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Eine Stunde Seehausen (Altmark) // Mai-Leipzig
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Eine Stunde Seehausen (Altmark) // Mai-Leipzig

Eine Stunde Seehausen in der Altmark. Warum? Nur wegen eines DDR-Wandbilds. Gezeigt wurde es mir zwei Wochen zuvor von einer Frau, die mir im Schienenersatzverkehrsbus von Tangerhütte nach Wittenberge gegenübersaß. Auf meiner Reise nach Mecklenburg erzählte die etwa 60-Jährige fast zwei Stunden lang aus ihrem Leben – spannend, berührend, kaum zu unterbrechen. Irgendwann erwähnte ich meine Leidenschaft für sozialistische Überbleibsel. Da zeigte sie mir ein Wandbild in Seehausen, an einem Wohnblock in Bahnhofsnähe. Sie selbst stieg auch aus. In Seehausen.
2. Juni 2025
Himmelsprung
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Himmelsprung

Kann ein horizontaler Sprung in den Himmel, auf den ersten Blick ein Sprung in die Vergangenheit, doch zukunftsorientiert sein? Eine philosophische Frage, die sich stellt, sobald man ein Bildnis dreht und wendet und sich einlässt auf eine Frage, die viele neue Fragen aufwirft. So wie es immer um das Einlassen geht – auf Menschen, Themen, Geschichten, das Einlassen auf andere Realitäten, auf andere Formen und Farben, auf andere Moral und Wertvorstellungen, auf Diskussionen, Kritik, Streit, auf das Lernen, den Fortschritt, das Abschiednehmen, auf neue Orte, neue Kulturen, neue Gerüche, neue Sichtweisen, Einlassen auf das Gestern und Morgen, auf die Veränderung, auf Nähe und Gefühle, auf neue Spiele, neue Gerichte, neue Worte, Einlassen auf die Angst, die Unsicherheit, auf Missverständnisse, auf die Schatten, die das Licht sichtbar machen, auf das Alter, das die Jugend verdrängt, auf den Verlust und die Trauer, die Platz machen für das Neu, auf die Sonne, auch wenn sie die Haut verbrennt, auf den Wind, auch wenn er die Frisur ruiniert, auf den Regen, auch wenn dieser das Gewand durchnässt.
1. Juni 2025
Der Duft von verbranntem Licht
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Der Duft von verbranntem Licht

Am Anfang waren ein Band und das Feuer. Das Band war immer fest, von Anfang an. Es war nicht aufdringlich und stellte sich nicht in den Vordergrund, es war von einer Zartheit und Eleganz, obwohl das, was es verband, nicht zart war und schon gar nicht elegant. Und das Feuer? Es war nicht groß und vernichtend, ein kleines Feuer, ein feines Feuer, ein arbeitendes Feuer. Es brannte und brannte. Und auch als die Stürme aufkamen, brannte es weiter – es war seine Aufgabe. Still und leise ging es dieser nach, auch wenn es um das Feuerchen herum immer verrückter wurde. Natürlich beobachtete es das Treiben. Manchmal kopfschüttelnd, ab und an mit einem Lächeln auf den heißen Lippen, manchmal aber auch mit einem Schwall von Tränen in den Feueraugen, die es aber nicht herauslassen konnte – ansonsten würde es sich ja selbst löschen. Das war natürlich keine Option.
27. Mai 2025
Zweischönlein
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Zweischönlein

Sie wollen alles – bis zum bitteren Ende ästhetischen Fatalismus. Streben nach dem vollen Gefühl, der Sehnsucht nach der Sehnsucht – ein großes Fressen nach dem Hunger. Ihre Gegenüber nur hübsches Beiwerk, schmackhafte Körperlichkeiten, wohlhabende Ausuferungen. Sie interessieren sich nicht für gesellschaftliche Normalitäten, Regelungen und zugeschnürte Korsagen. Sie atmen die Freiheit mit jeder Pore Haut, sie lieben die Absurdität der Lebenskreise, die Überschneidung von Gut und Böse. Ekstase und Erschöpfung schlafen in ihrem Dasein nebeneinander.
23. Mai 2025
Fotoshooting für das Projekt: FriLeFT – an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig
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Fotoshooting für das Projekt: FriLeFT – an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig

Als ich die Anfrage von Dr. Anne Goldbach in meinem E-Mail-Postfach fand und las, war ich gerade in Torgau unterwegs, um die Stadt für mein Projekt: 9-Euro-Ausblicke-Und-Weiterreisend analog fotografisch festzuhalten. Anne fragte nach dokumentarischen und künstlerischen Fotografien für das Projekt FriLeFT. Ich hatte sofort große Lust darauf, schrieb mein Angebot – und wartete. Als die Zusage kam, war ich froh und freute mich auf diese neue Herausforderung. Ich machte mich auf den Weg – diesmal fotografisch – an die Universität, ein Comeback für mich, wenn auch an einer anderen Fakultät.
22. Mai 2025
Exit Sanierungsgebiet
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Exit Sanierungsgebiet

sie betritt den raum als wäre er ein urteil die tür fällt hinter ihr ohne dass sie sie berührt hat ihre schritte schwer wie fragen die niemand stellt ihre schultern tragen nicht nur knochen sondern entscheidungen die nie ihre waren der körper ein versuch der auflösung ein manifest aus haut und zweifel sie legt sich auf den steinigen boden ihre wirbelsäule zählt jeden moment der verschiebung tastet nach gewissheit in den blauen kacheln über ihr spiegelt sich nichts sie blickt in das loch das für sie gegraben wurde
12. Mai 2025
Leipzig, Frühling. Licht und Schatten. Und leere Wände.
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Leipzig, Frühling. Licht und Schatten. Und leere Wände.

Mindestens eine meiner analogen Agat-Halbformatkameras habe ich immer in meiner Handtasche – meist sogar zwei: eine mit Schwarzweißfilm, eine mit einem bunten. Der letzte Schwarzweißfilm war so lange in der Kamera wie selten zuvor. Das lag daran, dass ich kaum auf den Straßen Leipzigs oder anderswo unterwegs war. Ich fotografierte so viel wie selten in meinem Leben – aber eben nicht im öffentlichen Raum. So blieb der Frühling weitgehend außerhalb meines Schaffens. Nicht völlig unbemerkt, aber doch sehr.
10. Mai 2025
Schümanns Küche
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Schümanns Küche

Schon als sie ein kleines Mädchen war, betrachtete sie mit ihrer Oma die alten schwarz-weißen Fotos mit gezacktem Rand aus der Hauswirtschaftsschule der späten 1930er Jahre. Auf diesen Bildern standen junge Frauen nebeneinander, schauten gezwungen freundlich in die Kamera. Sie trugen weiße Schürzen über Röcken, die die Knie bedeckten. Dabei hätte ihre Großmutter lieber Abitur gemacht. Doch ihr Geschlecht gab nur eine Richtung vor: Richtung Ehefrau, Richtung Mutter, Richtung Haushalt. Kochen, Nähen, Betten machen. Klug und wirtschaftlich einen Haushalt führen – das wurde in dieser Schule gelehrt.
8. Mai 2025
Lichter Abbruch
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Lichter Abbruch

Danke, lieber alter Mann, dass ich deine schöne Kamera weiter benutzen darf – beladen mit Film, bereit, alles festzuhalten, was flüchtig ist, alles, was sich bald verändert haben wird. Du selbst hast dich nie an das digitale Leben gewöhnen können; zu viele Jahre trägst du bereits auf deinem Buckel. Nun gibst du dein schönstes fotografisches Stück in meine Hände. Dafür danke ich dir. Lange hatte ich gesucht, denn alle meine Arbeitstiere waren in den letzten Monaten zu Bruch gegangen. Ich wusste genau, was ich wollte. Und dann fand ich euch beide: dich, alten, so herzlichen Menschen – und dich, schöne Kamera, auch schon ein wenig, genauso wie ich, in die Jahre gekommen. Ich bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg.
28. April 2025
Apfelblütenrausch
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Apfelblütenrausch

Mit jedem Biss in einen güldenen Apfel werden Götter wieder zu Göttern. Was eben noch grau und eingefallen war, gebückt und schwach, von schweren Gedanken beschwert, wandelt sich zu jugendlicher Frische: rosige Wangen, aufrechter Gang, Glanz in den Augen. Im Garten Asgards wandelt die schöne Idunn. Sie ist die Göttin der Jugend, der prallen Wänglein, der vitalen Gedanken, der Sorglosigkeit, der Frische, der vor Kraft strotzenden Körper. Ihr Zuhause ist die nordische Sagenwelt. Sie ist die ewig Junge, die einen Schatz aus goldenen Äpfeln bewacht und verteilt. In diesen Früchten liegt ein großer Zauber – der Zauber der immerwährenden Jugend.
28. April 2025