Skip to Content
Blutmond
Blutmond, eine dicke schöne Frau in rotes Licht getaucht fotografiert in Leipzig

Blutmond

Der Mond, schon immer hatte er Einfluss, Einfluss auf sie, auf ihr Er-Leben. Der Mond, schon immer sehnte sie sich nach dem hellen Licht der Völle. Der Mond, schon immer wusste sie, dass er der Kamerad war, der ihre Gedanken weiter flüsterte in die Ohren, die sie empfangen sollten, egal ob er schmal oder kugelrund war. Der Mond, ihr Begleiter, nachdem sie immer Ausschau gehalten hatte. Der Mond, ihr Freund in guten und in schlechten Zeiten. Der Mond, ihre Sicherheit im Sein von Raum und Zeit. Doch manchmal verändert er sein Antlitz. Er leuchtet nicht mehr in kalter Klarheit, sondern färbt sich dunkelrot, als hätte er das Blut der Welt getrunken. Ein Blutmond hängt am Himmel, schwer, drängend, unentrinnbar. 
11. September 2025
Das Monument
das-monument-dicke-frau-nackt-antjekroeger

Das Monument

Erschütterung. Im Gebälk des Monuments. Hätten sie doch die Statik geprüft;  nach Riss für Riss für Riss. Aiolos, Herr der Winde, schickte einen Sturm durch seinen Schlauch, und das Monument musste wanken. Wanken und Wackeln. Es krümmte sich vor Schmerz. Verbindungen, Fugen, tragende Strukturen versagten. Bruch. Luftknappheit. Stein um Stein lockerte sich. Tränen. Weinendes Monument.
8. September 2025
Dunkelkehlchen
maske-inschwarzweiss-kondome-fotokunst-absurd-skurril

Dunkelkehlchen

Der Rausch läuft die Kehle hinunter. Dunkles, trockenes Rot oder zähes, milchiges Weiß. Lieber Genuss und Verdichtung als diese erzwungene Leere. Die hohlen Worte der Leute. Wie die Höhlen der maskierten Larve. Diese Worte. MIT wenig Witz, wenig Eloquenz, wenig Schönheit, wenig Wahr, wenig Echt, wenig leisen Tönen, wenig Poetik. Dafür viel Moral, viel Halbwissen, viel Nachgeplapper, viel Unkonkretes, viel Schattenloses, viel Angst, viel Laut, viel Wollen, viel Anpreisen, viel Schnell, viel Banal.
2. September 2025
Witwenspitz
dicke frau mit kurzen haaren-fotografie leipzig

Witwenspitz

Ein Raum, durchbrochen vom Licht. Es fällt in Schichten, in Farben. Manche schneiden wie Klingen, sie erinnern an den Schrecken. Andere wärmen, intensiv, beinahe zärtlich. Auf dem Hocker eine Gestalt, wie ein Monument. Ein Körper, von Erinnerung überzogen. Sie. 
21. August 2025
Schau im Dunklen nicht in den Spiegel
selbstporträt-fotokunst-dickefrau-spiegel

Schau im Dunklen nicht in den Spiegel

Vor vier Jahren schien die Sonne schon früh auf die Sommermatratze. Sie lag wach neben ihm. Gerade hatte sie eine Nachricht bekommen, die sie unbedingt mit ihm teilen wollte. Doch er schlief noch tief und fest. Die vergangenen Tage waren sie gemeinsam unterwegs gewesen. Ihre Familie hatte etwas Großes zu feiern gehabt. Sie schlugen sich die Bäuche voll, tranken und tanzten, hatten wilden Sex und stampften am nächsten Tag mit großem Kater durch die große Stadt. Sie hatten kaum geschlafen, wollten den Ort aber nicht einfach unbekannt an sich vorbeiziehen lassen. Als sie wieder zu Hause waren, fielen sie erschöpft und gemeinsam ins Bett, dort, wo nun die Nachricht auf ihn wartete. Aber er schlief immer noch. Sie las die Nachricht mindestens einhundert Mal und wartete auf ihn. So wie sie gerne auf ihn wartete. Er war das Schöne in ihrem Leben, das Beruhigende, das Langsame, das Wissende, das Lustige und noch so viel mehr.
10. August 2025
Welker Sommer
head-Welker-Sommer-fotokunst-antjekroeger

Welker Sommer

Alles leuchtet im doppelten Licht. Licht, Licht, Schatten. Von Zeit zu Zeit überragen diese Schatten ihre Figuren. Sie übersteigen die Vorstellung, dehnen sich wie schwarze Löcher aus, auf eine Größe, die für das Denken unvorstellbar ist, und legen sich selbst über das doppelte Licht. Mehr Licht, mehr Schatten. Noch mehr Licht, noch mehr Schatten. Ein Mehr des einen bedingt auch ein Mehr des anderen. Gegengewichte tarieren sich aus. Das Gesetz des Gleichgewichts gilt. Es gilt immer. Gerät das Konstrukt aus Licht und Licht und Schatten in eine Schieflage, implodiert das System.
4. August 2025
Ich würde …
ichwürde-fotokunst-ponart-antjekroeger8

Ich würde …

… dir so gerne sagen, wie sich dieser Monat für mich anfühlte. Wie es war, die Tage an sich vorüberrauschen zu lassen. Tage wurden zu Nächten, Nacht um Nacht zu Tag um Tag. Immer auf der Lauer, jeder Moment voll, jeder Zeigerschlag donnernd, jede Regung ein Zucken. Die Lust als Gegengeschäft auf die Realität.Spielpartner, in […]
31. Juli 2025
Georgien Jun*2025: Batumi, ბათუმი
batumi-georgien-osteuropa-matrose

Georgien Jun*2025: Batumi, ბათუმი

Von Tiflis nach Batumi fahren täglich zwei Züge: ein Morgenzug, ein Abendzug. Für diesen Samstag war der Morgenzug bereits ausgebucht. Es gibt nämlich ausschließlich Sitzplätze. Ist der Zug voll, wird einfach kein Ticket mehr verkauft. Also nahm ich den Abendzug: Abfahrt 17:10 Uhr, Ankunft um 22:45 Uhr. Der Zug war rappelvoll. Niemand sprach ein Wort, alle starrten schweigend auf ihre Smartphones. That’s normal here, dachte ich mir. In Batumi angekommen, stellte ich fest:
27. Juli 2025
Georgien Jun*2025: Tiflis, Tbilissi, თბილისი (Teil II)
tiblisi-georgien-osteuropa-1921-3stalin-undergroundmuseum

Georgien Jun*2025: Tiflis, Tbilissi, თბილისი (Teil II)

Eine Busfahrt, die ist lustig. Eigentlich. In Tiflis eher stickig und überfordernd und meist sehr lang. Die Fahrer, zumeist mit ziemlich aggressiv-rabiatem Stil unterwegs, versuchten, das Gefährt durch den Stadtverkehr zu lenken. Wenigstens gab es da eine eigene Busspur. Weiblichen Busfahrerinnen begegnete ich nie. Irgendwie sah ich überhaupt fast ausschließlich Männer am Steuer von Fahrzeugen. Der Verkehr in der georgischen Hauptstadt war überbordend, aggressiv, ruhelos. In manchen Bussen gab es W-Lan, in nur einigen Klimaanlagen, nur manchmal wurden die Stationen angezeigt (natürlich auf Georgisch). Deshalb verfolgte ich die Fahrten immer mit dem GPS auf meinem Handy. Erst zählte ich noch die Stationen, aber das gab ich schnell wieder auf, funktionierte fast nie. Manchmal ließ ich mich einfach treiben, nahm irgendeinen Bus und fuhr und fuhr. Hatte ich jedoch ein bestimmtes Ziel, musste ich mich konzentrieren, manchmal fragte ich nach.
27. Juli 2025
Georgien Jun*2025: Tiflis, Tbilissi, თბილისი (Teil I)
tiblisi-georgien-osteuropa-mann

Georgien Jun*2025: Tiflis, Tbilissi, თბილისი (Teil I)

Das mit Georgien war ein ewiges Hin und Her. Es hat nie richtig gepasst. Mein Leben war so voll mit seiner Organisation, mein Konto war so leer. Meine Kraft war so alle. Und auf einmal ging es doch ganz schnell: Zwei (eigentlich drei) Menschen fragte ich nach ihrer Meinung – Menschen, denen ich eine gute Antje-Kenntnis zutraute. Ich war nicht überrascht – über die Großzügigkeit ihrer Gedanken und auch über die (nicht)Zweifel, die an meinem Vorhaben geäußert wurden. Flüge gebucht, eine Woche später bereits unterwegs gewesen. Denn die Großzügigkeit dieser Menschen ließ meine Kräfte wieder groß werden. Zehn Tage Georgien: Tbilisi und Batumi und all die Fahrten dazwischen.
27. Juli 2025