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Zweischönlein
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Zweischönlein

Sie wollen alles – bis zum bitteren Ende ästhetischen Fatalismus. Streben nach dem vollen Gefühl, der Sehnsucht nach der Sehnsucht – ein großes Fressen nach dem Hunger. Ihre Gegenüber nur hübsches Beiwerk, schmackhafte Körperlichkeiten, wohlhabende Ausuferungen. Sie interessieren sich nicht für gesellschaftliche Normalitäten, Regelungen und zugeschnürte Korsagen. Sie atmen die Freiheit mit jeder Pore Haut, sie lieben die Absurdität der Lebenskreise, die Überschneidung von Gut und Böse. Ekstase und Erschöpfung schlafen in ihrem Dasein nebeneinander.
23. Mai 2025
Fotoshooting für das Projekt: FriLeFT – an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig
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Fotoshooting für das Projekt: FriLeFT – an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig

Als ich die Anfrage von Dr. Anne Goldbach in meinem E-Mail-Postfach fand und las, war ich gerade in Torgau unterwegs, um die Stadt für mein Projekt: 9-Euro-Ausblicke-Und-Weiterreisend analog fotografisch festzuhalten. Anne fragte nach dokumentarischen und künstlerischen Fotografien für das Projekt FriLeFT. Ich hatte sofort große Lust darauf, schrieb mein Angebot – und wartete. Als die Zusage kam, war ich froh und freute mich auf diese neue Herausforderung. Ich machte mich auf den Weg – diesmal fotografisch – an die Universität, ein Comeback für mich, wenn auch an einer anderen Fakultät.
22. Mai 2025
Exit Sanierungsgebiet
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Exit Sanierungsgebiet

sie betritt den raum als wäre er ein urteil die tür fällt hinter ihr ohne dass sie sie berührt hat ihre schritte schwer wie fragen die niemand stellt ihre schultern tragen nicht nur knochen sondern entscheidungen die nie ihre waren der körper ein versuch der auflösung ein manifest aus haut und zweifel sie legt sich auf den steinigen boden ihre wirbelsäule zählt jeden moment der verschiebung tastet nach gewissheit in den blauen kacheln über ihr spiegelt sich nichts sie blickt in das loch das für sie gegraben wurde
12. Mai 2025
Leipzig, Frühling. Licht und Schatten. Und leere Wände.
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Leipzig, Frühling. Licht und Schatten. Und leere Wände.

Mindestens eine meiner analogen Agat-Halbformatkameras habe ich immer in meiner Handtasche – meist sogar zwei: eine mit Schwarzweißfilm, eine mit einem bunten. Der letzte Schwarzweißfilm war so lange in der Kamera wie selten zuvor. Das lag daran, dass ich kaum auf den Straßen Leipzigs oder anderswo unterwegs war. Ich fotografierte so viel wie selten in meinem Leben – aber eben nicht im öffentlichen Raum. So blieb der Frühling weitgehend außerhalb meines Schaffens. Nicht völlig unbemerkt, aber doch sehr.
10. Mai 2025
Schümanns Küche
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Schümanns Küche

Schon als sie ein kleines Mädchen war, betrachtete sie mit ihrer Oma die alten schwarz-weißen Fotos mit gezacktem Rand aus der Hauswirtschaftsschule der späten 1930er Jahre. Auf diesen Bildern standen junge Frauen nebeneinander, schauten gezwungen freundlich in die Kamera. Sie trugen weiße Schürzen über Röcken, die die Knie bedeckten. Dabei hätte ihre Großmutter lieber Abitur gemacht. Doch ihr Geschlecht gab nur eine Richtung vor: Richtung Ehefrau, Richtung Mutter, Richtung Haushalt. Kochen, Nähen, Betten machen. Klug und wirtschaftlich einen Haushalt führen – das wurde in dieser Schule gelehrt.
8. Mai 2025
Lichter Abbruch
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Lichter Abbruch

Danke, lieber alter Mann, dass ich deine schöne Kamera weiter benutzen darf – beladen mit Film, bereit, alles festzuhalten, was flüchtig ist, alles, was sich bald verändert haben wird. Du selbst hast dich nie an das digitale Leben gewöhnen können; zu viele Jahre trägst du bereits auf deinem Buckel. Nun gibst du dein schönstes fotografisches Stück in meine Hände. Dafür danke ich dir. Lange hatte ich gesucht, denn alle meine Arbeitstiere waren in den letzten Monaten zu Bruch gegangen. Ich wusste genau, was ich wollte. Und dann fand ich euch beide: dich, alten, so herzlichen Menschen – und dich, schöne Kamera, auch schon ein wenig, genauso wie ich, in die Jahre gekommen. Ich bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg.
28. April 2025
Apfelblütenrausch
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Apfelblütenrausch

Mit jedem Biss in einen güldenen Apfel werden Götter wieder zu Göttern. Was eben noch grau und eingefallen war, gebückt und schwach, von schweren Gedanken beschwert, wandelt sich zu jugendlicher Frische: rosige Wangen, aufrechter Gang, Glanz in den Augen. Im Garten Asgards wandelt die schöne Idunn. Sie ist die Göttin der Jugend, der prallen Wänglein, der vitalen Gedanken, der Sorglosigkeit, der Frische, der vor Kraft strotzenden Körper. Ihr Zuhause ist die nordische Sagenwelt. Sie ist die ewig Junge, die einen Schatz aus goldenen Äpfeln bewacht und verteilt. In diesen Früchten liegt ein großer Zauber – der Zauber der immerwährenden Jugend.
28. April 2025
IDEAL (flüchtig . vergänglich . endlich .) – die Fortsetzung
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IDEAL (flüchtig . vergänglich . endlich .) – die Fortsetzung

Wirbel an der Wand – wie aufgewühlte Gedanken – abgewetzter Boden – im Halbdunkel eines rauen Raumes – der rote Faden zieht sich um das Bein – wie eine offene Frage – blauer Kachelblock – übersät mit zersplitterten Spiegeln – Bruchstücke – die alte Schreibmaschine hat ihre Worte verloren – Enge und Schmerz und das Ringen um Ausdruck – Rückzug – Neuwerdung oder der Versuch, in einen anderen Zustand überzutreten – zwischen Schutz und Ausgeliefertsein – zwischen Innen und Außen – zwischen Vergangenheit und Zukunft – Geborgenheit und Heimat – suchend – zurück in den Schoß der Wärme – wollend - Spuren von Leidenschaft und Schmerz und leiser Wut – ein Leib – kraftvoll und verletzlich – nicht mehr jung – noch nicht alt – Müdigkeit – unvollständige Geschichten – stiller Stolz – gegen das Unsichtbarmachen und das Wegducken und das Sich-Kleinmachen – kraftvoll – fast trotzig – Empfindsamkeit bis unter dir Haut – das Fleisch erzählt Geschichten von Leben und Kampf und Hunger und Zartheit und Widerstandskraft – Mahnung – archaisch – Abwehr und Einladung – zwischen Ich und Welt – heiliger Raum – Feuer und Blut und Ursprung und Ende
27. April 2025
Fotoworkshop-Rezensionen
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Fotoworkshop-Rezensionen

Fotoworkshops – sie begleiten mich nun schon seit 13 Jahren. Anfangs mit Unterstützung, inzwischen unterrichte ich schon lange ganz allein. Erst in Berlin, jetzt in Leipzig. Es erfüllt mich, zu lehren. Die Workshop-Wochenenden nähren nicht nur meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch meine eigene Kunst. Die Menschen, die durch meine Workshops gehen, sind für mich […]
22. April 2025
Wiegetag
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Wiegetag

Schon in der DDR-Schule, beim DDR-Schularzt, war die Wiegeprozedur eine Tortur. 10k Types Of Torture. (Song von Mule & Man). 10.000 Arten von Torturen. Bleibt mir vom Hals. Aber manchen dieser Torturen konnte oder kann sich Mensch leider nicht entziehen. Ich musste mich damals auf diese verfickte Waage stellen. Nützte nischt. Alle mussten. Für einige von uns Menschenkindern an diesem Wiegetag wurde es zum Thema ihres Lebens. Meines auch. Noch genau weiß ich die Zahlen. Ich war 10 Jahre alt. Ich wog 48 Kilogramm. Ich war ein großes Mädchen. Der Arzt empfand mich als zu schwer. Drei Jahre später wurde ich zu einer Abnehmkur geschickt. Nachdem ich wieder zu Hause war, stellte sich meine Mutter zusammen mit mir vor den Spiegel. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schlankeste Tochter im Land? MEINE. Stolz erfüllte sie. Ich wollte kotzen. Meinen Mutterpanzer würde ich immer brauchen, das wusste ich schon damals. Das Wiegetrauma blieb. Meine erste Hausärztin im Erwachsenenleben wollte bei einem meiner Besuche bei ihr, dass ich mich von der Schwester wiegen lasse. Ich verweigerte. Das schrieb sie in meine Krankenakte. Bis heute sorgt dieser Eintrag für Geschmunzel bei Ärzten und Schwestern. Denn ich verweigerte immer sehr resolut. Niemand sollte mich mehr zwingen zu etwas, das ich nicht will. Ich war schließlich kein Kind mehr, sondern eine Erwachsene mit einem freien Willen und eigener Entscheidungsmacht. Viele Ärzte und Ärztinnen akzeptieren dies, soweit das Wissen um das genaue Gewicht nicht wirklich relevant ist. Augenmaß reicht sowieso meist aus.
21. April 2025