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Baltikumien Inside

Idee/Auswahl/Retusche: Antje Kröger // Umsetzung, Fotografie: PT


Er hatte den Koffer kopfüber die knarrenden Treppen hinaufgehievt. Den Koffer, der während ihrer Reise ominöse sieben Kilogramm zugenommen hatte, obwohl er doch vier Tage wie vom Erdboden verschluckt war. Gemeinsam betraten sie die ausgekühlte Wohnung. Als sie gegangen war, verabschiedete sich gerade der Spätsommer, nun war der Herbst bereits eingezogen. Es war schön, wieder zu Hause zu sein, zu Hause mit diesem anderen Gefühl, mit dem Gefühl von Erlebtem, Gelerntem, Zurückgelassenem. Zu Hause, kaputt und ziemlich müde, kaum geschlafen hatte sie die letzten Tage. In drei verschiedenen Ländern und noch viel mehr Städten war sie unterwegs gewesen. Anfangs nur mit ihren Kameras im Schlepptau, denn ihr Koffer hatte wohl andere Pläne als sie und blieb vorerst verschwunden. Reisen nun als Challenge. In ihrer Größe Kleidungsstücke auf die Schnelle zu finden, war ein energetisches Unterfangen, auf ästhetische Gesichtspunkte lernte sie, rasch zu verzichten. Wochenmärkte und Supermärkte füllten ihren Rucksack mit Shirt, Socken, Jogginghose, Kleid, Leggings und Schlüpfern, Flip-Flops. Zahnbürste und Shampoo schenkten ihr die temporären Mitbewohnerinnen. Auf ihrem eigentlichen To-do-Zettel der Besuche (das Einkaufen musste notgedrungen dazwischengeschoben werden) standen: Friedhöfe, Synagogen, Museen, Sowjet-Artefakte, KZ-Mahnmal, die Ostsee, Orte der Kunst und Kultur und des Gedenkens. Erst fand ihre Reise leicht bepackt statt, nachdem ihr Koffer sie wiedergefunden hatte, war mehr Kraftaufwand nötig. Dennoch freute sie sich über wiederbekommenen Stauraum, der mit allerhand Dingen gefüllt werden konnte, mit Dingen, die ihr begegneten, die sie fand, die unbedingt mit ihr nach Hause kommen wollten.


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18. Oktober 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026