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Piroska (Einse)

Auf dem Nachttischchen aus Holz, das neben dem knarrenden Omabett stand, lag dieses wunderschöne DDR-Märchenbuch. Es war ein dicker Brocken und die Seiten waren mit einem goldenen Schnitt verziert. Als Kind dachte ich, dieses Buch wäre ein Schatz. Denn immer, nachdem Omama mir daraus vorgelesen hatte, verschwand es wieder in einer roten Box aus dicker Pappe. Dann war das wunderschöne Cover nicht mehr sichtbar, welches mich durch meine gesamte Kindheit begleitete.

Das Cover, das das niedliche Rotkäppchen zeigt, mit der riesigen roten Kappe, die spitz daherkam und mich eher an einen Zauberhut erinnerte. Das kleine Rotkäppchen mit den leuchtenden Wängchen und dem Körbchen gefüllt mit Wein und Schmaus in der einen Hand und einem Blumenstrauss für ihr Großmütterchen in der anderen. Um sie herum tanzen die Tannennadeln des tiefen Märchenwaldes und die fletschenden Zähne des Wolfsmauls. Ich liebte dieses Buch sehr. Immer, bevor Großmama mich in den Schlaf schickte, durfte ich ein Märchen für die Vorlesestunde auswählen. Als ich selbst noch nicht lesen konnte, bewegte ich einfach meinen Finger wild über das Inhaltsverzeichnis und stoppte irgendwann. Später suchte ich die Märchen nach für mich spannenden Titeln aus. Hatte ich keine Lust zu wählen, wurde das Rotkäppchen vorgelesen. Das ging immer und wurde nie langweilig. Irgendwann „lasen“ Oma und ich in verteilten Rollen. Ich wollte immer das Rotkäppchen sein. Natürlich. Und Oma sprach den Erzähler und den Wolf und die Großmutter. Ich war schon damals eine kleine Diva. Aber ich lernte auch so viel von dem kleinen Mädchen. Die Liebe, die Fürsorge, die Furchtlosigkeit, die Wichtigkeit von Wein und gutem Essen, die Vorsicht… Als mir neulich das rote Cape leuchtend über meinen Lebensweg lief, musste ich das Rotkäppchen wieder in mein Leben holen.

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4. Oktober 2026

Antje Kröger lebt und arbeitet als freie Fotografin und Fotokünstlerin in Leipzig. Das Spektrum ihrer Tätigkeit reicht vom Portraitieren anspruchsvoller Einzelkunden bis hin zu umfassend fotografisch künstlerischen Arbeiten in den Bereichen Werbung, Musik, Mode, Film, Theater etc. Im Fokus ihrer Arbeiten steht der Mensch, die Kommunikation mit dem Gegenüber ist der Schlüssel ihres Werks.

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Piroska (Zweie)
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Piroska (Zweie)

Der Korb meines Rotkäppchens war irgendwann gefüllt mit Sorgen, bis zum Rand. Sorge. Vorsorge. Sorge vor Sorge. Versorgen, umsorgen, (selbst)fürsorgen. Wo war das niedliche, furchtlose Mädchen geblieben? Angst oder Furcht. Egal. Beides in ordentlichem Maße vorhanden. Nur die Sehnsucht war geblieben. Natürlich. Und wenn sie nicht gestorben sind… Aber so viel(e) war(en) schon gestorben. Die Großmama natürlich. Aber auch die ein oder andere Utopie. Menschen. Vorhaben. Lieben, die Leichtigkeit.
4. Oktober 2026
FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)
selbstporträt inszeniert, sandkastenform als maske vor auge, grüner lidschatten, analog-digitaler remix, konzeptuelle porträtfotografie

FORM | BEZIEHUNG | INHALT (auch ein Fotoseminar)

ich bin die form, in der diese serie (und auch ein seminar, welches ich anbieten werde) überhaupt erst denkbar wird. mein körper, mein status quo, hier und jetzt, inszeniert, gestellt, verstellt vor meinen kameras. beziehung ist das wort für das, was zwischen mir und der fotografie entsteht. zwischen mir und mir, zwischen dem, wer ich gerade bin, was ich weitergeben will, und dem, was ich selbst noch lerne. deshalb zeigt sich die serie „zweimal“: analog mit großformatkamera, auf altem orwo-fotopapier, das aus einem land stammt, in dem auch ich sozialisiert wurde, bevor es aufhörte zu existieren. und digital, in farbe, mit der technik unserer zeit. denn ich bin beides: das damals und das jetzt, ohne dass eines das andere widerlegt.
24. September 2026
Der Garten der verzweigten Lichter
Frau in fliederfarbenem Kleid lehnt tanzend an Baumstamm im Wald, Arm ausgestreckt, Efeu und Dickicht, inszenierte konzeptuelle Farbfotografie

Der Garten der verzweigten Lichter

Das Holz knackt morschtrocken. Kein Lüftchen weht. Auch kein laues. Die Wipfel der halbstarken Bäume haben sich zu einer Krone vereinigt, sie lassen wirklich wenig Licht hindurch. Wenn aber, dann schießt es wie Patronensalven auf alles Sein und kreiert harte, herrliche Schatten. Liebstes Schattenlicht. Aus dem Revolver der Sonne. Das ist die Welt im Garten der verzweigten Lichter. Der Efeu rankt, abgebrochene dünne und auch dicke Äste liegen wie Stolperfallen auf den nicht vorhandenen Wegen.
17. September 2026