Kein sichtbares Beben der Aufruhr – sondern der Moment, in dem der Raum nicht mehr das war, was er zu sein schien. Ein Verwirren der Perspektiven, ein Rauschen im Kopf, das keine Form annahm und doch alles in Bewegung hielt. Und als der Vorschlaghammer erneut auf den Boden schlug, wusste niemand mehr, was noch stand oder was bereits gefallen war. Gefallen, verschlungen, wieder ausgespien in eine andere Welt, in ein anderes Sein. Neu atmen lernen, neu sehen lernen, neu hören lernen. Luft herauslassen aus dem Dauer-Spannungsbogen. Licht fressen, damit endlich der Hunger gestillt. Schatten trinken, damit das Untergehen gestoppt. Münzen zählen, dass der neue Unterschlupf bezahlt.
Hast du den vollen Mond der vergangenen Nacht auch angestarrt, so wie ich? Hat dich der volle Mond in seinem tiefen Orange genauso kirre in die Nacht entlassen, so wie mich? Hat dich der volle Mond auch daran erinnert, wie wir beide einst an unseren Fenstern standen, um ihn gemeinsam durch das Telefon anzuheulen?
Wir begleiten uns am Ende dieses Jahres schon ein Jahrzehnt und ein Jahr lang. Als wir uns im Dezember 2012 das erste Mal fotografisch miteinander vergnügten, konnten wir noch nicht ahnen, wie wir uns miteinander verbinden würden in den kommenden Jahren. Und immer wieder Fotografien. Und manchmal miteinander feiern. In den verschiedensten Konstellationen. Oberthema: der Mensch, die Liebe, die Familie und auch: die Freundschaft.
Ihre Drahtfüße, an Porzellanbeinchen, steckten tief im Emailleeimer mit der heißen Asche. Der Kohleofen hatte die Asche in den Morgenstunden ausgespien, nachdem er in der noch kalten Nacht langsam und bedächtig seine schöne Wärme abgegeben hatte. Der Frühling würde bald in das Leben einziehen, die Sonne schickte an den Tagen schon kräftige Strahlen aus dem Universum. Doch in den Nächten hatte noch immer Väterchen Frost das Sagen.
Sie hatten getanzt. Fast immer. Sie hatten gelacht, oft. Sie hatten sich in Freiheit gesuhlt — eigentlich normal. Sie hatten diskutiert, nächtelang. Sie waren laut, wenn es nötig war, und wurden leise, wenn sie hinhören mussten. Sie tranken, sie rauchten, sie ergingen sich in allen Räuschen, die die Welt nur kennt. Sie rangen mit sich und der Welt, sie kritisierten das Kapital. Ihre Welt war bunt, ihre Welt war spontan, ihre Welt war voll von offenen Türen und Musik, die immer laut war.
Che Guevara oder Napoleon, Dandy oder Pierrot?
Er schwebt. Ein roter Lichtkegel umfließt ihn, sein Körper baumelt an einem brüchigen Seil, das nicht hält und doch nicht reißt. Die Menge unten atmet flach, hält inne, aber er hört sie nicht. Vielleicht existiert sie nicht. Vielleicht existiert er nicht.
Die Zeit ist heruntergefallen, und sie ist rot. Sie liegt auf dem Teppich, breitet sich aus wie ein sanfter Schimmer. Der Teppich, tiefrot und fest, verankert die Minuten im Hier und Jetzt. In der Mitte des Raumes ruht ein Thron, ebenfalls rot, mit Polstern, die Geschichten erzählen. Er atmet Stille, während die Zeit sich ausdehnt.
Im engen Raumbrennt ein Sternunter kaltem Licht,funkelt gegen Dachschrägen. Rot peitscht durch die Adern,doch die Kälte schneidet tiefer.Es schneit durch die Luke,das Weiß legt sichnur auf die Haare,die Haut bleibt nacktwie ein offener Nerv. Zart krallt sich an Wände,hart schlägt der Atem.Energie zuckt, zwart, ein Funke ohne Halt,verheddert in der eigenen Existenz. Der Stern hängt […]
PROLOG DAS FÜRCHTEN NICHT UND NIE DAS WÜNSCHENdarf mir abhanden kommen, auch mein täglich sterben nichtdas seellos süchtig sein auf keinen fallnur hirnlos reimen wie ein wicht muß beendet werden da ist ein gott und setzt sich zwischen alle stühleer sieht genauso aus wie ich mich fühle Aus: Thomas Brasch, Wer durch mein Leben will, […]