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Blütenschweres Monument

Idee, Raum, Konzept: Antje Kröger … Kamera: Markus Rüter

Die bunten Bälle hängen in schönster Schönheit herab, dick und fett, in verführerischem Pink bis ins helle Blau. Stolz steht der voll beladene Strauch auf dem kleinen Dorffriedhof. Neben dem Lazarettmuseum, das der Besucherin am Sonntag zwischen 16 und 19 Uhr Einlass gewähren würde. Da irgendein anderer Tag ist, kein Lazarett, dafür kurze Pullerpause auf dem Gräberplatz. Und wenn die Bälle, die andere Hortensien nennen, schon so angeberisch auf Augenhöhe schweben, werden ein paar besonders schöne Exemplare zum Mitnehmen gekappt. Heimlich, mit dem Gefühl, schwer verbrecherisch zu handeln. Der Wagen des Fahrers fährt vor, hält genau vor der Pforte, Kofferraumklappe weit geöffnet, Bälle-Weitwurf, Motorheulen, quietschende Reifen und ab-geht-die-Luzi …

„Du bist nie erwachsen geworden.“ Die Worte hallen seit ein paar Tagen in ihrem Kopf nach. Gesagt in voller Liebe von dem Menschen, der schon immer an ihrer Seite weilt. Spielt sie denn einfach nur „Erwachsensein“? Ist ihr Spiel so schlecht, dass sie sofort als enttarnt gilt? Und was ist dieses „Erwachsen“ überhaupt? Denn ge-wachsen ist sie schon, in die Höhe und in die Breite. Aber was genau macht den Unterschied zwischen dem GE und ER aus? Lohnt es sich denn, erwachsen zu werden/sein? Gibt es dafür einen Preis? Den Erwachsen-Sein-Preis? Und welcher ist nun ihr Status? Baby, Kleinkind schließen wir aus. Aus dem jungen Froillein ist sie wohl auch herausgewachsen. In welche Schublade dürfen wir sie denn stecken? Aber Vorsicht! Sie muss in der Schublade die Freiheit atmen können, Licht muss genügend vorhanden sein, immer ein reich gedeckter Tisch, wenn es möglich ist, sollen in ihrer Schublade die Grillen zirpen, die Frösche ihre Lieder singen und die Sternschnuppen ihre Kreise ziehen, ihr Geist darf darin nicht unterfordert sein und ihr schallendes Lachen braucht auch in der Lade Futter. In schönster Bauhausschrift könnte auf dem Hinweis-Schild stehen: Monument. Vielleicht auch Blütenschweres Monument.


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Blütenschweres Monument

ajisai ya
tsuya no mukô no
kasa yane ni

Hortensien
jenseits des Morgentaus
ein Dach aus Regenschirmen
Kobayashi Issa (1763–1828) 

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13. August 2024

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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