oder dort eingesammelt oder sie sind Geschenke aus diesen Breiten oder ein Rückblick auf meine DDR-Kindheit, in der die Sowjetunion auch mein großer Bruder war.
Ein warmer August-Tag, eine überteuerte Taxifahrt, zwei Friedhöfe, eine Suche nach des Großmutters Grab und sechs Schläfenlocken Die Dichterstadt Czernowitz gehörte erst zur österreichisch-ungarischen k.u. k.-Monarchie, dann zu Rumänien und zur Sowjetunion. Deswegen war ich in diese Stadt gekommen: Der alte, jüdische Friedhof von Czernowitz, 1866 eröffnet. Derzeit zählt er ungefähr 55 000 Gräber. Die […]