vogelmaedchen_antjekroeger

Die Vogelmädchen

„Gäbe es keine Vögel in der Welt, würde ich sie vermissen, auch wenn ich mich um ihre Vielfalt und Lebensweise bisher nicht sonderlich gekümmert habe, was mir jetzt, da ich wegen meiner Krähen über sie nachdenke, als ein wirkliches Versäumnis erscheint. Denn eigentlich verkörpern die Vögel alles, was uns schön und edel erscheint: Grazie, Zartheit, Eleganz, Kraft, Eigensinn, Kühnheit, Skurriles wie Erhabenes. Vor allem aber Freiheit. Vielleicht könnte man sagen, dass Vögel die Künstler unter den Tieren sind. Sie können singen, tanzen, Gärten anlegen, Menschenstimmen und Handytöne nachahmen, in bestaunenswerten Choreographien Himmelsbilder zaubern, sie können ganz nach Belieben mit uns auf der Erde leben, aufpicken, was sie brauchen, und sich entziehen, sobald wir ihnen zu nahe kommen, wohin nur unsere neidvollen Blicke und die Kugeln schießwütiger Barbaren ihnen folgen können. Vögel im Käfig sind ein unerträglicher Anblick.“

Auszug aus: Monika Maron. „Krähengekrächz.“

ich traf die mädchen auf dem fundament des herbstes. des herbstes, der sommer vorgaukelt und doch herbst ist. des herbstes, der seine blätter und früchte zu boden schickt, der der die nacht immer früher einläutet, der der gänsehaut auf menschliche haut tätowiert. die beiden gaben sich ausgelassen. diese mädchen. spielend und frech. diese wesen. beileibe – lolitas waren sie nicht mehr. das leben hatte sie reifen lassen. dennoch mädchen, mit haut und haaren oder besser mit all ihrem gefieder. ihre schnäbel schwatzten heraus, was nicht drinnen bleiben konnte, freundschaft, fantasie, fingerspitzengefühl. ihre körper flogen, bogen und schoben sich. sie kreischten leise, sie kreischten sich pronto in mein herz. sanft und hart. spielten sie mit ihren freundinnen aus der vogelschar. irgendwann war genug gespielt, geneckt, geherzt – die vogelmädchen griffen zu den stäben und überraschten mich mit ihrem schauspiel. schau hin, schau hin, krächzten sie nun nicht mehr so leise…


vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen
vogelmaedchen_antjekroeger
Die Vogelmädchen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

4. Oktober 2021

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

Latest

Piroska (Zweie)
rotkäppchen wald zweig berühren weidenkorb boden, rotes cape kapuze, inszenierte märchenfotografie piroska

Piroska (Zweie)

Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
4. Oktober 2026
Piroska (Einse)
rotkäppchen haarbürste neonlicht wald, geschlossene augen, inszenierte fotografie piroska selbstfürsorge

Piroska (Einse)

Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.
4. Oktober 2026
FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)
selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)

ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026