Zwischen Himmel und Haut-analoge fotokunst-antjekroeger

Zwischen Himmel und Haut

Das Leben fliegt Schleifen. Diese Schleifen dehnen sich wie ein zerbrechlicher, schon leicht vergilbter Schleier im Resonanzraum Körper aus. Das Wurzelgeflecht, aus dem wir einst erwuchsen, kämpft sich durch das Fleisch hinauf bis zu dem einen Himmel und sprießt weiter, immer weiter. Wie das Töpfchen mit dem Brei in diesem Märchen. Eine Unerschöpflichkeit. Über den Tod hinaus, wenn es denn sein muss. Geflechte bilden Nester. Nester als temporäre Behausungen. Die Vögelchen sonnen sich auf der Balkonbalustrade ihre dicken Bäuchlein. Sie piepen und schnattern, ihre Aufgeregtheit ob des nahenden Winters und ihrer Suche nach neuen Quartieren ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Ihre Flügel sehen gesund aus, auf den ersten Blick. Wie oft waren sie denn schon gebrochen? Welchen Schmerz sendet solch ein Bruch aus? Ist das Sendebedürfnis dieses Schmerzes denn auch wieder vorbei, irgendwann? Brüchige Schleifen. Niedrige Flughöhe. Auftrieb. Segelflug. Der Sonne entgegen. Dreckiges Gefieder. Blendenflecke.

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Zwischen Himmel und Haut

Selbstporträts eine Herausforderung? Immer! Was will ich zeigen? Wie will ich mich zeigen? Was darf ich zeigen? Über welche Grenzen setze ich mich hinweg? Wo sind meine Grenzen? Welchen Blick habe ich auf mich? Wer schaut mich an? Mit welchem Blick? Mitunter können viele Fragen auftauchen. Oft stelle ich mir diese Fragen aber nicht. Die Kamera und die Kunst geben mir diese Kraft, die nicht fragen muss. Ich mag es, vor der Kamera zu SEIN. Ich mag, wie sie auf mich blickt, ohne Wertung und Einordnung. Alles ist möglich. Alles will. Alles darf. Alles muss. Die Herausforderung ist der Prozess. Die Belichtung. Die Auswahl des Ausschnitts. Schärfe. Auslösung. Mit einem analogen Fotoapparat noch eine Ebene an Herausforderung mehr, keine Überprüfung möglich. Großes Vertrauen in mein Wissen um Handwerk nötig. Und endlich: mein Körper und ICH werden zum Marmor. Schaffende und ihre Muse in einer Person. Kein Seitenwechsel möglich. Viel Arbeit steckt im Prozess des Loslassens. Die Regisseurin und Kamerafrau muss zur Darstellerin, zur Performerin transformieren. Rationalität schwindet, Emotion wächst. Dem Zufall wird Raum gegeben. Es möchte passieren. Alles fließt. Das Licht bestimmt die Richtung. Herausforderung ja. Aber so viel Kommunikation mit dem Ich, so viel Reflexion, so viel Selbstliebe … wie kaum in einem anderen Lebensmoment.


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Zwischen Himmel und Haut

Zusammen durchflogen zwei Vögelchen diese Welt, vorgesehen war einmal mehr ausFLUG, aber die Welt spielte auf einmal andere Musik auf, einige Flügel zerbrachen, Sturzflug. Kein Zusammenflug mehr möglich. Einem Vögelchen schmerzen die gebrochenen Flügelchen sehr, dieser Schmerz macht das allein-weiter-fliegen so schwer: Leipzig, Schkeuditz, Lübz, Berlin, München, Naumburg, Nürnberg, Chemnitz, Hannover, Waren, Palermo, Genua, Camogli, Oostende, Brügge, Antwerpen, Brüssel, Budapest, Brno, Amsterdam, Lille, Gent, Weimar, Erfurt, Düsseldorf, Wien, Leuven, Breslau.

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23. September 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Im Fragment
Analoges Porträt mit halb grünem, halb rötlichem Farbverlauf, wacher Blick, weißes Kleidungsstück am Hals, konzeptuelle Fotografie über Licht und Fragmentierung

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Zeit vergeht. Läuft. Keine Rücksicht. Das Ende rückt näher. Ticktack, zappzerapp. Der Anfang längst vergessen. Das Außen gerät durcheinander, nicht zum ersten Mal, und ordnet sich wieder, nicht zum ersten Mal. Schwäche wird abgelöst durch Stärke, und andersherum. Ein Kreis, ein ewiger Kreis. Erschöpfung trifft auf Leichtigkeit und Spieltrieb.
13. September 2026
Wolfsstunde
Nackter Oberkörper mit Kettenschmuck, Pelzstück über die Schulter geworfen, gestreifte Bänder am Bund, analoges Papiernegativ, Großformatkamera, konzeptuelle Körperfotografie, Fotoserie Wolfsstunde

Wolfsstunde

Gestalten. Die eine hat den Pelz um sich gelegt wie eine zweite Haut, dunkles Haar fällt darüber, das Gesicht halb verschluckt vom Korn des Papiers. Die andere trägt Strohhut und Hosenträger in Streifen. Hockt, wartet, beobachtet mit einem Blick, der älter wirkt als gelebt. Großformatkamera, Mentorin, Papiernegative. Jedes Bild ein Universum, mit Rand in Rissen, […]
1. September 2026
Auf den Punkt gekommen
Bewegungsunscharfe Aufnahme einer dicken Frau im Ausfallschritt, gepunkteter Rock, glitzernder Hintergrund, analoge Großformatfotografie, clowneske Dynamik

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Tupfen über Tupfen, schwarz und weiß. Wirklich? Oder sehen wir sie nur schwarz und weiß? Illusion! Gold glitzert im Hintergrund (Woher wissen wir denn das? Es könnte doch auch Silber sein!) Der Raum gleicht einer Zirkuskulisse, die ihr Unterhaltungsversprechen längst gebrochen hat. Die kleinen und großen Punkte. Dots. Das Muster des Clowns, komisch und traurig zugleich, ein Kostüm. Der Körper dick, unverstellt, geöffnet. Kein Grund zur Scham, nur Fleisch
26. August 2026
Rausch-Tod-Imagination
Dicke Frau berührt sanft die roten Haare einer Frau mit verbundenen Augen, Nahaufnahme der Hände im Haar, dunkler strukturierter Hintergrund, konzeptuelle Imagination-Fotoserie

Rausch-Tod-Imagination

rausch als erster taumel. der moment, in dem die grenzen der haut nicht mehr halten, in dem farbe zu blut wird, blut zu farbe, in dem zwei gesichter sich übereinanderlegen, keines mehr das eigene. lametta wie ein vorhang zwischen wachsein und traum, traum und wachsein. gold, das schneidet, licht, das lügt. der körper bemalt, beschriftet, überschrieben. rote linien, die adern nachzeichnen oder sie erfinden. was zuerst nur schatten war, geworfenes licht, wird mit rotem lippenstift nachgezogen, festgehalten, behauptet, der schatten zur wunde gemacht, die vorlage zur handlung. rausch als erster schritt in die auflösung. der mensch selbst verschwimmt darin, er ist nicht einer, der den rausch erlebt, er ist der rausch, sein gesicht löst sich auf, bevor die kamera es fassen kann, seine konturen zerlaufen wie farbe im wasser. bevor der tod kommt, bevor die imagination übernimmt.
26. August 2026
Zauberei
nahporträt tänzerin mit kurzhaarschnitt, kopf geneigt, intimes analoges schwarzweißporträt, fotoserie zauberei

Zauberei

Zauberei. Das Wort klang so viel schöner als das englische: Its magic. Sie wiederholte es ein paar Mal. Sauberrei. Sauberrei. Mit ihrem herrlichen argentinischen Akzent. Sauberrei. Aus dem harten Z wurde ein weiches S, aus dem Rachen-R ein rollendes. Ich verschwand wieder unter dem glitzernden Stoff hinter meiner Großformatkamera, Zauberei. Eine Begegnung wie ein Zufall, der keiner war.
25. August 2026