IDEAL (flüchtig . vergänglich . endlich .) – die Fortsetzung
Wirbel an der Wand – wie aufgewühlte Gedanken – abgewetzter Boden – im Halbdunkel eines rauen Raumes – der rote Faden zieht sich um das Bein – wie eine offene Frage – blauer Kachelblock – übersät mit zersplitterten Spiegeln – Bruchstücke – die alte Schreibmaschine hat ihre Worte verloren – Enge und Schmerz und das Ringen um Ausdruck – Rückzug – Neuwerdung oder der Versuch, in einen anderen Zustand überzutreten – zwischen Schutz und Ausgeliefertsein – zwischen Innen und Außen – zwischen Vergangenheit und Zukunft – Geborgenheit und Heimat – suchend – zurück in den Schoß der Wärme – wollend - Spuren von Leidenschaft und Schmerz und leiser Wut – ein Leib – kraftvoll und verletzlich – nicht mehr jung – noch nicht alt – Müdigkeit – unvollständige Geschichten – stiller Stolz – gegen das Unsichtbarmachen und das Wegducken und das Sich-Kleinmachen – kraftvoll – fast trotzig – Empfindsamkeit bis unter dir Haut – das Fleisch erzählt Geschichten von Leben und Kampf und Hunger und Zartheit und Widerstandskraft – Mahnung – archaisch – Abwehr und Einladung – zwischen Ich und Welt – heiliger Raum – Feuer und Blut und Ursprung und Ende
Fotoworkshops – sie begleiten mich nun schon seit 13 Jahren. Anfangs mit Unterstützung, inzwischen unterrichte ich schon lange ganz allein. Erst in Berlin, jetzt in Leipzig. Es erfüllt mich, zu lehren. Die Workshop-Wochenenden nähren nicht nur meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch meine eigene Kunst. Die Menschen, die durch meine Workshops gehen, sind für mich […]
Schon in der DDR-Schule, beim DDR-Schularzt, war die Wiegeprozedur eine Tortur. 10k Types Of Torture. (Song von Mule & Man). 10.000 Arten von Torturen. Bleibt mir vom Hals. Aber manchen dieser Torturen konnte oder kann sich Mensch leider nicht entziehen. Ich musste mich damals auf diese verfickte Waage stellen. Nützte nischt. Alle mussten. Für einige von uns Menschenkindern an diesem Wiegetag wurde es zum Thema ihres Lebens. Meines auch. Noch genau weiß ich die Zahlen. Ich war 10 Jahre alt. Ich wog 48 Kilogramm. Ich war ein großes Mädchen. Der Arzt empfand mich als zu schwer. Drei Jahre später wurde ich zu einer Abnehmkur geschickt. Nachdem ich wieder zu Hause war, stellte sich meine Mutter zusammen mit mir vor den Spiegel. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schlankeste Tochter im Land? MEINE. Stolz erfüllte sie. Ich wollte kotzen. Meinen Mutterpanzer würde ich immer brauchen, das wusste ich schon damals. Das Wiegetrauma blieb. Meine erste Hausärztin im Erwachsenenleben wollte bei einem meiner Besuche bei ihr, dass ich mich von der Schwester wiegen lasse. Ich verweigerte. Das schrieb sie in meine Krankenakte. Bis heute sorgt dieser Eintrag für Geschmunzel bei Ärzten und Schwestern. Denn ich verweigerte immer sehr resolut. Niemand sollte mich mehr zwingen zu etwas, das ich nicht will. Ich war schließlich kein Kind mehr, sondern eine Erwachsene mit einem freien Willen und eigener Entscheidungsmacht. Viele Ärzte und Ärztinnen akzeptieren dies, soweit das Wissen um das genaue Gewicht nicht wirklich relevant ist. Augenmaß reicht sowieso meist aus.
Es gibt nur noch wenige Lichtquellen in ihrer Behausung. Das Licht ihrer gemeinsamen Treffen ist ein rotes. Es wirft Schatten an die Wände. Neue Treffen, neue Schatten. Er war schon einmal bei ihr. Das ist sehr lange her. Sie erinnert sich kaum daran. Mehr als ein Jahrzehnt war vergangen. Jetzt kommt er wieder – zu ihr, in jeder Begegnung, nach jeder Begegnung.
Johann Wolfgang von Goethe: »Schönheit kann nie über sich selbst deutlich werden.« André Breton sagte einst, Schönheit soll erschütternd oder gar nicht sein! »Schönheit ist Schrecken. Wir wollen verschlungen werden von ihr […]« – Donna Tartt, Die geheime Geschichte“ Sie erschrickt (ziemlich) oft.Weil sie sich alleine wähnt (in ihrer Welt).Weil die Musik oder die Worte aus […]
Wir hatten ein Date, weil ich es so wollte.Das schrieb ich dir auch genauso,in kurzen Sätzen,plus einer Beschreibung,wie du mich finden würdest. Welche Kräfte vorher gewirkt hatten,weiß ich nicht genau.Aber ich ahne es. Ich wollte keine Blumen von dirals Willkommensgruß,sondern Kuchen zum frisch gebrühten Kaffee(und du trankst eine Menge davon!). Als du ankamst, warst du […]
Der Spielling sitzt am Harmonium.Sein graziler Oberkörper schwingt in der Dunkelheitwie ein Pendel hin und her.Sein starker rechter Fuß stampft auf einen Tretschemel,der andere ist gerade außer Betrieb. Seine schlanken Finger ziehen an den Registern –für die Klangfarbe seiner magischen Töne –oder berühren die weißen und schwarzen Tasten,streicheln sie, schlagen sie, hämmern, klopfen, hauchen.Abwechselnd. Das […]
Die Künstlerinnen in der Ukraine machen weiter, „einfach“ immer weiter. Jeden Tag. In Sumy, in Dnipro, in Charkiw, in Kiew, in all den anderen Orten. Auch nach Raketenangriffen, auch nach Toten und Verletzten und Verlust, auch nach Schmerz und Verzweiflung, auch nach Zerstörung, Wut, Kraft- und Hoffnungslosigkeit. Jeden einzelnen Tag zollt mir dies Respekt ab. […]
1990.
Der Heldentenor – mein Protagonist – hängt seinen blauen Tannhäuser-Mantel – er ist leuchtend blau, mit Gold abgesetzt am Kragen und der Knopfleiste – an den Garderoben-Nagel. Für immer. Nie wieder Oper. Nie wieder Richard Wagner.
Diese kleine Serie ist Auftakt, Einleitung, Präludium.
Ein Prolog, eine Initiation, eine leise Schwelle.
Ein Flüstern. Ein erstes Zittern.
Viel Energie, Kraft und Emotion sind unterwegs – in meiner Welt und in der großen darüber hinaus.
Sie wollen sich zeigen, drehen und wenden.
Sie wollen ihre Geschichten erzählen.
Sie wollen er-leben.