Zusammen durchflogen zwei Vögelchen die Welt, vorgesehen war einmal mehr ausFLUG, aber die Welt spielte auf einmal andere Musik auf, einige Flügel brachen, Sturzflug. Kein Zusammenflug mehr möglich. Einem Vögelchen schmerzen die gebrochenen Flügelchen sehr, es macht das allein-weiter-fliegen so schwer: Leipzig, Schkeuditz, Lübz, Berlin, München, Naumburg, Nürnberg, Chemnitz, Hannover, Waren, Palermo, Genua, Camogli, Oostende, Brügge, Antwerpen, Brüssel, Budapest, Brno, Amsterdam, Lille, Gent, Weimar, Erfurt, Düsseldorf, Wien, Leuven, Breslau.
Zwei Menschen werden geboren. Zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Ländern. Den beiden sind (mindestens) drei Dinge gemein: Ihre Mütterchen hatten bereits Töchter auf die Welt gebracht, sie sprechen dieselbe Sprache und – sie verlieren etwas: nämlich ihr Land. (Vorerst) Ihre Identität. (Vielleicht). Ihre Heimat. (Wer weiß?) Auf unterschiedliche Weise. Einmal sogar zweimal.
Zwei Jahrzehnte liegen zwischen ihren Geburten. Zwei Jahrzehnte voller Irr und Wirr. Zwei Jahrzehnte, die dazu führen, dass aus Siegern moralische Verlierer werden. Zwei Jahrzehnte, in denen ein ganzes Volk von einer Seite auf die andere Seite wechselt. Vom Opfer zum Täter. Zwei Jahrzehnte, die vielleicht alles, aber vielleicht auch nichts ändern.
Geister zu bannen war gestern, heute ist: lasst die Geister sich ihre Wege bahnen. Eine Welt funktioniert nicht ohne sie, eine Welt braucht sie; nur mit ihnen ist eine Welt vollständig. Eine Entscheidung darf jedoch individuell getroffen werden: Will ich ein Geist sein? Will ich Angst verbreiten? Will ich unsichtbar daherkommen? Will ich vergangen oder […]
Leichtes Schwer loszulassen. Schweres schwer zu tragen, Schweres schwer loszulassen, Leichtes leicht zu nehmen. Ich sagte zu ihr, dass ich noch nicht bereit wäre, mich vom Sommer zu verabschieden. Unser Thema: Der Abschied. Der Übergang. Zum Herbst hin. Zwischen ihr, mir und der Kamera, mit dem ICH, dass noch lost im Sommer war. Nachdem ich […]
Dieser Sommer musste erst Fahrt aufnehmen. Als er jedoch seine Wohlfühl-Geschwindigkeit erreicht hatte, drehte er kräftig am Wärmerad. Badehose einpacken und ab zum See. Keine Option in Leipzig. In meinem Leben. Eigentlich. Fast ausschließlich fanden meine See-Abenteuer bisher in Mecklenburg statt. Schon in meiner Kindheit mussten die Sommer am Wasser gelebt werden, nur geschlafen wurde zu Hause im heimischen Bettchen. Von Mai bis Oktober. Oder so. Und auch später, mit den neu dazu gekommenen Kindern der Familie im Schlepptau, füllte das mecklenburgische Wasser meine Wälinen-Seele. Dieser Sommer aber wollte alles anders. Regelmäßige See-Eskapaden in Sachsen-Town. Immer in den Leipziger Westen gefahren. Immer andere Wege genommen. Immer andere Mitseeabenteurerinnen getroffen und manchen von ihnen irgendwann auch wissend wieder begegnet. Anfangs nur fotografisch, dann auch für das Herz, für den Körper, für die freien Gedanken. Ich fühlte eine neue Welt voll mit glasklarem Wasser, Kieselsteinschmerz unter den Fußsohlen, fremden Sprachfetzen. So viel Neu erlebt nach einer Fahrt mit der Tram; kein Zug, kein Flug, kein anderer Landstrich, keine andere Nation, kein anderer Kontinent. Und abends wieder im eigenen Bettchen, wie früher.
Diese analoge Foto-Serie ist schon ein paar Monde alt. Ihre Thematik hat allerdings nicht an Aktualität verloren. Zumindest in Deutschland steigt die Zahl von Staatenlosen. Jeder und jede weiß, wie es sich anfühlt, etwas "zu verlieren". Den Schlüssel, die Eltern, Geld, Liebe, Wohnung, die Unschuld ... Aber wer von uns ahnt auch nur, wie es ist, keinen gültigen Pass sein Eigen zu nennen. Alles, ja wirklich alles, ist in dieser Welt an diesen Pass geknüpft.
Das Triumvirat des Gezeigten beinhaltet drei Dimensionen, die ich benennen kann (mögen sich noch mehr einstellen bei der Betrachterin, dann liegt dies nicht mehr in meiner Hand!). Die erste und wichtigste: die Dimension von Freundschaft und Verbundenheit, die zweite: „Jugend ohne Gott“ mit Diskussionen um Determinismus und den freien Willen. Die dritte Dimension: die des […]
Die August-Nachmittagssonne warf lange Schatten durch die Fenster des von konzentrierter Aufmerksamkeit erfüllten quadratischen Raumes, in dem sich diese zwei Frauenzimmer gegenüber saßen. Die Besucherin, eine zierliche Gestalt in osteuropäischer Anmut, hielt ihre Kaffeetasse fest umklammert, als wäre sie Halt in einer aufmüpfigen See. „Es ist seltsam, wie sich das Leben gerade anfühlt“, begann sie, […]
Bei Thomas Mann reiste Frau Lotte nach Weimar, um den alten Geheimrat Goethe wiederzutreffen. In dieser Serie in sechs Kapiteln besucht Fräulein JUNI das thüringische Sommerstädtchen. Ein Städtchen mit deutlicher Charme-Offensive im kulinarischen Bereich, an jeder Ecke Pizza oder Eiskreme anbietend. Italienisch für Anfänger bei mitteldeutschen August-Temperaturen? Weimar. Dieser konservierte Platz, wie Lenin in seinem […]
Idee, Raum, Konzept: Antje Kröger … Kamera: Markus Rüter Die bunten Bälle hängen in schönster Schönheit herab, dick und fett, in verführerischem Pink bis ins helle Blau. Stolz steht der voll beladene Strauch auf dem kleinen Dorffriedhof. Neben dem Lazarettmuseum, das der Besucherin am Sonntag zwischen 16 und 19 Uhr Einlass gewähren würde. Da irgendein anderer […]