Sehen umfasst nicht nur die Fähigkeit, elektromagnetische Wellen zu registrieren, sondern auch die, auf diese Wellen zu reagieren. Die Stäbchen und Zapfen in unserer Netzhaut nehmen den Lichtreiz wahr, leiten diese Information zum Gehirn weiter, und wir reagieren auf die Information. Auch Pflanzen können das visuelle Signal in physiologisch erkennbare Instruktionen übersetzen.
Bosnien und Herzegowina: Sarajevo und Mostar (April 2022)
Den Frühling 2022 verbrachte ich in Bosnien und Herzegowina. Dort wollte ich schon lange mal gewesen sein. Einer meiner längsten und besten Freunde ist dort verwurzelt. Also kannte ich Geschichten um Geschichten aus diesem Strich Land. Und den Wunsch, immer und überall eine Ćevapčići-Bude aufzumachen. Was soll ich sagen? Es war eine so gute Zeit! Ich wohnte in Sarajevo auf einem Berg und die abendliche Heimkehr hatte immer etwas von einem letzten Erklimmen. Ich reiste nach Mostar, nach Potočari, Srebrenica, Ilidža. Und ich fotografierte auch auf der Straße häufig auf analogem Filmmaterial.
In Sarajevo lernte ich eine wunderbare Frau kennen. Jasmina (74). Wir verbrachten mehrere Tage miteinander und reisten zusammen nach Mostar. Durch Jasmina habe ich viel gelernt über den Balkan, die Kriege und das Attentat, denn ihr Vater war ein Historiker, der ein Buch darüber verfasste.
Republika Srpska (Potočari, Gedenkstätte Srebrenica)
Als ich im Frühling 2022 nach Sarajevo reiste, plante ich auch einen Besuch in Srebrenica bzw. der Gedenkstätte Potočari fest in mein Reisevorhaben ein. Das stellte sich aber als gar nicht so einfach heraus. Es gab von der Hauptstadt Bosniens keine Verbindungen mit Bus oder Zug an diese „Schreckensorte“. Mein Vermieter riet mir deshalb, eine begleitete Tour zu buchen. Gesagt, getan. Auch wenn ich solche „festen“ Reisen schwierig finde für mich und mein freies, neugieriges Auge.
Das Ziel ist die große Pose. Melancholische Heiterkeit. Statuenhafte Haltungen. Verzerrungen und Schmeichelei. Der Einstieg ins Reich der Süße durch den grauen Schlamm der Weltgeltung. Sonne brennt, das Viehzeug versteckt im Geäst, die Wasseroberfläche verdächtig still. Keine Woge, nicht eine. Blubbernder Morast. Die untere Welt will emporsteigen. Doch das gleißende Licht hindert sie daran. Es brennt Wunden in die Ober-Haut. Kleine Male, die langsam größer werden. Der Schmerz gräbt sich tiefer.
Wie beschreibt sie sich selbst? Sie sagt, sie sei eine kluge, große, schöne, dicke Frau in einem alterslosen Körper. Alterslos, weil sie es so will. Die Gedanken sind frei, und Kunst darf sowieso alles! Sie sagt niemals über sich, sie sei korpulent, sie sei mollig, sie sei mehrgewichtig, sie sei fett, sie sei dick-fett, adipös oder fettleibig und was es da noch alles für Wortungetüme gibt. Schlimmer wird es noch mit den Monstern, wenn sie sich in der englischen Sprache umschaut. Body-positiv, Fat-positiv, Plus-Size …
Meine Großformatkamera heißt: Studiokamera Mentor (13 x 18 cm) und wurde zwischen 1966 und 1970 in der DDR hergestellt. Mit ihr fotografiere ich direkt auf analogem Fotopapier. Diese Kamera war im wahrsten Sinne meine Mentorin. Hat mich gelehrt, mich zum Schwitzen gebracht, mich immer wieder dazu gezwungen, regelmäßig zu üben. Eine fantastische Lehrerin, die Kamera. Ich eine wissbegierige Schülerin!
Sie wurde keine 30 Jahre alt. Starb ausgezehrt, verarmt, unverstanden. Die Anita. Die Berber. In Berlin kannte & kennt jeder und jede sie, der einem wilden Nachtleben frönt. Dort findet sie statt, auch heute noch. Was ist los in Leipzig? Dort wurde das erste It-Girl der Nation schließlich geboren. Seitdem ich im Jahre 1923 festhänge, geistert die Dame in meinem Kopf herum.
Sie ist ein Sommerkind, obwohl geboren im Herbste. Sie ist ein Sommerkind, obwohl die Drüsen schwitzen und die Fesseln anschwellen. Sie ist ein Sommerkind, obwohl die Nächte sind auf-wühlend.
Heute war sie schon sehr früh am geliebten Wasser-Platz. Ihr ging durch den Kopf: 'Einen Herzensspot verrät mensch einfach nicht, same procedure wie mit des Zauberers Tricks.' Aber nicht alle kennen diese Regeln, oder halten sich nicht gerne an elementare Lebensgrundlagen. Anders konnte sie sich die vielen Karren nicht erklären an diesem Geheimörtchen. Wildes Parken. Heißes Autoblech unter Sommerlaub. Schade. Sie hätte ihren ersten Kaffee an diesem SonnenSonnTag gerne alleine mit den Fröschen zu sich genommen, mit den Erinnerungen an die Seetage ihrer Kindheit. Damals war sie naiv-klndlich-glücklich. Wichtig waren nur genügend Essen, das Federballspiel und die stundenlangen Wasserspiele, zufriedenes Mädchen im Schoße der Familie.
Das venusianische Ballett, ein Traum im Zwielicht, in dem Grenzen verschwimmen und das Licht im Dunkel bricht. Unsere Venussen tanzen auf unsichtbarem Parkett, in einer Welt, in der die Wahrheit niemals Oberhand gewinnt. Im Labyrinth der Existenz verirren sie sich, ihre Seelen gefangen in einem endlosen Strich. Eine Prinzessinengruppe, drei gleiche ohne Gleichen, versunken in einem Strudel von Liebe und Leiden. Die Blühende, Versehrte, die Befangene in Schmerz, die Pflanzliche, Schmerzhafte, die Durchlässige im Herz. Die Natur, der Krieg, die See in ewigem Streit, die Weh-Nussen gefangen in ihrer eigenen Zeit.
oder // Der süße Schlaf auf der Moosdecke Dann also liege ich unter dem Moos, oben auf der eingebrachten Beute, umflossen von Blut und Fleischsäften, und könnte den ersehnten Schlaf zu schlafen beginnen. Nichts stört mich, niemand ist mir gefolgt, über dem Moos scheint es, wenigstens bis jetzt, ruhig zu sein, und selbst wenn es […]