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Synthesia
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Synthesia

Im Raum der zeitverschlungenen Daseinsformen, gefangen zwischen Leben und Vergänglichkeit, manifestieren sich zwei Kreaturen, aus unterschiedlichen Brunnen geklettert. Der eine, ein männlicher Schatten, der die Kühle der Sachlichkeit in seinen Adern trägt. Sein Antlitz in greller Schärfe erzählt stolz von vergangenen Schlachten und zerrissenen Träumen. Sein Leib, von Krieg gezeichnet, gleicht einem Messer, scharf und dünn, das die Grenzen seiner Existenz zu durchdringen scheint. Seine Wunden, stolz zur Schau getragen, sind das Echo eines vergangenen Grauens, das ihn mit jedem Atemzug zu verschlingen droht.
24. Mai 2023
Der Matrone Klagegesang
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Der Matrone Klagegesang

Sie hängt an der Leine: Mein mechanischer Schnur-Auslöser sorgt dafür, dass ich mit meiner geliebten DDR-Großformatkamera meine geliebten Papiernegative auf 13x18 Zentimetern aufnehmen und dabei selbst in den fotografischen Raum treten kann, den ich gerade erschaffen habe. Alle Fotografien sind um die 10 Sekunden belichtet. Ich bin schon sehr erstaunt, wie still ich doch halten kann. Dieser Prozess ähnelt mehr dem Modellstehen vor der Malereiklasse als der Fotografie. Doch die Magic in der Dunkelkammer, wenn jedes Papier das Negativ freigibt und später noch einmal eine ähnliche Magic, wenn der Scanner aus dem Negativ das fertige Bild spuckt, ist anders als Bleistift oder Pinsel auf Papier.
14. Mai 2023
Zerrspiegelte Zeit
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Zerrspiegelte Zeit

Das Jahr 1923 bringt so viele Überraschungen mit sich, dass ich immer wieder gleite von jetzt nach damals und versinke in der anderen Zeit. Überall auf der Welt passieren Unglaublichkeiten, denen eine Recherche zusteht. Doch meine Zeit ist begrenzt. Meine bisherigen 1923-Reminiszenzen: Zu Lebzeiten schillerte der Pharao eher grau, im Tode vergoldete sich sein Sein. […]
26. April 2023
Rotäuglein
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Rotäuglein

Du brauchst den Lippenstift nicht wegwischen, denn du hattest keinen aufgetragen. Du musst das Kapuzen-Mäntelchen nicht abstreifen, denn du hattest nie eines an. Du musst den Apfel nicht ausspucken, denn du probiertest niemals von der Frucht. Dein Sein ist abgründig. Dein Sein ist schattenreich. Dein Sein ist eine Ansammlung der Dinge, die alle anderen bereits vergessen haben, weil sie verstörend wirken. Schattenrot über blauem Pierrot. Dein imaginärer Begleiter. Zusammen seid ihr Violetta. Mystisch, magisch, extravagant. Lila im Volxmund, aber das klingt zu banal. Vio meine Vio. Streifend durch das gelb gepunktete Grün. Schatten schmeckend. Schattengeborene. Die das Licht bricht.
24. April 2023
Wald(krieg)Frieden
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Wald(krieg)Frieden

Da gibt es Räume, die füllen einem das Herz. Da gibt es Räume, die erinnern einen an erfüllende Lebens-Zeiten. Da gibt es Räume, die richten den inneren Kompass auf Frieden aus. Solche Räume braucht wohl jedes Geschöpf. Dabei spielt es gar keine Rolle, wie breit, lang, hoch dieser Raum ist. Wichtig ist nur dieses Gefühl von Fülle, von Zufriedenheit für den Moment. Diese Art von Raum kenne ich. Für mich existiert er an verschiedenen Orten auf dem Planeten. Dieser Ort kann durch sich selbst heraus strahlen oder er ist eine Melange aus geografischen Koordinaten und Mensch. Immer, wenn ich solch einen Raum betrete, schreit das Ich nicht mehr nach einem Mehr, sondern ist mit dem Status Quo zufrieden. Kein Verlangen nach Zukunft. Nach Außen-Raum-Kommunikation. Sein in Zeit und Raum, mit Körper, Geist und allem andren, das mich so ausmacht.
19. April 2023
Schönheit: Manifestation der Seele
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Schönheit: Manifestation der Seele

Neulich bekam ich einen großen Schreck. Eine Fotografin wurde auf Instagram mit ihrem Account gesperrt. Für immer. Keine Erklärung. 2000 Follower weg. Was macht das mit einer Künstlerin? Welche Auswirkung hat dies für Frau, die Instagram nicht aus persönlichem Vergnügen betreibt, sondern vorrangig, um "sich zu vermarkten". Wie abhängig sind wir von Systemen, die wir nicht mehr blicken können, weil kein Support, kein "sich-in-die-Karten-schauen-lassen" usw. ? "Sie haben gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen." Entweder spielen wir mit, um diese "kostenlosen" sozialen Medien, wie sie sich in unseren Sprachgebrauch eingenistet haben, zu benutzen oder wir sind in ständiger Gefahr, den Account zu verlieren. Diese Applikationen, denn dies sind sie ja nun, nicht mehr, nicht weniger, gehören privaten Unternehmungen aus Amerika oder China. Und mit ihrer Nutzung fügen wir uns den Forderungen, die nicht politisch festgelegt werden, sondern rein privat. Bei Instagram und Facebook, die dem Metakonzern gehören, ist dies zum Beispiel dieser Paragraf zum Thema Nacktheit (folgt). Dieser betrifft nämlich auch mich und meine nackten Inhalte, weil ich diese einfach nicht zeigen darf. Ich muss explizite Körperstellen digital verdecken. Da ich darauf keine Lust mehr habe, werde ich meine nackte Kunst hier auf meinem Blog zeigen und Instagram und Co. vielmehr als Ankündigungsmaschinerie "benutzen", denn auch ich wurde schon gesperrt und gemahnt.
10. April 2023
Harmonie des Übergangs
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Harmonie des Übergangs

Der Wechsel der Jahre. Immer, wenn wir uns begegnen, ist eine Zeit vergangen. Das bringt Zeit so mit sich. Nichts bleibt. Alles im Fluss, das wusste schon Heraklit. Nur haben wir so eine Angewohnheit als Spezies, nach hinten oder vorne zu schauen. Wir treffen aufeinander. Und sprechen über das Damals bis zum Jetzt. Und das wieder und wieder. Mit allen Beteiligten unseres Lebens. So entsteht ein Denken und Fühlen und Leben in Phasen. Alles wird in Phasen betrachtet, bemessen und bewertet. Kaum ist das Sein im Jetzt möglich. Und auch nicht zu verstehen, wahrscheinlich.
8. April 2023
Varitustruktion
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Varitustruktion

Mir erschien die überdimensioniert große Schnecke im Traume. Sie hatte sich aufgemacht aus ihrem Glaspalast. Den Deckel beiseite geschoben. Schleimiger Weg zu mir ins Schlafzimmer. Ihr Kalziumkarbonat-Haus passte kaum durch die Türen. Das schleifige Geräusch drang an meine Schlafohren. Während sie zu mir kroch, kaute sie genüsslich auf ihrem Blatt herum und schiss gleichzeitig das Verdaute wieder hinaus. Das Getier hinterließ eine Spur aus Sekret, Fäkalien, Abrieb des Gehäuses. Mich schüttelte es im Traum. Es war klar, den Besuch der Todesschnecke würde ich nicht überleben. Genauso kam es. Nur noch Fetzen meines Traumes sind mir in Erinnerung. Die Schnecke legte sich wie der Mantel des Todes auf meinen nackten Körper. Der Mantel war schwer. Doch ich wurde nicht erdrückt, zerdrückt. Nein. Ich ertrank im Schleim der Kriechenden. Sie nässte mich komplett ein. Erst schluckte ich noch, dann verschluckte ich mich, schließlich ging ich unter und riss dabei die Augen ganz weit auf …
4. April 2023
Miss Spring im /sprɪŋ/
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Miss Spring im /sprɪŋ/

Sie ist Künstlerin. Auch ihr Körper ist politisch. Sie ist Frau, qua Geburt und auch sozial. Mit aller Selbstverständlichkeit. Sie durfte studieren, musste aber immer von ihrem Werk und durch ihr Schaffen leben. Das war und ist nicht immer easy peasy. Auch sie liebt den Rausch. Im Jahr 2023 beschäftigt sie sich mit dem Jahr 1923. Sie begegnete Gluck. Beschäftigt sich zusätzlich mit Raum, Material, Bedeutungsebenen, Ihre Kunst besteht aus Schichten. Menschlichen. Materiellen. Symbolischen. Diese trägt sie auf. Manchmal langsam und unregelmäßig, dann wieder schnell und überbordend. Sie mag, wenn alles mit allem zu tun hat, ineinander übergeht oder verschwimmt. Sie mixt und remixt. Sie mischt, dreht um, überrascht sich selbst. Sie sammelt Material auf der Straße, klaut Blumen auf Friedhöfen und von öffentlichen Rabatten, lässt sich mit Ausrangiertem beschenken. Nichts in ihrer Kunst geschieht ohne Grund.
3. April 2023
Ich-Zerfall Part II
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Ich-Zerfall Part II

ICH habe das Gefühl, ICH möchte etwas sagen beziehungsweise schreiben. Um meine Aussagen zu bündeln, geschieht es an dieser Stelle und nicht in den sozialen Medien. In den vergangenen Wochen geschahen verschiedene Ereignisse, die zu diesem Wortausbruch führen. Im Grunde kreisten diese Ereignisse immer um ähnliche Themen. Was ist Kunst? Was kann Kunst? Was darf Kunst? Wie gehe ich als Rezipient*in mit Kunst um? Wie stehe ich als Künstlerin zu alledem? ICH gebe hier jetzt keine abschließenden Schlüsse und Gedanken, sondern nur das wieder, was mein sogenannter Status Quo ist. Auch ich entwickle mich weiter oder sehe das ein oder andere demnächst vielleicht anders. Dies soll auch kein Vorwurf sein an die Menschen, die mit dem Ausbruch der Worte verquickt sind. Im Gegenteil. Ihr helft mir, klarer zu werden. Und ihr helft mir vor allem darin, auch klarer das zu kommunizieren, was für mich sowieso klar ist! Aber eines nach dem anderen …
29. März 2023