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Baltikum Okt*2024 – Litauen: Vilnius (I)
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Baltikum Okt*2024 – Litauen: Vilnius (I)

Der Start war diesmal wirklich holprig, und damit meine ich nicht den Flug. Der war ziemlich angenehm. Keine Probleme. Die gingen danach los. Oder besser: ein Problem. Geschichte von vorn: In der Nacht kam ich in Vilnius an. Der Flughafen ist ziemlich klein, deshalb stand ich schnell am Gepäckband. Am BER in Berlin hatte die innere Kritikerin in mir sich schon darüber aufgeregt, dass ich meinen Koffer selbst wiegen und labeln musste (beschlich mich da schon eine Vorahnung?), und nun passierte gar nichts an diesem Band. Nichts. Es standen auch erstaunlich wenig Leute herum. Nach fast einer Stunde nervösen Wartens passierte es dann doch noch. Das Band setzte sich in Bewegung, und so zwanzig Koffer, Köfferchen und andere Stücke fuhren ihre Runde. Mein Koffer nicht. Vorerst machte ich mir noch keine Sorgen.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Litauen: Vilnius (II)
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Baltikum Okt*2024 – Litauen: Vilnius (II)

Užupis ist ein Stadtteil von Vilnius. Er war einst ein Jüdisches Viertel. In der Sowjetunion war Užupis das Refugium des Rotlichts, von Obdachlosen, völlig verwahrlost. Nach den Wirren der 1990er Jahre zogen Studenten und Künstler (und alle *innen) in die billigen Häuser, machten diesen Platz urban, bunt und eigenwillig. Es entstand sogar eine eigene Spaßrepublik mit Verfassung. Meine drei liebsten Paragrafen von sehr vielen: 1. Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein gedecktes Dach. 2. Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein. 3. Jeder Mensch kann teilen, was er besitzt. Niemand kann teilen, was er nicht besitzt.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Litauen: Kaunas
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Baltikum Okt*2024 – Litauen: Kaunas

Die Fahrt in die zweitgrößte litauische Stadt dauerte knapp zwei Stunden und kostete acht Euro. In Kaunas angekommen, inspizierte ich als Erstes den Bahnhof. Ich liebe Bahnhöfe. Deshalb spazierte ich auch hier von einem Ende des Bahnhofs zum anderen, um zu gucken, ob keiner guckt. Danach schlenderte ich zum Busbahnhof, ein paar hundert Meter weiter, ich war ja nicht schwer bepackt. In der Nähe sprang mir ein kleiner Markt ins Auge, auf dem ältere Mademoiselles Produkte feilboten. Zwei Russinnen verkauften mir zwei Schlüpfer, eine andere Russin ein litauisches Kleid, in dem ich wie eine Matroschka aussehe.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Lettland: Riga (I)
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Baltikum Okt*2024 – Lettland: Riga (I)

Dann war ich schon wieder weg. Ein neuer Ort, ein neues Land sogar. Lettland. Mit dem Bus fuhr ich von Kaunas nach Riga, fünf Stunden Fahrt, gemächlich, mit 90 Kilometern die Stunde. Als wir in Kaunas losfuhren, strahlte die Sonne, als wir in Riga ankamen, regnete es. Riga. Ich glaube, deswegen hatte ich mich auf diese Reise gemacht. Zum einen sind alle drei baltischen Staaten post-Sowjetstaaten, per se also für mich interessant. Aber vielleicht war ein Ticken ausschlaggebender, dass ich RIGA schon auf so vielen Grabsteinen las, als Ort des Todes. Für mich war Riga schon immer einer dieser Orte wie Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Theresienstadt und und und. Als der Bus am Abend in Riga einrollte und der Regen an den Fensterscheiben herunterrann, dachte ich nur so: wie passend. Nachdem ich ausgestiegen war und die erste Luft der Stadt eingeatmet hatte, fühlte ich etwas anderes. Ich freute mich sehr auf diesen Ort, keine fünf Minuten anwesend und schon wusste ich, das ist ein Platz, den ich mochte. Mit meinem wiedergewonnenen Koffer rollte ich in Richtung Tram. An einem kleinen Kiosk kaufte ich ein Ticket für drei Tage (acht Euro). Riga, vor mir waren deine Trams und Busse ab diesem Zeitpunkt nicht mehr sicher! Doch für den Augenblick war genug, nur noch Herberge suchen, duschen und dann ab in die Koje. Das mit dem Duschen wurde zum Problem, denn diese Hightech-Dusche von Riga hatte einen so hohen Einstieg, dass ich mir das genau einmal gab, danach nie wieder. Bin doch keine Hochleistungssportlerin. Duschen soll doch ein sinnliches Erlebnis sein.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Lettland: Riga (II)
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Baltikum Okt*2024 – Lettland: Riga (II)

Am nächsten Morgen war es sehr trüb. Zwar hatte ich gut geschlafen, aber all die Erlebnisse des Vortages waren wahrscheinlich doch weniger gut verdaulich, als ich gedacht hatte. Dabei war heute mein Geburtstag. Auf meinem Handy blinkten schon Glückwünsche auf. Doch der Tag blieb trüb, die Wolken hingen vor der Sonne, und meine Laune wollte nicht besser werden. All das waren dennoch keine Gründe, Trübsal zu blasen – hinaus ging es.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Estland: Tartu
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Baltikum Okt*2024 – Estland: Tartu

Mein einziger ganzer Tag in Tartu, der ältesten Stadt des Baltikums, begann neblig. Es war ein Sonntag, ein sonniger Herbstmoment; größtenteils ohne Menschen (wie meine Fotos zeigen), denn die tummelten sich lieber in den Shoppingmalls und Supermärkten. Ich spazierte zum Bahnhof, einem wunderhübschen Provinzbahnhof aus Holz. An diesem Morgen versank er ästhetisch in dichtem Nebel, bis sich die Sonne schließlich durchkämpfen konnte.
17. November 2024
Baltikum Okt*2024 – Estland: Tallinn
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Baltikum Okt*2024 – Estland: Tallinn

Am Morgen rollte ich mit meinem Koffer zum hübschen Tartu-Provinzbahnhof. Die Strecke kannte ich ja bereits. Mein Zug stand an Gleis 1 bereit zur Abfahrt. Knapp drei Stunden später fuhr er am Kopfbahnhof der estnischen Hauptstadt Tallinn (440.000 Einwohner) ein. Die Fahrt war kurzweilig. Zuerst machte ich Reisenotizen, später starrte ich aus dem Fenster. Ein paar Mal hielt der Zug, Menschen stiegen ein und aus. Die Ortschaften und Bahnhöfe waren meist klein. Auch der Bahnhof von Tallinn ist überschaubar. Die meisten Menschen kommen wohl eher mit dem Schiff oder der Fähre in die Stadt.
17. November 2024
Rote Beete und Medaillenspiegel
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Rote Beete und Medaillenspiegel

Diese Geschichte besteht aus drei Strängen: drei Strängen, die auch die Großmutter unterteilte, wenn sie der erstgeborenen Enkelin einen Bauernzopf aus den dünnen Haaren flocht und ihn um den kleinen Kinderkopf legte. Das Mädchen liebte diese intimen Momente mit ihrer Omama. Strang Nummer eins nimmt im August 1980 seinen Anfang. Zu diesem Zeitpunkt lernte die Enkelin Mischka kennen, das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele in Moskau. Sie war noch ganz, ganz jung, und eigentlich ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sie sich so genau an dieses große Sportereignis und den niedlichen Bären erinnern konnte, wie sie es behauptet. Wollen wir ihr aber mal glauben. Seit diesem August 1980 begleitet Mischka sie in ihrem Leben, ebenso wie die Matroschka, der Wolf und der Hase sowie andere sowjetische Artefakte. Auf ihren Reisen durch Osteuropa trifft sie diese regelmäßig wieder – in allen möglichen Daseinsformen: auf Plastiktüten und Buttons, als Lampen und auf Wasserbällen. Es gibt nichts, was es nicht gibt – fast immer „billiger“ Plastikkram zu horrenden Preisen. Der Rubel muss eben immer weiter rollen.
27. Oktober 2024
Baltikumien Inside
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Baltikumien Inside

Er hatte den Koffer kopfüber die knarrenden Treppen hinaufgehievt. Den Koffer, der während ihrer Reise ominöse sieben Kilogramm zugenommen hatte, obwohl er doch vier Tage wie vom Erdboden verschluckt war. Gemeinsam betraten sie die ausgekühlte Wohnung. Als sie gegangen war, verabschiedete sich gerade der Spätsommer, nun war der Herbst bereits eingezogen.
18. Oktober 2024
Armenien Feb*2024: Jerewan – Eriwan, Erewan, Yerevan, Erevan, Երևան (Teil I)
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Armenien Feb*2024: Jerewan – Eriwan, Erewan, Yerevan, Erevan, Երևան (Teil I)

Warum ausgerechnet Armenien? Eine Reise in eine ehemalige sowjetische Teilrepublik, an der Schwelle zu Asien? Es gibt dafür keine eindeutige Antwort. Ausschlag gab wahrscheinlich der erneute Konflikt, Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, einer anderen ehemaligen Sowjetrepublik. Der Konflikt um Bergkarabach (russisch Nagorny Karabach). Schon als Kind klingelte dieser Name in meinen Ohren, wenn ich mit meiner Großmutter Nachrichten schaute, schon als Kind fragte ich mich, wo dieser ominöse Berg sich wohl in die Luft erstrecken würde. Damals wusste ich noch nicht, dass es sich gar nicht um einen Berg handelt, sondern um eine Region. Im September des letzten Jahres klang das Wörtchen "Bergkarabach" wieder in unserer aller Ohren. Als zirka 140.000 Armenier, die dort (manchmal seit Generationen) lebten, ihr Zuhause verlassen mussten, wohl endgültig.
3. Oktober 2024